Berichte
 
 
DIE JAHRESWANDERFAHRT 2005
 
Für unsere Jahreswanderfahrt hat Jürgen Hauf, eine Fahrt auf der Werra, Fulda und Weser, von Creuzburg bzw. Kassel bis zur Porta Westfalica ausgeschrieben. Der Einladung folgten auch 2 Australier, Jürgen hatte das Ehepaar in 2001,2002 u. 2003 auf der Donau durch Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien und Bulgarien kennengelernt. In 2004 hatten sie sich auf der Elbefahrt von Schmilka nach Hamburg wieder getroffen. Maureen und Normen Jackson haben sich für das Befahren deutscher und französischer Flüsse Einerkajaks gekauft. Um noch weitere Flüsse in Norddeutschland zu befahren, wurde dann für 2005 diese Tour vereinbart. Sie lieben die etwas größeren Flüsse, weil sie dann ihre Stärken auf dem Wasser voll ausspielen können. Beide sind noch aktive Wettkampfsportler und betreiben den Marathonsport. Die größte Herausforderung ist in Australien immer der Marathon auf dem Murrey River. In 4 Tagen muss eine Strecke von 404 km bewältigt werden. Ferner zählt auch ein Wettbewerb in Perth dazu. Für 2 Regattatage müssen sie von Brisbane eine Strecke mit dem Auto von 2.500 km in 2 Tagen bewältigen und dann wieder zurückfahren. Ihre Leidenschaft ist halt der Kajaksport.
Weitere 8 Teilnehmer waren: das Ehepaar Helga und Winner Arnemann und Albin Müller, alle PKH Hannover, Rolf Eiser vom TSV Nienhagen, Peter Wrulich vom OYK Oldenburg, Günter Nitzsche, sowie Wolf Gutschke und Jürgen Hauf vom MSV.
 
Die Gesamtstrecke (340 km) auf Werra, Fulda und Weser, von Creuzburg bzw. Kassel nach Minden, also vom Rande des Thüringer Waldes bis zur Norddeutschen Tiefebene, der Porta Westfalica, solle in 11 Tagen bewältigt werden. Gleichzeitig soll uns die Fahrt durch vier Bundesländer führen, nämlich Thüringen, Hessen, Niedersachen und Nordrhein – Westfalen.
 
 
Terminplan
Anfahrt mit PKW SA,    den       18.06.2005        nach Eschwege zum 1. Standquartier
 1. Paddeltag S0,          den       19.06.2005        Creuzburg                     Treffurt                        29 km
 2. Paddeltag MO,         den       20.06.2005        Treffurt                          Eschwege                   22 km
anschließend Vorsetzen der Fahrzeuge nach Hann.- Münden
 3. Paddeltag DI,           den       21.06.2005        Eschwege                    Witzenhausen              39 km
 4. Paddeltag MI,           den       22.06.2005        Witzenhausen               Hann.-Münden             23 km
anschließend Aufstieg zur Tillyschanze, Stadtbesichtigung
 5. Paddeltag DO,         den       23.06.2005        Kassel- Wolfsanger       Hann.-Münden              23 km
 6. Paddeltag FR,          den       24.06.2005        Hann.-Münden              Beverungen                  54 km
 7. Paddeltag SA,          den       25.06.2005        Beverungen                   Grave                          47 km
 8. Paddeltag SO,         den       26.06.2005        Grave                           Hameln                        36 km
Ruhetag MO     den       27.06.2005 Stadtbesichtigung und Fahrzeugtransport Ha Mü nach Minden
 9. Paddeltag DI,           den       28.06.2005        Hameln                        Rinteln                         27 km
            anschließend Stadtbesichtigung
10. Paddeltag MI,          den       29.06.2005        Rinteln                         Minden                         40 km
                        anschließend Stadtbesichtigung
 
Abschlussfahrt auf der Aller

11. Paddeltag FR,         den       01.07.2005        Winsen                        Essel                           27 km

Gesamtkilometer                                                                                                                  367 km

 
Treffpunkt am SAMSTAG, den 18.06.2005 beim Kanu Klub in Eschwege bis 16:00 Uhr.
 
Alle Teilnehmer sind pünktlich eingetroffen.
 
 
Sonntag, den 19.06.

 
Nach einem guten Frühstück, Brötchen hat G. Nitzsche geholt, fahren wir mit den Kanus beladenen Pkws nach Creuzburg.
Es geht gleich los, denn  der gewählte Einsatzort liegt etwas oberhalb des Ortes. Aussteigen und die Burg ansehen möchten wir nicht, deshalb ein kleiner Abriss von diesem Städtchen:
Die Burg entstand im 12. Jahrhundert und weist im Kern eine romanische Anlage auf, die später mehrmals erweitert wurde. Im 13. Jahrhundert hat Creuzburg den Rang einer Nebenresidenz der Ludowinger, verlor aber unter den Wettinern an Bedeutung. Als Herzoghaus diente der ehemalige Palas. Im Laufe der Zeit waren Heinrich Raspe, Philipp Melanchthon, Martin Luther und Johann Wolfgang von Goethe Gäste auf der mittelalterlichen Burg. Nach mehrfachem Herrscherwechsel kam Creuzburg von 1741 - 1920 zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Die strategisch bedeutende Lage brachte der Stadt immer wieder Krieg und Zerstörung.
 
Die alte Bausubstanz wurde davon stark in Mitleidenschaft gezogen, z.B. die Kirche St. Nikolai von 1215, die Klosterapotheke und die Gottesackerkirche. Eine wirtschaftliche Besonderheit des Ackerbaustädtchens Creuzburg stellte die von 1758 - 1808 betriebene Seidenraupenzucht dar. Ein Heimatmuseum in Creuzburg gibt Auskunft zur wechselvollen Geschichte der einstigen landgräflichen Residenz. Es ist von April bis Oktober geöffnet. Der parkähnliche Burghof mit Brunnen und Freilichtbühne, Festsaal und Marstall werden für verschiedenartige Veranstaltungen genutzt.1
 
Beim Durchfahren der alten steinernen Brücke gibt es leicht Grundberührung. Hier beginnt der landschaftlich schönste Teil unserer Tour. In diesem engen Tal führt uns nun die Werra in weiten Schleifen von Prallhang zu Prallhang. Die blanken Felsenwände sind leicht bemoost. Es ist zu vergleichen mit der Altmühl und seinen 12 Aposteln vor Dollenstein. Die Fließgeschwindigkeit der Werra lässt nach und langsam kommen wir in den Staubereich der Wehranlage Mihla. Hier haben wir auch gleich den ersten Bademeister, weiter geht es in Richtung Norden. Die Werra wird an den Ufern von Büschen und kleinen Bäumen umsäumt. An ihnen kann man durch Restbestände von Treibgut noch den Wasserstand bei Hochwasser erkennen.
Aber auch Algenbewuchs befindet sich auf der Werra. Es soll von der Kali und Salzgewinnung aus Herringen zu diesem Bewuchs kommen.
Die Werra schlängelt sich an den Bergrücken an Ebenhausen und Frankenroda vorbei und wir erreichen den km 0 bei Probstei Zella unser Ziel für die Mittagspause. Der idyllisch gelegene Landgasthof mit Hotel liegt zwischen den Falkener Klippen und der Werra. Der Werra – Radweg führt ebenfalls direkt vorbei.
Zur Geschichte der Probstei Zella:
777 unserer Zeit soll sich ein Eremit, wahrscheinlich ein Mönch namens Martin und Gefolgsmann des heiligen Bonifatius, hier an dieser Stelle zwischen Fels und Fluss niedergelassen und eine Zella (kleines Kloster) gegründet haben. Ludwig der Eiserne, Landgraf von Thüringen, hob 1170 das Benediktinerkloster auf dem Creuzberg an der Werra auf, um an dieser Stelle des Klosters sich eine den Übergang über die Werra sichernde Burg zu erbauen - die heutige Creuzburg. Er hatte zuvor seinen Besitz des Petersstifts zu Erfurt um einige Ländereien an der Werra zwischen Falken und Frankenroda vermehrt und zur Verwaltung einen Probst auf den Klosterhof gesandt, der so seinen Namen „Probstei Zella„ erhielt. Dann ließ er die Mönche des Petersklosters zu Creuzburg in die Probstei Zella versetzen. Zu dieser Zeit gab es in Frankenroda noch keine Kirche, so dass die Einwohner in die Probstei Zella eingepfarrt wurden. Später, wahrscheinlich erst nach dem Bauernkrieg, bekamen die Frankenrodaer durch den hiesigen Probst eine eigene, von den Mönchen bediente, Kapelle, aus Dankbarkeit für treue Tagelohndienste. in einer Fehde gegen das Erfurter Petersstift zerstörten Mühlhäuser 1417 erst das Kloster Zella und danach auch noch die Stiftskirche des heiligen Martin zu Falke». Diese wurde erst um 1500 wieder aufgebaut. Am 28.4.1525, der Bauernkrieg war bereits in vollem Gange, flohen Mönche aus der Probstei Zella und anderen Außenstellen des Erfurter Peterskloster, aus Angst vor Anschlägen der revolutionären Bauern, nach Erfurt. Nach dem Bauernkrieg war die Probstei Zella durch Bauern völlig zerstört wurden. Zu dieser Zeit soll auch Thomas Müntzer unweit von hier, an der legendären Bauernkanzel, gepredigt haben. So soll am 1.5.1525 der „vereinigte Haufen„ aus der Langensalzaer Gegend durchs Eichsfeld gezogen sein. Sie kamen auf ihrem Marsch, unter der Führung Thomas Müntzers, bis zur Bauernkanzel unter den Falk‘ner Klippen. Von diesem Kalkfelsen herab soll Müntzer die Bauern zum Kampf gerufen haben. Beweise dafür, ob wirklich Müntzer von der Kanzel predigte, oder ob es sich „nur„ um LIPS König, einen Falkener Pfarrer, der sich zur Lehre Müntzers bekannte, handelte, gibt es nicht.
Weiterhin ist bekannt dass der Landgraf Friedrich der Ernsthafte 1531 die Zella erneuern ließ. Um 1715 lebten etwa 25 Mönche in der Zella, die Einwohnerzahl Frankenrodas betrug 240.
 
Nach der Enteignung durch die Protestantisierung, im Zuge der Reformation, hat das Klostergut die Herren öfters gewechselt. So gehörte es 1803 zu Preußen, 1806 fiel es an General Napoleon, 1813 wieder an Preußen und 1815 an Sachsen - Weimar. Zu dieser Zeit wurde es z.B. als Forsthaus genutzt. Eine Steintafel über der Eingangstür des früheren Gerichtshauses von Frankenroda stammt noch aus der Probstei Zella. Diese ist 1873 von Heinrich Möller dort angebracht wurden. Sie zeigt gemeißelt das Wappen des Erfurter Petersklosters, welches damals die Gerichtsobrigkeit über Frankenroda innehatte.
Viel später zu DDR- Zeiten befand sich ein Ferienobjekt von Laborchemie Apolda im heutigen Landgasthof Probstei Zella. Diese betriebliche Erholungseinrichtung wurde ganzjährig genutzt. Erst nach der Wende blieb sie geschlossen.
1996 erwarb Familie Groß das Anwesen. In den folgenden zwei Jahren wurde das Gebäude von Grund auf renoviert, so dass am 1.5.1998 der Landgasthof „Probstei Zella„ eröffnet werden konnte.2
 
Das Landgasthaus mit seiner guten Küche und dem "Wernesgrüner Bier" überzeugen uns hier anzulegen.
 
Die Werra ist ab hier nun eine "Bundeswasserstraße“, auch wenn sie nicht mehr der allgemeinen Schifffahrt dient. Nach einer großen Schleife sind wir am Wehr in Falken angelangt. Ein sehr bequemer Ein- und Ausstieg erleichtert das Umtragen. Es geht auch gleich weiter. Von weitem grüßt uns die Adolfsburg und nach 2 km erreichen wir die Stadt Treffurt, unser heutiges Ziel. Die Autos werden von Creuzburg geholt, beladen und zurück geht es nach Eschwege.
 
 
Montag, den 20.06.17.06.2001
 
Am nächsten Morgen dann Start in Treffurt. Die Werra fließt nun bei Heldra kurzfristig durch "hessisches Land". Links liegen das thüringische Großburschla und rechts das hessische Altenburschla. Bei km 20 erreichen wir die Stauanlage Wanfried und machen erst einmal eine kleine Mittagspause. Man sucht den Schatten alter Bäume auf. Nach dem Umtragen werden wir von einem Schwan, der nur seine Familie schützen will, angegriffen. Nachdem wir ihm unsere friedlichen Absichten klargemacht haben, lässt er uns in seiner bedrohlichen Angriffsstellung passieren. Die Staustufe Wanfried hat noch eine Schleuse, früher –vor 100 Jahren - ist bis hierher die Schifffahrt noch gegangen, hauptsächlich Getreide wurde hier umgeschlagen.
Die Berge ziehen sich etwas zurück und die Landschaft öffnet sich. Eschwege ist erreicht. Beim Kanuclub nehmen wir die Boote heraus, hier ist unser Quartier. Die Autofahrer bringen noch die Autos nach Hann.-Münden und sind schon mit dem Zug um 15:30 Uhr wieder in Eschwege.
Die schöne saubere Fachwerkstatt Eschwege und der Kanuklub mit seinem neuen schönen, erweiterten Bootshaus sind uns durch die jährlichen Wochenendfahrten auf der Werra so richtig ans Herz gewachsen. Nach einem Abstecher in der "Krone" zum Abendessen gehen wir wieder zurück zum Kanu Klub.
 
 
Dienstag, den 21.06.
 
Unsere Boote sind heute für die Gepäckfahrt voll beladen. Das Umtragen an der Wehranlage in Eschwege würde uns viel Mühe machen. Winner und Helga Arnemann fahren mit ihrem Zweierkajak zur Schleuse vor, um sie mit Wasser zu befüllen. Wir anderen, die etwas später aufs Wasser gehen, können gleich in die Schleuse einfahren. Nach der Wehranlage hat die Werra jetzt wieder flotte Strömung. Bis Albungen hat sich der Fluss tief eingegraben. Dann führt er wieder an den Bergrücken in kleinen Schleifen auf Bad Soden – Allendorf zu. Umtragen möchten wir nicht gern. Wir machen erst einmal eine Mittagspause mit Stadtbesichtigung von Allendorf. Gleichzeitig werden der Proviant und die Getränke aufgefüllt. Die Boote werden wieder zu Wasser gelassen und Jürgens Boot macht sich selbständig, kann aber von Günter und Maureen gesichert werden. Während Rolf Eiser das Wehr mit seinem Boot fährt, hat Winner sich geopfert und bedient die Schleuse. Es geht an Wahlhausen vorbei und wir erreichen die Hufeisenschleife bei Lindewerra. Hier verlief vor der Wiedervereinigung die Grenze zwischen der BRD und der DDR in Flussmitte. Nichts ist davon noch zu sehen. Eine neue Brücke verbindet wieder Lindewerra mit Oberrieden. Die Narben sind verheilt.
Links guckt die Burg Ludwigstein und rechts die Burg Hanstein hervor. Nach 8 km erreichen wir das Bootshaus des Kanuklubs in Witzenhausen. Wir werden sehr freundlich empfangen. Heute ist Selbstversorgung angesagt. Der Himmel bezieht sich und ein Gewitter zieht auf. Die Betreuer vom Kanu Klub sagen uns aber kein großes Gewitter voraus. Tatsächlich nach einem kurzen Regenschauer ist es an uns vorbeigezogen. Witzenhausen ist auch eine sehr schöne Fachwerkstadt mit Wehrtürmen auf den Mauern und der Liebfrauenkirche aus dem 13. Jahrhundert. Zum Abschluss des Tages sitzen wir noch fröhlich bei den Witzenhäusern auf der Terrasse bei frisch gezapftem Bier aus Eschwege und dem heimischen Kirschbrand. Die beiden Australier verewigen sich im Gästebuch des Klub´s und erhalten als Präsent eine Medaille der alten Grenzland Rallye,
 
 
Mittwoch, den 22.06
 
Das heutige Ziel ist Hann. – Münden und das liegt schon in Niedersachsen. Jeden Morgen der gleiche Rhythmus nach dem Frühstück: Zelte abbauen, Boote laden und zu Wasser bringen. Wir werden in Witzenhausen mit Glockengeläut verabschiedet und es geht mit flotter Strömung zum nächsten Wehr.  Die Werra führt uns an Gertenbach und Blickershausen nach Hedemünden. Dem Gertenbacher Kampfschwan können wir ausweichen und benutzen vor dem Wehr Hedemünden die Lache, im unteren Teil Wildwasser. Das war bislang die schnellste Wehrüberquerung und es hat viel Spaß gemacht, wenn es so richtig strömt.  Die Werra drängelt sich am Kaufunger Wald vorbei und nach der Autobahn- und DB- Brücke kommen wir zum Wehr "Letzter Heller". Vor dem Wehr hat sich ein Riesen großer Teppich von Algen angesammelt.
Mit den vorhandenen Bootswagen geht auch hier das Umtragen recht flott und weiter geht es bis wir die ersten Häuser von Hann. – Münden sehen. Das erste Überlaufwehr lassen wir links liegen und bleiben ganz rechts, unterfahren die alte steinerne Werrabrücke bis zum Wehr und können dann unter Beobachtung von Touristen unsere Boote mit dem hier vorgehaltenen Bootswagen zum Unterwasser fahren. Wieder mit flotter Strömung geht es dann in die Weser und am Weserstein gleich links in den Schleusenkanal der Fuldaschleuse. Es kommt gerade ein Fahrgastschiff aus der Schleuse und wir können gleich einfahren und werden geschleust. Nach einem Kilometer gelangen wir zu unserem Etappenziel, dem Kanu Klub in der sieben schönstgelegenen Städte der Welt (A. von Humboldt), erreicht. Durch die Vereinigung der Werra mit der Fulda müssen nun beide Flüsse ihren Namen büßen. Am Weserstein ist dieses für jedermann schriftlich festgehalten. Bei einem anschließenden Stadtgang haben wir uns davon überzeugt. Die herrlichen Fachwerkhäuser (700 aus 6 Jahrhunderten) mit der Renaissance - Rathaus, dem Welfenschloss und auch das Haus des Dr. Eisenbart begeistern uns sehr. In der Drei – Flüssestadt - Münden endet unsere Werrafahrt, die nun morgen auf der Fulda fortgesetzt werden soll.
 
 
Donnerstag, den 23.06.
 
Unsere Autos bringen uns nach Kassel. Im Stadtteil Wolfsanger finden wir eine Einsatzstelle. Wir fahren heute mit leeren Booten, gut so, denn hier läuft nichts. Wir befinden uns im Bereich der neu ausgebauten Bundeswasserstraße Untere Fulda. Die Strecke ist bis Hann. Münden Stau geregelt. Drei Wehre müssen überwunden werden. Das Wasser der Fulda ist wesentlich klarer als das der Werra, hier gibt es keine Algenbildung. Wir durchfahren wieder eine wunderschöne Landschaft. Die Kammermauer der alten Schleuse Wolfsanger ist auf der linken Seite noch gut zu erkennen.
Die Kanus tragen uns nun zwischen den Waldbergen des Kaufungerwaldes und dem linksseitigen Reinhardswald an der Grauen Katze und dem Roten Kater vorbei zur Kragenhofer-Schleife. Die drei Inseln des Naturschutzgebietes werden von uns selbstverständlich weiträumig in der Außenkurve umfahren.
Die erste neue Wehranlage auf dieser Strecke erreichen wir in Wahnhausen. Links neben der Einfahrt zur Schleuse wird per Knopfdruck die Schleusung angemeldet. Nachdem die Schleusentore sich geöffnet haben und die Signalanlage auf grün umgesprungen ist, können wir in die Schleusenkammer einfahren. Aber die Gunst der Stunde können nur die beiden Australier nutzen und mit einem Fahrgastschiff geschleust werden. Wir anderen müssen leider Umtragen. Aber mit dem Bootswagen auch kein Problem. Der eigentliche Schleusenvorgang wird nun von einer Selbstbedienungsanlage, die auf einem Schwimmkörper - sehr gut vom Boot zu erreichen - installiert ist, ebenfalls per Knopfdruck gesteuert. Alles ist bedienerfreundlich für den automatischen Schleusenvorgang eingerichtet. Die Schleusung dauert ca. 10 Minuten und wir haben einen Höhenunterschied von bis zu 8,50 m überwunden. Das Wasser in der Schleuse ist kaum in Bewegung.
Bei Flusskilometer 101.425 erreichen wir die nächste neue Wehranlage der Unteren Fulda in Wilhelmshausen. Wir freuen uns schon auf die Fahrt in der Bootsgasse. Mit dem Ziehen der Reißleine für die Benutzung der Anlage senkt sich der Verschlusskörper und die Einfahrt wird durch ein grünes Signalzeichen freigegeben. Während der Öffnungszeit können bequem 2 Kanus abfahren.
Da die Bootsgasse sehr breit angelegt ist werden unsere Boote im unteren Teil nach links abgedrängt und bekommen an der Kammerwand Berührung. Für Boote mit einer Steueranlage wie bei den Zweierkajaks ist eine Steuerkorrektur deshalb angebracht, obwohl in der Bedienungsanweisung auf die Nichtbenutzung der Steueranlage ausdrücklich hingewiesen wird. Zwei Kameraden entschließen sich doch umzutragen. Wir sind wieder auf dem Wasser; gestärkt nach einem Mittagsmahl und mit flotten Schlägen geht es vorwärts bis zur nächsten Wehranlage in Bonaforth.
Auch hier ist die Überquerung des Hindernisses mit einer Bootsgasse möglich. Durch unsere Erfahrung mit der letzten Anlage befahren wir sie etwas vorsichtiger und aufmerksamer. Alle Boote kommen sehr gut durch die Anlage, kein Abdriften in der Gasse und keine Unterströmung im Unterwasserbereich - eine ausgereifte Bootsgasse.
Ohne Halt geht es weiter nach Hann. - Münden. Rechts noch die Ausläufer des Kaufungerwaldes, der Reinhardswald soll uns noch weiter begleiten. Wir befinden uns nun in Niedersachsen und beim Kanu Klub.
 
 
Freitag, den 24.06.

Wir starten mit unseren Booten um 9:00 Uhr und können in unseren Booten bleiben, weil wir von einem freundlichen Schleusenwart bedient werden. Am Weserstein vereinen sich Fulda und Werra zur Weser. Die Fließgeschwindigkeit der Weser ist doch erheblich höher, schätzungsweise 1 m/s so zwischen 3 und 4 km/h. Das nächste Wehr befindet sich nach 135 km erst in Hameln.
 
Wir fahren an Gimte vorbei und erreichen nach Hilwartshausen die Ballertasche, die erste Engtalstrecke der Weser. Links der Reinhardswald und rechts der Brahmwald, die Weser trennt hier Hessen von Niedersachsen - das hessische Veckerhagen und das niedersächsische Hemeln sind aber durch eine Fähre miteinander verbunden. Nach der Veckerhagener Talweite müssen wir die zweite Engtalstrecke durchfahren.
Die Sonne meint es heute gut mit uns, also schöne Aussichten. Die herrliche Landschaft können wir so richtig genießen.

Im Bramwald haben früher die alten Rittersleute ihr Unwesen getrieben. Die Ruine des sagenumwobenen Raubritternestes ist leider nicht zu erkennen und von Dornröschen in der Sababurg links oben im Reinhardswald können wir nur träumen.
Bei Weser-km 28 erreichen wir Gieselwerder, die Zwischenstation. Nach einer längeren Mittagsrast brechen die ersten drei auf. die anderen eine halbe Stunde später.
Rechts liegt Lippoldsberg mit der frühromanischen Kirche eines ehemaligen Schlosses. In diesem Ort lebte einer der Gebrüder Grimm. Weiter nach Bodenfelde und schon ist der Solling unser Begleiter.
Unterhalb von Wahrmbeck beginnt die dritte Engtalstrecke mit dem Sollingdurchbruch.
 
Mit Bad Karlshafen erreichen wir eine der schönsten Städte an der Weser. Der Landgraf Karl von Hessen nahm die in Frankreich wegen ihres protestantischen Glaubens verfolgten Hugenotten hier auf und ließ sie diese Stadt mit ihrer Hafenanlage bauen. Ein ganz anderer Baustil als die uns bekannten Fachwerkhäuser. Leider ist die Hafenanlage nicht mehr befahrbar - vielleicht auch ganz gut so. Es würde nur so von Sportbooten wimmeln.
Von hier wurden die Hessen, die von ihren Landesherren dem Kurfürst von Hessen - Kassel, an die Engländer für den Kampf gegen die Unabhängigkeitsbewegung in Amerika verkauft wurden, eingeschifft.
Vor uns ist der Julius-Turm oberhalb der Weser zu erkennen. Die Diemel mündet von links in die Weser und die „Hannoverschen Klippen“ werden überwunden. Weiter geht es nach Herstelle, dem ersten Ort in Nordrhein-Westfalen. Das Land Hessen haben wir nun auch hinter uns gelassen.
In Würgassen endet der Sollingdurchbruch und „Am Totenkopf“ beginnt der große Weserbogen. Mit dem Totenkopf könnte auch das Atomkraftwerk gemeint sein. Es liegt so friedlich und still in der schönen Landschaft. Kein Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen.
Alles so ungefährlich? Ist es schon stillgelegt? Wo bleibt nur der Atommüll?

Gegen 16.00 Uhr ist das Ziel - das Bootshaus des WSV Beverungen - erreicht. Eine vorbildliche Anlage mit einer guten Küche. Schnell sind die Zelte aufgestellt und dann unter die Dusche und den Schweiß abgespült. Was für eine Wohltat!
Die ersten sitzen im Schatten auf der Terrasse bei Kaffee und Kuchen.

Zum Abendbrot werden wir von der Küche mit einer reichhaltigen Speisekarte und gutem Essen verwöhnt. Auch das Bier läuft gut. Fassbrause gibt es leider nicht mehr.
 
 
Samstag, den 25.06.

Am nächsten Morgen geht es bei spärlichem Sonnenschein aufs Wasser.
Oberhalb der Weser, in einem engen Bogen, sehen wir das Schloss Fürstenberg mit seiner staatlichen Porzellanmanufaktur.
In der Ferne sind schon die Türme der Kilianskirche von Höxter zu sehen. Auch hier in Höxter sollte man aussteigen und die reizvolle westfälische Kreisstadt, welche von einer Stadtmauer - von drei Seiten - umgeben ist, einmal ansehen. Wir lassen Höxter hinter uns und nach einer Strombiegung liegt links neben uns die Benediktiner - Abtei Corvey mit ihrer Kirche. Hier ist auch die Grabstätte des Hoffmanns von Fallersleben, dem Dichter des Deutschlandliedes. Es ist doch wieder ganz schön warm geworden. Eine kleine Pause ist angesagt. Zur Besichtigung des Klosters besteht wenig Lust.

Durch die „Südenbucht“, eine unübersichtliche Stelle bei Schiffsverkehr, kommen wir nun nach Holzminden. Den Getreidespeicher haben wir schon von weitem gesehen.
Die ersten dunklen Wolken kommen auf und der Wind nimmt kräftig zu. Der Köterberg, der höchste Berg des Weserberglandes, liegt im Regen. Die Weser wechselt in weiten Windungen von Prallhang zu Prallhang. Um 16.00 Uhr sind wir in Polle. Oberhalb der Fähre steht trotzig die Burg der Grafen von Everstein. Hier ist eigentlich die zweite Pause vorgesehen, schlechte Aufstiegsmöglichkeit und wegen des Regens wollen wir weiterfahren. Mit flottem Schlag geht es an Brille vorbei und wir erreichen den Campingplatz in Grave. Wieder ist Selbstversorgung angesagt bzw. eine Bratwurst und Bier ist zu bekommen. Anschließend dürfen wir das Fußballspiel Deutschland – Brasilien in einem kleinem mit Rauchschwaden verhangenden Raum ansehen. Es ging leider 2:3 verloren. Das Beste und Lustigste aber waren die Fachkommentare anderer Campinggäste zum Spiel.
 
 
Sonntag, den26.06.
 
Nach einer unangenehmen Nachtruhe, um 2:00 Uhr Weserüberquerung von jungen Leuten, die von einem Feuwehrfest Heim wollten und um 5:45 Uhr Einteilung der Angler für einen Wettbewerb, tragen uns die Boote wieder auf der Weser. Es geht weiter über Steinmühle und der Rühler Schweiz nach Bodenwerder. Noch hinauf einen Blick zur Königszinne, der Aussichtsplattform auf dem Vogler oberhalb Bodenwerders, und schon tragen uns wieder die Fluten der Weser durch die Kemnader-Brücke in Richtung Nordwest. Links liegt das Schlosses Hehlen, ein Renaissance - Schloss mit Zwiebeltürmen. Wir erreichen jetzt die fünfte Engtalstrecke der Weser.
Schon von weitem sind die Wasserdampfschwaden des Atomkraftwerkes Grohnde sichtbar. Die Weser ist hier schon sehr breit und durchfließt ein weites Tal. Wie ein riesiger Klotz in der Landschaft steht vor uns das Atomkraftwerk Grohnde mit seinen riesigen Kühltürmen. Von der Kühlwassereinleitung über eine Berieselungsanlage hat sich ein gelbgrüner Teppich aus den Schwebstoffen des Weserwassers ausgebreitet. Wir stampfen mit unseren Booten durch diese Brühe. Es geht weiter immer Richtung Nordwesten bei etwas Gegenwind und Sonnenschein. An Kirchohsen vorbei erreichen wir Emmerthal mit dem Zufluss der Emmer.

Die Fließgeschwindigkeit der Weser lässt erheblich nach und am Ohrberg befinden wir uns im Staubereich der Wehranlage Hameln. Von rechts mündet die Hamel in die Weser, links ein Wasserübungsplatz der britischen Pioniere. Wir halten uns mit unseren Booten auf der rechten Weserseite und erreichen den Kanu Klub in Hameln. Das Ziel Hameln ist erreicht. Drachenbootfahrer machen sich zum Training bereit.
 
 
Montag, den 27.06.
 
Ruhetag
Hameln ist eine der schönsten Städte Norddeutschlands mit zahlreichen Bauten der Weser - Renaissance, dem Rattenfängerhaus und dem Hochzeitshaus. Während die Autofahrer die Autos von Hann.-Münden holen und sie gleich nach Minden vorfahren. besuchen die Anderen die Altstadt von Hameln. Aus Anlass seines baldigen „29.06.“ Geburtstages werden wir von Günter freundlicherweise zu einem Spanferkelessen beim Kanu Klub eingeladen. Dankend haben wir die Einladung angenommen, Essen und Trinken war hervorragend.
 
 
Dienstag, den 28.06.
 
Um 9:00 Uhr sind wir zum Schleusen angemeldet. Um kurz vor 9:00 Uhr können wir in die Schleuse einfahren. Die Schleusenkammer ist leicht gewölbt und sehr lang. Der Schleusenvorgang dauert daher sehr lange. Der starke Seitenstrom des Kraftwerkes lässt uns auf der linken Weserseite bleiben. Von rechts mündet der zweite Weserarm ein und die Weser hat wieder ihre alte Fließgeschwindigkeit.
Nach 4 km ist rechts Fischbeck mit der ehemaligen Klosterkirche zu sehen.
Das breite Wesertal wird links von den einsamen Wäldern des Rumbeckers Berges und rechts vom Süntel und dem Wesergebirge begrenzt. Die Hohensteiner Klippen und auch das Schloss Schaumburg sind gut auszumachen. In der Ferne ist schon der Kirchturm von Rinteln zu sehen; noch eine Schleife, dann haben wir es erreicht und sind am Bootshaus des Rintelner Kanu - Klubs bei Weser-km 163. Auch hier sind wir angemeldet und ein Lager auf dem Boden des Bootshauses für unsere Luftmatratzen steht uns für eine geringe Gebühr zur Verfügung. Aber bei diesem warmen lauen Wetter bleiben wir auf dem Gelände des Kanu-Klubs. Mit unseren Zelten sind wir die einzigen Gäste hier.
Nach dem Duschen machen wir die obligatorische Stadtbesichtigung mit anschließendem Abendessen beim „Italiener“.
 
 
Mittwoch, den 29.06. (letzter Tag)

7.00 Uhr wecken, waschen, aufräumen, Boote klarmachen,
8.00 Uhr Frühstück - Brötchen bringt der Bootshaus – Wirt.
Um 9.00 Uhr sitzen wir wieder in unseren Booten und verlassen Rinteln. Wir fahren am Doktorsee, einem großen Wassersport- und Freizeitzentrum, vorbei und erreichen nach einigen Fehl - km (mit alphanumerischen Zeichen versehen), weil die Weser einmal von Bremen am Beginn der Unterweser und dann wieder von der Entstehung in Münden kilometriert wurde, bei km 174 die Veltheimer Bucht. Mit km 177 beginnt die sechste Engtalstrecke der Weser, rechts erscheint das große Kohlekraftwerk Weser. Wir fahren an Vlotho vorbei. Wir befinden uns nun in Nordrhein-Westfalen im Kreis Minden-Lübbecke und unterfahren die beiden Autobahn- und Eisenbahnbrücken. Links liegt das berühmte Staatsbad Oeynhausen. Die Werre mündet bei Rehme von links in die Weser ein.
Die Weser macht nun einen großen Bogen und fließt in Richtung Osten. Vor uns steht das Wiehengebirge. Wie kommt das Gebirge zu seinem Namen?  Weil es wie `n Gebirge aussieht, behaupten die Mindener. Die Wittekindsburg ist zu sehen. Die Stammburg des Sachsenherzogs Widukind. Der Sage nach wurde Widukind von den Franken Karls des Großen verfolgt, nachdem sie in Verden 7 000 heidnische Sachsen, die nicht den christlichen Glauben annehmen wollten, niedergemetzelt hatten. Widukind war durch die Verfolgung so durstig geworden, dass er sich entschloss, wenn er jetzt Wasser finden würde, trete er zum christlichen Glauben über. Sein Pferd schlug aus und aus dem Fels entsprang eine Quelle. So soll dieser Herzog mit seinen Sachsen zum neuen Glauben gekommen sein. Aus dieser Quelle sprudelt noch heute frisches kühles Nass.

Die berühmte Weserscharte, die Porta Westfalica, der Durchbruch zur Norddeutschen Tiefebene ist erreicht. Links oben begrüßt uns Kaiser Wilhelm I. mit ausgestreckter Hand und auf der anderen Seite auf dem Jakobsberg im Wesergebirge streckt der Fernsehturm sich in den Himmel.
Vor uns ist eines der Wahrzeichen von Minden, die Marienkirche, zu sehen und nach 4 km haben wir die alte westfälische Kreisstadt, die im 9.Jahrhundert schon als Bischofssitz gegründet worden ist. Beim Faltboot und Ski Klub (Weser km 202,2) legen wir an. Das Endziel unserer Wanderfahrt Minden ist erreicht.
 
Unsere hier abgestellten Autos werden beladen. Wir sind um 13:00 Uhr angekommen. Natürlich ist Niemand von den Kanuten des FuS Minden anwesend.
Nach der Besichtigung der Altstadt von Minden gehen wir hinunter zum Scharn mit Eisessen, über den Markt zum Dom. Den Abschluss bildet ein Ausflug zum Wasserstraßenkreuz. Der Mittellandkanal wird mittels zweier Kanalbrücken über die Weser geführt. Die alte Dreigelenkbogen - Brücke hätte nicht mehr der heutigen Anforderungen des Großmotorschiffes von 2000 t genügt und so ist parallel zu dieser eine neue 42 m Breite und 4 m tiefe Brücke entstanden. Die Länge der beiden Brücken beträgt 325 m.
Peter, Günter verlassen uns. Helga, Rolf, Winner und Wolf  fahren nach Hause, kommen aber am Freitag nach Winsen zur Abschlussfahrt. Die restlichen fahren nach Ovelgönne.
 
 
Freitag, den 01.07.
 
Es regnet, haben wir doch auf unserer Wanderfahrt das beste Wetter gehabt, sollte das der traurige Abschied sein?
Um 9:30 Uhr treffen wir uns alle in Winsen am Alleranleger. Es hat aufgehört zu regen. Ein Auto ist bereits in Essel an der Allerbrücke abgestellt.
Abends sitzen wir beim „Chinesen“ und lassen es uns gut gehen. Den Tag lassen wir dann in Jürgens Wochenendhaus in Erinnerung an wunderschöne, warme und trockene Tage voll Harmonie ausklingen.
 
 
Jürgen Hauf

 

1) aus htp: www.iks-jena.de/thuer/stadtabc/creuzburg

2) aus http://home.t-online.de/home/zella/start.htm

 

Eine Elbewanderfahrt in 2004
Albin und Jürgen möchten in 2004 die Elbe von der Tschechischen Grenze bis nach Hamburg befahren. Beide sind Rentner mit sehr viel Zeit.
Soll man dieses im Rahmen einer ICF–Fahrt machen oder alles selber planen und sich treiben lassen?
Bei der ICF–Fahrt wird alles organisiert. Die Übernachtungsplätze und die Strecken sind genau festgelegt, alles also Zwang. Ist es nicht viel schöner den Tag frei zu gestalten und die Natur zu genießen, die Wasservögel zu beobachten und seine Pausen am Sandstrand zwischen den Buhnen zu wählen und das Etappenziel täglich neu zu bestimmen?
Hier scheiden sich die Geister bei den Paddlern, darum sind die ICF Wanderfahrten mit vielen Vorurteilen behaftet.
Wir haben uns trotzdem entschlossen, bei Abwägung aller Vor- und Nachteile unsere Wanderfahrt mit der 14. ICF-Elbefahrt von Schmilka nach Hamburg zu verknüpfen. Unsere Erfahrungen in 2000 waren sehr positiv.
Was sind denn die Nachteile einer solchen Fahrt?
 
Große Gruppe (70 Personen) – verteilt sich aber auf dem Wasser.
Unruhe auf den Zeltplätzen – stimmt nicht, 22:00 Uhr ist Nachtruhe, die auch eingehalten wird.
Festgelegte Etappen – warum nicht, ein Zeitlimit gibt es ja nicht. Die Natur kann man genießen, die Wasservögel beobachten und seine Pausen am Sandstrand zwischen den Buhnen kann man auch frei wählen. Bis 20:00 Uhr kann man immer am Etappenziel ankommen. Vorfahrten bzw. Trennung von der Truppe sind nach Abmeldung beim Fahrtenleiter jeder Zeit möglich.
Es gibt also keine Nachteile. Im Gegenteil, eine sehr ausführliche Ausschreibung mit Stadtplänen und Streckenbezeichnung ist der Ausschreibung beigefügt und jeder Kanu Klub, bei dem übernachtet wird, überschlägt sich mit Kaffee und Kuchen, Essen und Getränken. Die Anfahrt nach Dresden erfolgt mittels Bus und die Boote werden mit transportiert. Selbst eine Abschlussfeier mit gemeinsamem Essen, sowie eine Plakette über die Teilnahme an der Tour sind eingeschlossen. Die Veranstaltung endet mit einer Barkassenfahrt am nächsten Morgen durch den Hamburger Hafen.
Und auch wichtig: Bei Abschluss dieser Tour sind die Bedingungen für das Wanderfahrerabzeichen erfüllt.
Also nur positive Aspekte für eine ICF–Fahrt .
Zeitplan für 2004:
 
Bus-Anfahrt
Samstag
10.07.2004
Hamburg
Dresden
 
1.
Paddeltag
Sonntag
11.07.2004
Schmilka
Dresden
44 km
1.
Ruhetag
Montag
12.07.2004
Dresden
Wanderung
 
2.
Paddeltag
Dienstag
13.07.2004
Dresden
Meißen
34 km
3.
Paddeltag
Mittwoch
14.07.2004
Meißen
Risa
25 km
4.
Paddeltag
Donnerstag
15.07.2004
Risa
Torgau
48 km
2.
Ruhetag
Freitag
16.07.2004
Torgau
Stadtbesichtigung
 
5.
Paddeltag
Samstag
17.07.2004
Torgau
Elster
46 km
6.
Paddeltag
Sonntag
18.07.2004
Elster
Coswig
35 km
7.
Paddeltag
Montag
19.07.2004
Coswig
Aken
41 km
8.
Paddeltag
Dienstag
20.07.2004
Aken
Magdeburg
48 km
3.
Ruhetag
Mittwoch
21.07.2004
Magdeburg
Wasserstraßenkreuz
 
9.
Paddeltag
Donnerstag
22.07.2004
Magdeburg
Rogätz
29 km
10.
Paddeltag
Freitag
23.07.2004
Rogätz
Tangermünde
38 km
11.
Paddeltag
Samstag
24.07.2004
Tangermünde
Havelberg
39 km
12.
Paddeltag
Sonntag
25.07.2004
Havelberg
Wittenberge
37 km
13.
Paddeltag
Montag
26.07.2004
Wittenberge
Schnackenburg
22 km
14.
Paddeltag
Dienstag
27.07.2004
Schnackenburg
Hitzacker
50 km
15.
Paddeltag
Mittwoch
28.07.2004
Hitzacker
Radegast
32 km
16.
Paddeltag
Donnerstag
29.07.2004
Radegast
Geesthacht
27 km
17.
Paddeltag
Freitag
30.07.2004
Geesthacht
HH-Harburg
33 km
Gesamtstrecke einschl. Kanäle 628 km .
In Bereich der Elbe gibt es wenig Brücken. Die Überquerung der Elbe erfolgt mittels Gierfähren. An einem 300 bis 500 m langem, teilweise in der Flusssohle verankerten Seil, mit gelben Tonnen(Bojen) gekennzeichnet, wird die Fähre durch Anschneiden(Gieren) gegen den freifließenden Fluss, die Elbe, zum anderen Ufer geführt. Vom Paddler wird hier besondere Aufmerksamkeit gefordert. Die Fähren nehmen nur auf die Berufsschiffart Rücksicht. Das An- bzw. Ablegen der Gierfähren muss genau beobachtet werden, um nicht das hochgeführte Seil mit den Tonnen evtl. kreuzen zu müssen und dann am Seil hängen zu bleiben. Unterhalb von Wittenberge sind es dann Motorfähren, aber auch hier ist Vorsicht geboten.
Fahrt von Schmilka nach Dresden
Am Sonntag starten wir in Schmilka an der Fähre. Die Fahrt durchs Elbsandsteingebirge führt uns an Bad Schandau und Königstein(oben der Kegelberg mit der Festung Königstein) vorbei an den schroffen Felsen, die hier bis an die Elbe heranragen. Dann sehen wir von weitem die Bergformation „Lokomotive" es folgt der Kurort Rathen mit der Bastei, Stadt Wehlen, Pirna. Hier in Pirna, dem Tor zum Elbsandsteingebirge, sind viele Industriebetriebe geschlossen. Werkshallen und Gebäude sind bereits abgetragen. Riesige Schutthalden säumen das Ufer. Aber auch neue Betriebe sind entstanden. In Heidenau verlässt uns die begleitende Eisenbahnlinie. Wir erreichen nach der Pillnitzer Insel rechts das Schloss. Die vielen Ausflügler und Besucher des Schlosses winken uns an der Uferpromenade freundlich zu. Von Ferne sehen wir das „Blaue Wunder" und unsere 1. Etappe ist beendet.
Der Kanu Klub hat heute Abend für das leibliche Wohl gesorgt. Grill- und Wurstspezialitäten und das gute sächsisches Bier lassen wir uns in froher Runde gut schmecken. Eine aufziehende Regenwand beendet unser Grillfest.
Ruhetag in Dresden
Es hat die ganze Nacht geschüttet, wie aus Kübeln, nun regnet es nicht mehr. Also fährt eine Gruppe unter Leitung von Wolfgang, zu der auch wir beide gehören, mit Bahn und Bus weit hinter Pillnitz und begibt sich nach einem 300m Aufstieg auf den östlichen Höhenzug. Ein Höhenweg führt uns nach 16 km wieder hinunter zum „Blauen Wunder". Wenn uns auch einige Regenschauer überraschen, so haben wir einen herrlichen Blick bis zum Erzgebirge. Wir kommen pünktlich um 16:00 Uhr zum Kaffee und Kuchen in der Zeltstadt an.
Fahrt von Dresden nach Meißen
Es regnet nicht, dafür stürmt es. Nach dem Frühstück geht es nun doch los. Eingepackt in regenfeste Paddelkleidung starten wir. Es geht vorbei an den Brühlschen Terrassen, der Hofkirche und der Semperoper. Wieder ein Schauer. Nach Durchfahren der neuen Autobahnbrücke verlassen wir Dresden. Es geht vorbei an Radebeul, der Geburtsstadt von Karl May mit dem Indianer-Museum. Von hier kann man mit einer Schmalspurbahn auch das Schloss Moritzburg erreichen. Weiter - an den Hängen wird hier Wein angebaut- an Kötschen-Broda und Coswig vorbei erreichen wir, begleitet von kleinen Schauern, schon gegen Mittag den Kanu-Klub in Meißen. Die Zelte können trocken aufgebaut werden. Für Essen – bunter Kartoffelsalat mit Kassler und Kuchen - und diverse Getränke, auch Meißener Wein, ist vom Kanuklub gesorgt. Viele alte Gebäude stehen unter Denkmalsschutz und sind teilweise noch in schlechtem Zustand. Viele Häuser sind mit einer neuen Bedachung versehen. Für den Besuch der Porzellanmanufaktur wird es zu spät.
Fahrt von Meißen nach Risa
Als wir starten guckt die Sonne schon ein wenig heraus. Der starke Wind fegt die Regenwolken weg. Rechts oben steht stolz auf einem Felsen die Albrechtsburg mit dem Dom und unten auf der Elbe die Kanuten mit ihren kleinen Schiffchen. In Disbar/Seußlitz endet die sächsische Weinstraße. Schon sind wir beim Kanu-Klub in Risa, mit großem und modernisiertem Bootshaus. Ein sehr erfolgreicher Sportverein. Viele Urkunden und Auszeichnungen sind Beweise für eine gute und erfolgreiche Jugendarbeit.
Die Zelte werden hinter dem Haus aufgebaut
Wir machen noch einen kleinen Bummel durch die neue Fußgängerzone in Risa. Das Kloster ist geschlossen und wir können es leider nicht besuchen.
Da das Bootshaus bewirtschaftet wird, sind wir um 18:00 Uhr hier zum Essen angemeldet.
Fahrt von Risa nach Torgau
Das Wetter scheint zu halten. Noch kein Regen. Die Sonne will sich durchkämpfen. Das Wasser der Elbe fließt gut. Die Regenjacke wird griffbereit auf dem Oberdeck festgezurrt. Nach 10 km sehen wir vor uns die Schlosstürme von Torgau und nach Unterfahrung der neuen Elbebrücke sind wir am Anleger des Kanu- und Ruderklub in Torgau. Hier fließt die Elbe besonders stark. Für das leibliche Wohl hat auch hier der Kanu-Klub gesorgt. Kaffe und Kuchen lassen wir uns gut schmecken.
Um 19:00 Uhr ist eine Brauereibesichtigung mit Beköstigung vorgesehen. Natürlich müssen wir daran teilnehmen.
Ruhetag in Torgau
Endlich einmal ausschlafen. Nach einem guten Frühstück ist Stadtbesichtigung auf dem Plan. Die Sonne ist da und es wird auch gleich warm.
Unser Stadtführer ist selbst Paddler und führt uns voller Stolz durch die wunderschöne Renaissancestadt mit seiner historischen Altstadt, der spätgotischen Marienkirche und dem Rathaus aus dem 16. Jahrhundert. Über die verschiedenen Baustile und Ergänzungen der Gebäude, besonders des Schlosses Hartenfels(ein Hauptwerk der Frührenaissance) mit seinem Bärenzwinger, weiss er fachkundig zu berichten. Auch über die Vergangenheit des Schlosses und seiner teilweise berüchtigten Gefängnisanlage sowie die historische Vereinigung der sowjetischen und der amerikanischen Armeen 1945 weiss er zu erzählen.
Hier in Torgau wurde auch die ev. luth. Bekenntnisschrift über die Kirchenordnung als Gutachten für den Reichstag in Augsburg von Luther, Melanchthon, Bugenhagen und Jonas als die „Torgauer Artikel" ausgearbeitet.
Am Nachmittag machen wir noch eine Bus-Fahrt mit einer Reiseleiterin nach Ostelbien zu den alten Herrschafthäusern. Einige sind wieder gut hergerichtet, aber andere verfallen ganz. Investoren fehlen halt überall. Während im südlichen Sachsen viel investiert wurde, ist hier im Norden eine hohe Arbeitslosigkeit.
Fahrt von Torgau nach Elster
Ist das Wasser durch den vielen Regen gestiegen? Nein! Es ist leicht diesig, aber schon warm als wir aufs Wasser gehen. Die Elbe schlängelt sich auf 45 km fast nach Norden. Es gibt hier kaum Ortschaften an der Elbe. Mit dem Ort Mühlberg berühren wir das Land Brandenburg Die Gegend ist hier nicht so dicht besiedelt.
Nach der Einmündung der schwarzen Elster in einer großen Elbschleife haben wir unser Ziel die Stadt Elster erreicht. Viele Elbschiffer lebten hier und haben diese Stadt geprägt. Eine wunderschöne Anlage hat hier der Kanuklub „Harmonie Elster" in Eigenleistung schon zu DDR-Zeiten mit sehr viel Unterstützung des alt ansässigen Schiffervereines Harmonie angelegt. Der Verein hat aus Dankbarkeit den Namen "Harmonie" übernommen.
Auf dem sehr gepflegten Rasen stehen unsere bunten Zelte. Hier ist wirklich alles piek fein, auch die großzügigen Räumlichkeiten laden eigentlich zum längeren Bleiben ein. Zum Essen begeben wir uns in ein nahe gelegenes Restaurant. In der Nacht zieht ein schwerer Sturm über uns hinweg. Manche Zelte müssen festgehalten werden.
Fahrt von Elster nach Coswig in Anhalt
Herrliche Sonne, warmer Tag, aber Westwind und genau nach Westen führt uns auf einer langen Geraden die Elbe an der Lutherstadt Wittenberg vorbei. Hier stand die Wiege der Reformation mit dem Anschlag der 99 Thesen an das Tor der Schlosskirche. Lukas Cranach d. Ä. und Lukas Cranach d. J. haben ebenfalls hier ihre unvergänglichen Werke geschaffen. Ein Ausflug an diese historischen Stätten und ein Besuch der Stadtkirche und der Wohnhäuser(Museum) von Cranach und Melanchthon sind immer lohnend.
In großen weiten Schleifen führt uns die Elbe nach Coswig. Vor der Fähranlage befindet sich der Kanu-Klub. Wir werden mit Kaffe und Kuchen versorgt. Eine Buchhändlerin in historischer Tracht mit den besten Kenntnissen über die Stadtgeschichte führt uns von der Schifferstadt hinauf zum Renaissance-Schloss mit den Kavalier-Häusern. Wir schlendern durch die kleinen Gassen und kommen zum Museum, einem Teil des ehemaligen Nonnenklosters. Hier übernimmt die Museumsverwaltung die Führung. Die Stadt Coswig ist eng mit der Elbschiffart verbunden. Vom Treideln der Schiffe, von der Flößerei und später durch die Kettendampfer-Schiffart wird hier alles gezeigt. Der Dachstuhl des Gebäudes zeugt mit einem „Doppelten Sprengewerk" von hoher Zimmermannskunst.
Anschließend führt uns der Pfarrer in „seine" St. Nicolai-Kirche. Um 1150 wurde mit dem Bau der dreischiffigen Hallenkirche begonnen. Auf den romanischen Ursprung weisen die Vierung und der Triumphbogen mit den Kämpferplatten hin. Der Chorraum wurde bei der frühgotischen Erweiterung um 1300 im Zusammenhang mit der Gründung des Augustiners Eremiten Nonnenkloster angebaut. Das Kircheninnere war auch eine Begräbnisstätte von Nonnen und wohlhabenden Bürgern. Beachtenswert sind die original erhaltenen Reste des gotiken Chorgestühls. Luthers Reformation erreichte Coswig 1527. Das Kloster wurde säkularisiert und St. Nicolai wurde wieder Stadtkirche. Nach der schweren Zerstörung im Schmalkaldischen Krieg(1547) wurde Coswig 1596 wieder „ reformiert". Durch Zerstörung im 30- jährigen Krieg(1630) erfolgte eine Umgestaltung dann im Barockstil. Endgültig lutherisch wurde die Kirche im Jahre 1687. Ein Muss für die wohlhabenden Bürger Coswigs war der Besitz „einer Loge" mit einem separaten Eingang von außen, Verzierungen und eigenem Kamin. In der Kirche befinden sich drei Werke von Lukas Cranach d. J.
Nicht unerwähnt bleiben soll noch die Orgel, die 1814 unter Verwendung von älteren Registern gebaut wurde und der romanische Breitturm mit seiner neugotischen Spitze(62 m hoch). Zur Erhaltung und weiteren Restaurationsarbeiten hat sich 1994 ein Förderkreis St. Nicolai e.V. gegründet.
Es wird ein schöner Abend vor unseren Zelten, bis ein Unwetter uns ins Bootshaus treibt.
Fahrt von Coswig nach Aken
Gut gestärkt gehen wir aufs Wasser. Die Strömung erfasst uns und schon sind wir an Coswig vorbei. Links liegt der Ort Vockerode und nach der Autobahnbrücke folgt bis kurz vor Roßlau ein militärisches Sperrgebiet. Die Schornsteine des Kraftwerkes von Dessau tauchen immer wieder durch die vielen Schleifen der Elbe auf.
Nach dem Unterfahren der Straßen- und dann der Eisenbahnbrücke macht die Elbe bei Roßlau eine enge Schleife, von rechts mündet die Mulde aus dem Erzgebirge in die Elbe. Der Rodlebener Kanu Klub hat zur Mittagszeit zu einem kleinen Imbiss geladen, was alle auch gern annehmen. Die Elbe wendet sich in einer weiteren Schleife von Dessau, die Wiege der modernen Architektur und Design mit dem Bauhaus unter der Leitung von Walter Gropius aus den frühen 30-iger Jahren unseres Jahrhunderts, wieder ab und fließt wieder schnurgerade in Richtung Westen. Nach 10 km sind wir an der Fähre Aken/Zerbst. Links liegt das Bootshaus des Köthener Kanu-Klubs hier in Aken. Der Ort Aken liegt 2 km von der Elbe entfernt. Hier an der Hafenanlage von Aken hat neben anderen Wasser-Sport-Vereinen auch der Köthener Kanu-Klub seine Heimstatt. Kaffe und Kuchen, Schmalzbrote und Zwiebelkuchen sind für die hungrige Paddlerschar vorbereitet und abends gibt es noch Grillgut mit Salaten. Wir lassen es uns gut schmecken und sitzen noch lange auf der Terrasse mit netten Paddelfreunden. Um 22:00 Uhr ist aber wie üblich Nachtruhe.
Fahrt von Aken nach Magdeburg
Am nächsten Morgen geht es dann bei leichtem Nebel wieder aufs Wasser. Es ist noch ein wenig kühl. Unsere Elbe führt uns nach Nordwesten durch das Naturschutzgebiet bis zur Saale Mündung. Weit sind auch hier die Auen überschwemmt. Wir erreichen Barby und von rechts mündet die Nuthe in die Elbe. Wir erreichen den Kanu Klub Delphin in Schönebeck. Auch hier sind wir zu einem Imbiss eingeladen.
Nach zwei weiteren Schleifen durchfahren wir die Straßenbrücke in Schönebeck. Die ersten Industrieanlagen kündigen Magdeburg an. Wir halten uns jetzt ganz rechts, damit uns die Strömung der Elbe in den Flussarm der „Alten Elbe" trägt und nach einem Kilometer sind wir am Ziel der heutigen Etappe, dem Kanu-Klub „Börde" in Magdeburg.
Ruhetag in Magdeburg
Mit dem Omnibus fahren wir unter fachlicher Führung von B. Haberland zum Wasserstraßenkreuz nach Hohenwarthe. Die Elbüberquerung ist seit dem Okt.2003 für den Schiffsverkehr frei gegeben. Wir wandern von der neuen Abstiegsschleuse, über das Schiffshebewerk auf dem Betriebsweg bis zur neuen Schleuse Hohenwarthe. Der Schiffsverkehr hat sich durch die neue Kanalbrücke zwischen dem Schiffshebewerk Rotensee und der Schleuse Nigripp zum Elbe-Havel-Kanal um fast 2 Tage verkürzt. Um 13:00 Uhr erreichen wir noch die Stadtführung. Magdeburg wurde erstmals 805 urkundlich erwähnt. Im Jahre 968 gründete Kaiser Otto I. hier ein Erzbistum. Nach Auseinandersetzungen mit dem erzbischöflichen Hof entwickelte sich der Ort im Mittelalter zu einem bedeutenden Handelszentrum. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Magdeburg von Tilly in Schutt und Asche gelegt. Erst 1700 erlebte es wieder eine neue Blütezeit. Barockbauten am Breiten Weg und Domplatz zeugen heute noch davon. Nach der Französischen Fremdherrschaft wurde Magdeburg Hauptstadt der preußischen Provinz Sachsen. Am 16. Januar 1945 erfolgte auf Magdeburg ein sehr schwerer Bombenangriff. Brandbomben zerstörten die gesamte Altstadt. Mit wenigen Ausnahmen ist vieles wieder aufgebaut worden.
Entlang dem Elbufer, an der Johanniskirche vorbei geht es zum „Alten Markt" mit Otto von Guerickedenkmal und Dr. Eisenbarth-Brunnen dann den „Breiten Weg" mit seinen Barockbauten hinunter und weiter zum Domplatz. Die eindrucksvolle Domfassade mit dem Schutzpatron, dem HL. Mauritius, „erschlägt" uns mit ihrer Pracht. Magdeburg kann sich durchaus mit Dresden messen. Der Dom ist die erste nach gotischen Plänen gebaute Kathedrale in Deutschland. Neben der baugebundenen Kunst beherbergt er einmalige Kunstwerke aus acht Jahrhunderten. Das Grabmal Kaiser Otto I. befindet sich ebenfalls hier sowie die bekannte Barlachgruppe.
Fahrt von Magdeburg nach Rogätz
Nun müssen wir die alte Elbe gegen den Strom anfahren, dann mit hoher Fließgeschwindigkeit in die Stromelbe vorbei am Domfelsen. Hier herrscht eine gewaltige Strömung. Mit der Spritzdecke ist die Luke gut abgedichtet und jetzt fallen dicke Tropfen auf uns hernieder. Auf dem Wasser bilden sich richtige Blasen. Unser Strom führt uns am Hafen vorbei. Kein Schiffsverkehr kommt aus dem Abstiegskanal Rotensee. Warum auch, die Kanalüberführung ist ja nun vorhanden, die wir anschließend unterfahren. Nach einer Schleife geht rechts die Einfahrt zur Schleuse Nigripp zum Elbe-Havel-Kanal in Richtung Berlin ab. Links liegt das Städtchen Rogätz. Das Zelt wird bei strömendem Regen aufgebaut. Dann ab duschen und hinterher eine schöne heiße Kartoffelsuppe mit Würstchen abschließend Kaffe und Kuchen. Um 16:00 Uhr kommt die Sonne heraus und trocknet die nassen Zelte. Es wird auch gleich wieder warm. Es folgt eine Turmbesteigung und von hier hat man einen weiten Blick auf die Elbe zurück bis nach Magdeburg, links liegt die Stadt Burg und vor uns mündet die Ohre in die Elbe. Die wunderschönen Elbauen sind die Heimat vieler Wasservögel.
Fahrt von Rogätz nach Tangermünde
Der Tag scheint gut zu werden, denn die Sonne lacht uns an. Nach zwei Schleifen geht rechts der Pareyer-Verbindungskanal ab. Über eine Schleuse gelangt man ebenfalls zum Elbe-Havel-Kanal. Die Berufsschifffahrt spart auf diesem Weg die Schleuse Zerben am Elbe-Havel-Kanal. Aber durch den Bau der Kanalbrücke ist auch hier mit keinem Schiffsverkehr zu rechnen. Rechts liegt land einwärts die Stadt Jericho mit ihrer berühmten Klosterkirche. Nach 15 km sehen wir in der Ferne den Turm der Stephanskirche von Tangermünde. Wir fahren den Tanger hinauf, vorbei an der sehr gut erhaltenen alten Stadtmauer aus Ziegelstein mit ihrem gewaltigen Elbtor. Schnell Zelte aufbauen, duschen und dann ab mit dem Paddel zum Rathaus; denn der Fahrtenleiter Michael Hesse heiratet heute seine Birgit, die er hier vor 3 Jahren kennengelernt hat. Durch ein Spalier von Paddlern mit ihren gekreuzten Paddeln und vielen guten Wünschen beginnt ihr Weg ins neue Leben. Sie betreuen uns auf der Fahrt auch weiterhin. Birgit muss ab Havelberg die Fahrtenleitung übernehmen.
Um 17:00 Uhr ist Stadtbesichtigung. Die ganze Altstadt von Tangermünde ist denkmalgeschützt. Einzigartige Beispiele norddeutscher Backsteingotik sind hier zusehen. Das bedeutendste Bauwerk ist das 1430 errichtete Rathaus. Überall in der Stadt zeugen schöne Fachwerkhäuser von gutbürgerlichen Zeiten und einstigem Wohlstand dieser Handelsstadt. Die Stadtbefestigung mit dem Neustädter Tor ist fast vollständig erhalten; ebenso die im historischen Stil (1640) wiederaufgebaute Burganlage aus dem Jahre 1902. Am Abend werden wir von dem jungvermählten Paar freigehalten. Das erste Mal, dass die Nachtruhe nicht pünktlich eingehalten wurde.
Fahrt von Tangermünde nach Havelberg
Sonne, leichter Wind, so starten wir. Wir fahren vom Hafen (Tanger) noch einmal an der schönen Fassade der Stadt vorbei und werden vom Elbewasser gleich erfasst und getragen. Fast schnurgerade fließt die Elbe jetzt nach Norden.
Es geht vorbei an dem schönen alten Arneburg und dann an Sandau. Rechts geht nach der Fährverbindung bei Räbel der Schleusenkanal zur Havel ab. Nach der Schleusung erreichen wir nach 2 km die Schleuseninsel. Hier hat der Havelberger Kanu-Klub sein zuhause. Gegenüber steht stolz und mächtig der romanische Dom. Nach dem Abendessen besuchen wir beide die Stadt. Neben vielen renovierten Gebäuden findet man auch noch viele alte Bausubstanzen im schlechten Zustand. Einige Paddler gehen zur Opernaufführung am Dom. Nabucco steht auf dem Programm.
Fahrt von Havelberg nach Wittenberge
Wir können mit der Zweiten Schleusung um 9:00 Uhr wieder zur Elbe gelangen. Nach einem km haben wir sie auch erreicht. Ein frischer Wind bläst uns entgegen. Bei km 438,1 mündet die Havel über einen Vorfluter in die Elbe. Nach einem weiteren km erreichen wir das Storchendorf Rühstedt. Mehrere Storchenpaare brüten auf einem Dach. Bis kurz vor Wittenberge ist rechts alles Naturschutzgebiet. In diesem Bereich der Elbe ist neben den vielen Störchen und Kormoranen auch der Mäusebussard, die Gabelweihe anzutreffen, auch ein Seeadler wurde gesichtet.
Die neue Eisenbahnbrücke unterfahrend, dann rechtsschwenkend nach Süden durch den Hafen unter der alten Eisenbahnbrücke hindurch geradeaus so erreichen wir den Kanu Klub. Es gibt Kartoffelsuppe mit Würstchen. Für den Besuch der Stadt ist es von hier zu weit und so verweilen wir am Zelt
Fahrt von Wittenberge nach Schnackenburg
In der Nacht hat es kräftig geregnet, aber pünktlich zum Aufstehen ist der Regen vorbei. Nach einem Frühstücksbuffet mit Eiern und Kaffee satt, verlassen wir den Kanu Klub. Die Fahrt führt uns 2 km durch die trostlose Hafenanlage zum neuen Yachthafen und schon erfasst uns wieder die Strömung der Elbe. Lediglich der starke Wind bläst uns direkt von vorn ins Gesicht, dafür aber kein Regen mehr. Der Himmel öffnet sich und nach gut 2 Stunden erreichen wir Schnackenburg. Der Naturzeltplatz liegt vor dem Deich an der Einmündung des Arland neben der Motorfähre, mit sehr hohem Gras. Es gibt hier keinen Kanu Klub. Die Zelte sind schnell aufgestellt und können gut trocknen. Zum Duschen dürfen wir ins Gemeindehaus. Neben den Duschen stehen uns eine Badewanne und die Toilettenanlagen zur Verfügung, etwas veraltet, aber sauber. Zum Abendessen treffen wir uns alle in dem einzigen noch verbliebenen Restaurant am Yachthafen.
Fahrt von Schnackenburg nach Hitzacker
Die Sonne weckt uns, der Nebel schwindet und bald schon sind wir wieder auf dem Wasser. 50 km müssen wir paddeln. Die Elbe bildete hier die unglückselige Grenze zwischen der BRD und der ehem. DDR. Zur Mahnung und Erinnerung befinden sich noch auf dem östlichen Ufer die alten DDR-Wachtürme. Die zwei hohen Sendemasten des Zwischenlagers für Atommüll in Gorleben wollen gar nicht näher kommen. Heute haben wir nur schwachen Wind direkt von Norden. Sollte sich das Wetter ändern und beständiger werden? Nach 30 km lädt eine große Sandbank zwischen zwei Buhnen uns zur Mittagsrast ein. Gegenüber liegt die Einmündung des Elde-Müritz-Kanals mit der Stadt Dömitz. Ab hier nimmt der Verkehr mit den Motorbooten gewaltig zu. Die Elbe wird überwiegend von den tschechischen Schiffen genutzt. Die Fahrweisen der Motorbootfahrer veranlassen uns, die Spritzdecken wieder anzuziehen. Wir unterfahren die neue Straßenbrücke und erreichen nach ca. 2 ½ Stunden Hitzacker. Die Anfahrt zu unserem Zeltplatz, einem Wohnmobilparkplatz erreichen wir über den Yachthafen. Wir befinden uns nur 5 Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Der Rasen ist gemäht und extra für uns wurde eine Wasserzapfstelle eingerichtet. Die Duschen und Toilettenanlagen befinden sich bei der Touristeninformation. Nach Tangermünde kann endlich der Vorrat an Brot, Wurst, Käse und natürlich Obst und Getränke aufgefüllt werden, bis Harburg gibt es keine Geschäfte in der Nähe der Zeltplätze.
Abends gehen wir in ein Restaurant zum Essen. Der sehr warme Tag und die 50 km lassen die Paddler pünktlich in ihre Zelte gehen.
Fahrt von Hitzacker nach Radegast
Wir haben alle sehr ruhig und gut geschlafen. Die Zelte können trocken abgebaut werden. Kein Nebel und die Sonne meint es gut mit uns. Die Anfahrt zur Elbe führt uns auf der Jeetzel frühmorgens um 9:00 Uhr durch Hitzacker. Neugierige Blicke begleiten uns. Links beginnt der Steilabhang der waldreichen Görde. Nach der Auenlandschaft ein sehr schönes neues Bild. Es geht an Darchau vorbei nach Alt-Garge weiter nach Bleckede mit der Möglichkeit eine warme Mahlzeit einzunehmen. Wir aber machen nur eine kurze Rast in unseren Booten und landen nach 5 km am Sandstrand bei Km 555 zu unserem 2. Naturzeltplatz in Radegast an. Auf einer großen Ebene vor dem Deich ist sehr viel Platz für die Zelte. Die Duschen und Toiletten befinden sich im nahe gelegenen Campingplatz. Hier bekommen wir auch abends eine warme Mahlzeit.
Fahrt von Radegast nach Geesthacht
Das Wetter ist wirklich beständiger geworden, wieder Sonnenschein und kaum Wind, so gehen wir aufs Wasser. Nach 5 km erreichen wir Boizenburg. Auf der Werft tut sich nichts, alles ruhig. Die Binnenschifffahrtsflotte der DDR wurde hier gebaut und repariert. Noch eine Schleife um einen weiteren Höhenzug herum, und vor uns liegt die schöne alte Schifferstadt Lauenburg mit ihrer Unter- und Oberstadt. Von rechts mündet der Elbe-Lübeck-Kanal in die Elbe. Nach der Straßenbrücke drängt unser Strom nach Westen. Die Elbe steht. Das Wehr Geesthacht kann nicht mehr weit sein. Mit der Einmündung des Elbe-Seitenkanals nimmt der Schiffsverkehr doch zu. Die hohen Wellen lassen unsere Boote tanzen. Zum Glück haben wir keinen Starkwind, im Gegenteil Rückenwind aus Osten. Nach dem Atomkraftwerk Krümmel erreichen wir bald den Kanu Klub in Geesthacht. Wieder gibt es Kaffee und Kuchen und später Nudel- und Kartoffelsalat mit Schnitzel oder Frikadelle. Wir sind halt wieder bei den Kanuten.
Fahrt von Geesthacht nach HH – Harburg
Geschlafen haben wir alle im Bootshaus, bis uns Jens Kreyser um 3:30 Uhr zum Wecken aus dem Schlaf reißt. Schnell die Sachen im Boot verstauen. Um 4:00 Uhr gibt es Kaffee satt von freundlichen Kanuten aus Geesthacht, die extra für uns so früh aufgestanden sind und um 5:00 Uhr sind wir auf dem Weg zur Schleuse. Bedingt durch die Tide werden wir um 6:30 Uhr geschleust. Mit aufgehender Sonne verlassen wir zwar unausgeschlafen aber doch recht fröhlich nach 20 Min. die Schleuse in Richtung Hamburg. Bei km 596 kommt uns Arne Laubach entgegen und bringt uns unser Frühstück. Was für eine Überraschung. Er begleitet uns dann bis Harburg zum Ziel. Die Fähre Zollenspieker erfordert noch einmal unsere volle Aufmerksamkeit. Bei der Bunthäuser Spitze fahren wir links in die Süderelbe. Arne zeigt uns das Haus der kürzlich verstorbenen Inge Meisel an der Süderelbe. Um 9:00 Uhr sind wir schon am Steg des Kanu–Sport-Harburg und das alles wieder bei besten Wetterbedingungen.
 
Nachbetrachtung:
Wir gehen auseinander in Erinnerung an drei wunderschöne Wochen im Kreise von Gleichgesinnten. Alte Freunde haben sich wieder getroffen. So konnten diese Freundschaften gefestigt werden, außerdem haben sich gute, neue Freundschaften gebildet. Die Organisation war vorbildlich. Spannungen und Aggressionen innerhalb dieser ICF–Fahrt hat es nicht gegeben. Die vier ausländischen Teilnehmer aus Österreich und Australien haben sich sehr wohl gefühlt. Die beiden begleitenden Jugendgruppen aus Bernburg und Rodleben lassen an der Zukunft der deutschen Jugend nicht zweifeln. Die sehr gute Disziplin, der Umgang miteinander und Zusammenhalt in diesen Gruppen, sowie die hohe Hilfsbereitschaft uns Älteren gegenüber war für uns eine helle Freude.
Die vielen Sandbänke zwischen den einzelnen Buhnen haben auch bei schlechtem Wetter die Paddler zu einer Pause aufgefordert. An der Elbe sind neben den vielen Störchen und Kormoranen auch der Mäusebussard und die Gabelweihe anzutreffen, sogar ein Seeadler wurde gesichtet. Auch die einfachen Übernachtungsplätze (Naturzeltplätze) in Niedersachsen waren durch das gute Wetter gut zu ertragen.
 
Zum Schluss noch ein herzliches Dankeschön an die Organisatoren der XIV. ICF – Fahrt Günter Röhrig und sein Team Birgit u. Michael Hesse und Jens Kreyser.
 
Jürgen Hauf
P.S.:
Leider haben wir nicht alle lieblichen Orte und Städte an der Elbe aufsuchen können. Ebenso fehlte uns der Blick von den Höhen hinab in das so reizvolle Elbsandsteingebirge.
Deshalb sollte das Elbtal mit dem Fahrrad, aber dann von Hamburg nach Dresden wegen der Windrichtung, noch mal besucht werden.
 
 
 
Eine Paddeltour von Passau zum Eisernen Tor
nach Kladowo
 
1.300 km auf der Donau
 
von Jürgen Hauf, Hannover
 
 
Die Internationale Donautour
Einladung für alle Wasserwanderer der Welt
Einer der größten Ströme der Welt, die Donau, fließt durch Europa von West nach Ost und verbindet viele Länder miteinander. Auf diesem Strom wird seit 1956 jährlich die längste Kanu- und Ruderwanderfahrt der Welt, die
Tour International Danubien (TID)
veranstaltet. Dabei handelt es sich um eine Kanuwanderfahrt mit Gepäck. Die jetzige Strecke beginnt seit 1969 (XIV. TID) immer Ende Juni in Ingolstadt, führt über die weiteren organisierenden Länder Österreich, Slowakei, Ungarn, Jugoslawien und Bulgarien und endet in den letzten Augusttagen nach 2082 Kilometer in Silistra/Bulgarien.
Die politische Bedeutung der TID ist groß. Ihre wichtigste Zielsetzung wird seit Anbeginn wie folgt formuliert: Gegenseitiges Kennen lernen, das Akzeptieren des Lebens sowie der Kultur anderer Staatsbürger ohne Rücksicht auf ihre politischen, weltanschaulichen, religiösen oder etwa rassistischen Unterschiede. Es sollten Freundschaften geknüpft, die Solidarität zwischen Wassersportfreunden und Bürgern unterschiedlicher Länder gestärkt und damit Freundschaft und Frieden zwischen den Völkern insbesondere der Donauländer gefördert werden.
Aufgrund des Beschlusses des jährlich stattfindenden höchsten TID-Gremiums, der Konferenz, werden Zeitplan, Teilnahmebedingungen, notwendige Maßnahmen und evtl. Statutfragen diskutiert und festgelegt. Ferner entscheidet die Konferenz über die Verleihung der TID-Auszeichnungen. Die offizielle Sprache der TID ist deutsch (Briefwechsel, Protokolle usw.).
Gemäß Statut sind allen Teilnehmern der Internationalen Donaufahrt die Zeltplätze, sanitäre Einrichtungen und im Bedarfsfall Erste Hilfe grundsätzlich kostenlos zur Verfügung zu stellen. Die in den Anfängen noch wirklich kostenlose Möglichkeit ist schon, wie fast in allen Bereichen des Lebens, eine Vergangenheit geworden. Die von Land zu Land unterschiedlich hoch anfallenden Kostenbeiträge sind aber noch immer kaum mehr als ein symbolischer Beitrag für die Unterstützung der Organisatoren (im Jahr 2000 bezahlten für die deutsche Trasse Ausländer zwischen 15 und 40 DM, Deutsche DM 110 oder DM 140; In den anderen Donaustaaten beträgt die Meldegebühr zwischen DM 10 und DM 55. Die TID-Organisationen arbeiten in jedem Land als Not-Profit-Organisationen. Diese Organisationen sind in jedem Mitgliedsland auf Eigeninitiative und ehrenamtliche Mitarbeiter angewiesen: In keinem Mitgliedsland gibt es hauptamtliche Mitarbeiter.
Die TID ist eine Gepäckfahrt, die Teilnehmer übernachten unterwegs in mitgebrachten Zelten und versorgen sich selbst. Die Lagerplätze werden im Hinblick auf die Versorgungsmöglichkeiten (Einkauf, Sanitäranlagen usw.) ausgesucht und mit der offiziellen TID-Fahne markiert. In der Geschichte der TID gab es bislang insgesamt etwa 130 Zeltplätze, die mal gut ausgebaut, mal wiederum ganz primitiv sind. Die Versorgung mit sanitären Einrichtungen ist unterschiedlich. Trinkwasser gibt es überall, Einkäufe sind auch immer möglich. Man muß sich an manchen Tagen auf Selbstverpflegung einrichten, ein Restaurant ist nicht immer in Donaunähe. Die Gastgebergemeinden laden aber ab und zu die Teilnehmer zu einer Mahlzeit ein, die den ermüdeten Paddlern und Ruderern besonders gut schmeckt.
Die TID wird seit 1983 am letzten oder vorletzten Junisonntag gestartet und in den letzten Augusttagen beendet. Während der gesamten Tour werden 51-52 Zeltplätze genutzt. Die Dauer der Fahrt beträgt 65-66 Tage, darunter sind etwa 16-17 Ruhetage. Die Fahrt kann, nach vorheriger Anmeldung, an allen geplanten Zeltplätzen begonnen und beendet werden und jeder kann sich den Zeitablauf der einzelnen Etappen frei gestalten. Bei Dunkelheit ist das Paddeln und Rudern aus Sicherheitsgründen untersagt. Möglichst einmal in der Woche, meistens in größeren Ortschaften, ist ein Ruhetag vorgesehen.
Die abverlangte körperliche und seelische Leistung ist groß. Es sind Tagesstrecken zwischen 40 und 60 Kilometer zu bewältigen und dies unabhängig von den Witterungsbedingungen. Man muß sich auf sechs- bis siebentägige Etappen ohne Ruhetag gefasst machen, meistens mit fünf bis sieben Stunden effektives Paddeln oder Rudern pro Tag. Die Verwendung eines Motors ist nicht erlaubt.
Die täglichen Etappenziele sind unabhängig von den Witterungsverhältnissen einzuhalten. Die psychische Belastung ist oft härter, als die physische. Bei gesundheitlichen Beschwerden wie Diabetes, Kreislaufstörungen und Gefahr von Sehnenscheidenentzündungen ist von der Teilnahme dringend abzuraten. Vor der Fahrt sollte ein Arzt konsultiert werden. Medikamente für den persönlichen Bedarf und für eventuelle Reisekrankheiten sind mitzuführen.
Eine richtig zusammengestellte, komplette und qualitätsgerechte Ausrüstung, auch wenn man dabei oft tiefer in die Tasche greifen muß, ist für die problemlose TID-Teilnahme eine äußerst wichtige Voraussetzung. Die Wasserwanderung erfordert außerdem unzählige und nur in der Praxis anzueignende Kenntnisse hinsichtlich des Insektenschutzes, der richtigen Platzauswahl, der Lastverteilung und des richtigen Packens im Boot, der Verkehrsregelung auf dem Wasser, der Hydrologie und viel anderes mehr.
Unter den Teilnehmern begegnet man Menschen jeden Alters sowie aus allen möglichen Berufsständen und Gesellschaftskreisen. Körperbehinderte sind genauso vorzufinden wie abenteuersuchende junge Leute, Pfadfinder, Gruppen von Kirchengemeinden oder Kinder von SOS-Kinderdörfern. Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt, beginnend in Australien über Europa, USA, Kanada, Chile oder Japan. Wenn jemand einmal an einer TID teilgenommen hat, kommt es kaum vor, daß er nicht wiederkommt. Die Teilnahme ist mit keiner großen finanziellen Belastung verbunden und es gibt keine Unterschiede zwischen wohlhabende und weniger wohlhabende. Zu Wasser zählen ja nur der Mensch und sein menschliches Verhalten.
An der TID darf man nur nach vorheriger Anmeldung teilnehmen. Anzugeben sind die Personalien sämtlicher Teilnehmer, Start- und Zielstation der Fahrt, Bootstyp und –art und gegebenenfalls die Passnummer. Über eventuelle Visagebühren, finanzielle Verpflichtungen und bestehende Unklarheiten werden die Bewerber schriftlich informiert. Die Anmeldungen sind spätestens bis 30. April eines jeden Jahres zu richten an:
Max Scharnböck, TID-Referent des Deutschen Kanuverbandes
Klötzlmüllerstr. 154, D-84034 Landshut, Deutschland/Germany
( +49-08 71-6 76 03, Fax +49-08 71-64 01 76
Email: Max.Scharnboeck@t-online.de
Autor dieser TID-Informationen war der ehemalige ungarische TID-Organisator László-István Balogh
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Vorbemerkung:
 
Nachdem Leo Polakowski, Wolf Gutschke und ich im Jahr 2001 die 46.TID von Ingolstadt bis Hainburg gefahren sind, wollte ich nun in 2002 die Tour von Passau(Erlau) bis zum Eisernen Tor(Kladowo) im Rahmen der 47. TID bewältigen.
Am 6.07.2002 haben mich meine Frau und meine Tochter nach Erlau, der letzten deutschen Station bei Passau, gebracht. Als wir gegen 16:00 Uhr in Erlau ankamen, fand gerade ein Fußballspiel zwischen einer internationalen TID Mannschaft und dem Gastgeber TSV Erlau statt, das 8:1 für den TSV endete. Anlass dazu war für alle der 20 jährige Stützpunkt der TID und die damit verbundene Freundschaft. Von Sponsoren wurden 300 l Freibier gespendet. Es war für alle Anwesenden ein großes Fest.
Insgesamt haben sich 170 Teilnehmer angemeldet und zwar aus Deutschland(66), Österreich, Slowakei, Ungarn, Serbien, Bulgarien, Spanien(2), Niederlande(2), England(4), Australien(6), Neuseeland(1), Amerika(1), und Mexiko(1). Mit Günter Meinel hatte ich mich hier verabredet. Er ist bereits ab Ingolstadt gefahren und nun wollen wir von hier die Paddeltour gemeinsam fortsetzten. Wir haben uns schnell unter den vielen bekannten und unbekannten TID -Teilnehmern gefunden und sind uns herzlich in die Arme gefallen. Am Abend lernte ich noch Fred Schmitz aus Offenburg kennen, der sich uns anschließen will.
 
 
Österreichisches Teilstück
Im österreichischen Abschnitt der TID sind 3 Bundesländer zu durchfahren
Oberösterreich umfasst eine Gesamtfläche von 11 980 km². Durch das Bundesland fließt die Donau, an deren Ufern die Hauptstadt Linz liegt. Im Norden hat Oberösterreich mit dem Mühlviertel Anteil am Böhmischen Massiv. Den Süden prägen die nördlichen Kalkalpen mit dem Salzkammergut. Ein Drittel des Bundeslandes ist mit Wald bedeckt, rund ein Viertel der Gesamtfläche nehmen landwirtschaftliche Anbauflächen ein, ein weiteres Viertel Wiesen und Weiden.
 
Niederösterreich ist das größte der insgesamt neun Bundesländer von Österreich. Das Bundesland grenzt an die Tschechische Republik und die Slowakei. Seit 1986 ist St. Pölten, das 54 Kilometer westlich von Wien liegt, die Hauptstadt.
Der Semmering-Pass und ein Abschnitt der Donau liegen in Niederösterreich. Der Norden dieses Gebietes ist hügelig, der Süden, der vor allem für den Fremdenverkehr von großer Bedeutung ist, umfasst einen Teil der Bayerischen Alpen. Ein Großteil der Landschaft ist bewaldet, und dementsprechend entfällt ein beträchtlicher Prozentsatz der Gesamteinkünfte auf den Verkauf und die Verarbeitung von Holz. In weiten Teilen des Landes wird Viehzucht betrieben.
 
Wien ist ebenfalls eins der neun Bundesländer von Österreich. Ein großer Teil der Fläche nimmt die Stadt Wien ein, die gleichzeitig die Hauptstadt von Österreich und Sitz der Bundesregierung ist. Das Land untergliedert sich in 23 Verwaltungsdistrikte und hat eine Gesamtfläche von 415 km².
Einige Verwaltungsbezirke besitzen einen ganz eigenen unverwechselbaren Charakter. Die Innenstadt am westlichen Flussufer der Donau ist das Geschäfts- und Diplomatenviertel. Die Wohnorte im Westen der Provinz sind besonders für wohlhabende Pendler attraktiv, da sich dort die dörfliche Atmosphäre inmitten der ländlichen Region mit dem Reiz der Weindörfer und den bewaldeten Hügeln zu einer reizvollen Umgebung verbindet. Die Industrie ist überwiegend am Ostufer der Donau angesiedelt.
 
Wien ist zwar mit Abstand das kleinste Bundesland von Österreich, bildet jedoch das wirtschaftliche Zentrum des Landes. Wien ist der Hauptsitz vieler multinationaler Firmen und entwickelt sich immer mehr zu einem Zentrum für den Handel zwischen Westeuropa und dem ehemals kommunistischen Osten.1
 
So.07.07.02
Nach einer etwas unruhigen Nacht gehen wir am nächsten Morgen gegen ½10 Uhr mit unseren schwerbepackten Booten auf die Donau. Es ist noch etwas trübe und es nieselt leicht. Dafür fließt die Donau schnell und der Schiffsverkehr hat eingesetzt. Durch die Schiffe, es sind überwiegend Hotel- und Fahrgastschiffe unter internationalen Flaggen, entstehen schöne Wellen. Links liegt Obernzell. Die Donau hat sich hier zwischen Bayrischen Wald und dem Österreichischem Sauwald durchgegraben.
Die Fließgeschwindigkeit lässt nach und schon bald sind wir am Wehr in Jochenstein bei km 2203,3. Wir steigen aus und tragen bzw. fahren unsere Boote um. Die Sonne hat sich jetzt auch durchgekämpft und es wird angenehm warm. An der Umtragestelle gibt es einen kleinen Stau, denn andere Mitpaddler müssen auch umsetzen. Die Donau führt uns am Stift Engelszell vorbei.
Mit unserem lieben Fred haben wir einen sehr unterhaltsamen Kameraden gefunden. Er weiß viele Geschichten und Erlebnisse zu erzählen und die Zeit fliegt nur so dahin. Die am Ufer stehenden Kilometerzeichen zeigen uns immer unseren Standort an und wir sind nach 14 km an der Schlögener Schlinge. Bis hierhin ist immer starker Ausflugsverkehr. Die Donau muß sich gewaltig winden bis sie in Inzell wieder in östliche Richtung fließen kann. Mit Inzell haben wir das erste Etappenziel erreicht. Schnell wird das Zelt aufgestellt, damit es trocknen kann und dann ab zum "Heiligen Nikolaus" auf die Terrasse. Wir lassen uns das frische Weißbier gut schmecken. Dann erst gehen wir duschen. Zum Abendbrot essen wir einen Kaiserschmarren, wie es sich in Österreich so gehört. Am Abend stellt sich der österreichische Fahrtenleiter Jannis aus Ybbs vor. Ich kannte ihn bereits von der letzten Tour. Von seinem Boot, ein Franzesconi, war ich ganz begeistert. Zum deutschen Delegationsleiter wurde Wolfgang Köhn aus Mainz bestimmt.
 
 
Mo. 08.07.02
 
Am nächsten Tag weckt uns früh nicht nur die Sonne sondern der Ausruf des Fahrtenleiters: "Der Bäcker ist da!" Ab Inzell fahren wir durch einen der schönsten Donauabschnitte, dem Mühlviertel. Die "Kleine Mühl" mündet bei Obermühl in die Donau, während die "Große Mühl" erst bei Untermühl einmündet. Die Berge reichen beiderseits bis an den Strom heran. Die Donau ist hier über 15 m tief. Zoltan und Maria aus Stuttgart begleiten uns mit ihrem Zweier bis zur Staustufe Aschach. Der nun folgende Abschnitt bis zur nächsten Stauanlage in Ottenstein ist eine Kanalstrecke und die Landschaft sieht flach und öde. Am Kraftwerk machen wir eine längere Pause im Schatten einer Remise. Nach dem Umtragen der Boote natürlich mittels Bootswagen fließt die Donau wieder richtig flott und ab dem Zisterzienserkloster Wilhering wird die Landschaft Dank des Kürnberger Waldes wieder richtig lieblich. Schon bald taucht Linz auf. Wir paddeln durch die Nibelungen-Brücke durch am Brucknerhaus und Eisstadion vorbei, bis wir unterhalb der Autobahnbrücke im Stadtteil Urfahr auf einer schrägen Ebene unsere Boote herausnehmen können. Gleich in der Nähe können wir die Zelte aufstellen. Heinz Borth aus Neckarsulm stellte hier ebenfalls sein Zelt auf. Wir hatten uns bisher noch nicht gesehen, umso größer ist die Wiedersehensfreude. Nach dem Duschen - Günter badet ersatzweise in der Donau - geht es erst einmal zum Einkauf beim "Hofer". Es muß für die nächsten Tage nachgebunkert werden. Zum Abendbrot gibt es bei musikalischer Begleitung Schnitzel mit Kartoffelsalat und zum Trinken bekommen wir ein Bier. Weil unsere Zelte etwas abseits des großen Lagers stehen beschließen wir, vor dem Zelt unseren Schlummertrunk einzunehmen. Neben uns haben sich Werner aus Graz und Günter aus Lübeck häuslich niedergelassen. Werner hat heute Hochzeitstag und hat schon "Henkel Trocken" kaltgestellt. Nach Rücksprache mit seiner Frau durfte die Flasche geöffnet werden. Rotwein und Grüner Veltliner runden das ganze dann noch ab. Es wird viel erzählt und berichtet und man stellt fest, daß es doch viele Gemeinsamkeiten gibt.
 
 
Di. 09.07.02
 
Wieder geht es bei herrlichem Sonnenschein aufs Wasser. Die Strecke führt uns an den verschiedenen Häfen der Stadt Linz, weiter an den VÖST-ALPINE vorbei bis zur Traunmündung. Die Traun mündet nach 180 km durchflossener Fläche des Salzkammergutes hier in die Donau. Wieder läßt die Fließgeschwindigkeit nach und wir erreichen die Staustufe Abwinden-Asten.
Auch hier heißt es wieder „umtragen". Wir wollen uns gar nicht unter Druck setzen, um zu den vorgesehenen Zeiten geschleust zu werden. Wir sind ja nicht auf der Flucht. Wir erreichen Mauthausen. Ein Ort, der wegen seines Konzentrationslagers, traurige Berühmtheit erlangte. Die Enns entspringt in den Radstädter Tauern und mündet nach 320 km gegenüber von Mauthausen in die Donau. Nach der Durchfahrt der Eisenbahn- und Straßenbrücke öffnet sich eine weite Ebene. Die Donau wird breit und Wind kommt auf. Die Wellen haben weiße Schaumkronen und das Anlegen zum Umtragen an der Staustufe Wallsee-Mitterkirchen macht ein wenig Mühe. Aber immer mit vereinten Kräften sind die Boote schnell aus dem Wasser gezogen, auf die Bootswagen gestellt und abgeht es zur nächsten Umgehung bis zum Altarm der Donau. Wir suchen ein Plätzchen zur Mittagsruhe, aber alles ist sehr verschlammt und so fahren Günter G. und ich weiter. Bald fließt die Donau wieder gut und vor Grein verengt sie sich noch. Dadurch nimmt die Geschwindigkeit noch zu. Wir beide erreichen Grein schon früh und finden auch einen idealen Platz für die 5 Zelte von Günter M., Günter G., Fred S., Werner S. und Jürgen H. Unsere Nachbarn sind ungarische Familien und Werner Dangelmeier aus Bonn. Nach dem heißen, windigen Tag tut eine Dusche richtig gut. Inzwischen ist auch der Rest der "5er-Bande" eingetroffen. Um 18:00 Uhr werden alle TID-Teilnehmer mit Kleinbussen zum Mostheurigen oberhalb von Grein gefahren. Es gibt Apfelmost und Schlachteplatte. Abends sitzen wir vor dem Zelt und singen. Fred zauberte seine Gitarre hervor, die Ruderer in ihrem Begleitfahrzeug transportiert hatten, und begleitet uns. Es ist ein wunderschöner lauer Abend.
 
 
Mi. 10.07.02
 
Der nächste Morgen ist etwas hektisch. Alle Teilnehmer müssen nach ca. 20 km pünktlich um 10:00 Uhr an der Schleuse Ybbs-Persenbeug sein. Eine Umtragestelle gibt es hier nicht. Stau entstand an der Einsatzstelle, aber alle kommen gut wieder aufs Wasser. Die Donau fließt kräftig und wir lassen Grein und die Burg Werfenstein hinter uns. Trotz der Engstelle und des Gegenverkehrs, ein großes Hotelschiff kommt uns entgegen, ist alles kein Problem. Sämtliche Teilnehmer schaffen die Zeitvorgabe und wir werden alle mit einem Trompetenecho und Spruchbändern begrüßt. Oberhalb der Schleuse auf steiler Felskuppe steht das Schloß von Persenbeug. Von der Schleuse bis nach Ybbs ist es nur ca. 1 km. Auf dem Zeltplatz finden wir fünf wieder einen gemeinsamen Platz und um 12:00 Uhr sind wir zum Mittagessen eingeladen. Es gibt "Grenadier Marsch" und 1 bis 2 Freibiere. Die Hitze ist eine unerträglich, aber wir finden alle Platz unter den schattenspendenden Pavillons. Um 16:00 Uhr wird eine Unwetterwarnung bekannt gegeben und nach 2 ½ Stunde verdunkelt sich der Himmel und ein gewaltiger Sturm bricht los. Die Boote fliegen durcheinander und viele Zelte brechen zusammen. Mein Zelt hat alles bestens überstanden und so konnte ich Werner an seinem Zelt das Gestänge halten. Zum Regnen ist es gar nicht gekommen, aber der Sand dringt in die kleinsten Ritzen. Nach einer Stunde hat der Spuk ein Ende und alle sind erleichtert, das sich dann am Abend bei einigen durch übermäßigen Alkoholgenuß ausdrückt. Ich denke da an einen bestimmten Berliner Ruderer und meine Erinnerung an Ybbs ist miserabel. Hier sind zum ersten Mal Mücken über mich hergefallen. Sie haben dicke Quaddeln hinterlassen. Fred hat mir Teebaumöl und sein selbst gemachtes Rotöl gegeben. Damit konnte das Schlimmste verhindert und der Schmerz und Juckreiz gelindert werden.
 
 
Do.11.07.02
 
Am nächsten Morgen scheint abermals die Sonne und es ist eine Freude wieder auf der kräftig fließenden Donau zu sein. Nach einer beachtlichen Schleife mit Gegenkurve sehen wir oberhalb Marbachs die Wallfahrtskirche Maria Taferl auf dem Taferlberg. Es geht nun auf einer 13 km - Staustrecke zum Wehr Melk bei km 2039. Wir tragen wieder um. Durch das Niedrigwasser der Donau ist die Einsatzstelle sehr schlammig. Fred zeigt uns wie man durch den Schlamm geht, ohne dass die Füße, bei ihm die Socken, schmutzig werden. Gleich hinter dem Wehr fließt die Donau erneut zügig und auf der rechten Seite ragen die beiden Türme und die Kuppel der Stiftskirche Peter und Paul des Benediktinerstiftes Melk hervor. Am Anleger haben mehrere Ausflugsschiffe fest gemacht.
Es geht nun recht schnell nach Aggsbach Markt (km 2027). Die Ausstiegstelle ist bei dem Niedrigwasser schlecht auszumachen und so hat Werner, der auf dieser Etappe vorgefahren ist, sie nicht gefunden und ist bis Mautern durchgefahren. Wie wir später festgestellten haben, sind viele andere ebenfalls weiter gefahren. Dafür bekommen wir übrigen mehr Freibier, auch gut!
Wir leisten uns heute ein Mittagessen im Gasthaus "Zum Kranz". Das Tiroler Geröstete wird uns im Biergarten unter alten Bäumen serviert und dazu ein kühles Bier gereicht. Am späten Nachmittag werden die Teilnehmer vom Bürgermeister zum Freibier eingeladen. Die Quelle war allerdings schnell versiegt und so treffen wir uns vor dem Zelt von Wolfgang und Helmut aus Mainz. Jeder bringt noch eine Flasche aus seinem Deputat mit. Fred singt seine Lieder aus der Zeit bei der Bündischen Jugend und wir anderen stimmen froh mit ein, d.h. soweit wir sie kennen. Außerdem gibt es viel zu erzählen und so mancher outet sich an diesem Abend. Die nächste Etappe ist kurz und so können wir etwas länger aufbleiben.
 
 
Fr. 12-07.02
Durch den Ruf: „Der Bäcker ist da!" werden wir von Jannis geweckt. Bloß keine Hektik heute! Wir dürfen eins der schönsten Donaugebiete befahren. Es wird erst einmal gemütlich gefrühstückt und so kommt es, dass wir erst um 9:00 Uhr auf dem Wasser sind.
Von Melk bis Krems durchfließt die Donau die Wachau. Die Lößablagerungen an den Hängen ist der ideale Nährboden für guten Wein. Wir fahren an den bekanntesten Weinorten der Region wie Spitz, Weißkirchen, Dürnstein vorbei. Was heißt vorbei? In Rossatz bei km 2009 müssen wir unbedingt anhalten. An einem Sandstrand können wir gut anlanden. Wir lassen die Boote hier, gehen hinauf in den Ort und suchen eine Straußenwirtschaft. Wir finden zwar eine, aber sie darf erst ab 14:30 Uhr öffnen. Also nehmen wir eine Flasche mit, die wir dann am Strand bzw. unter einem Apfelbaum austrinken. Gegenüber liegt Dürnstein. Wir genießen den Blick auf die Silhouette dieser Stadt mit ihrer imposanten Kirche und Burgruine. Viele Hotelschiffe liegen hier vor Anker.
Ein köstliches Nass dieser Grüne Veltliner. Der Wein ist so außergewöhnlich, daß er uns gleich ein Mittagsschläfchen abverlangt.
Es ist nicht mehr weit nach Mautern. Werner erwartet uns bereits mit für uns reservierten Plätzen. Werner und andere Kameraden, die Aggsbach Markt ausgelassen hatten, nutzten ihren freien Tag für einen Besuch der Städte Stein und Krems bzw. besichtigten das Stift Göttweig, ehemals Hauptstützpunkt der Gegenreformation. Die heutige barocke Anlage wurde nach dem Brand von 1718 neu errichtet. Das Stift besitzt heute noch große Kunstsammlungen, und eine der bedeutendsten Bibliotheken Österreichs.
Um 18:00 Uhr gibt es eine Kartoffelsuppe mit Fleischwurst und ein Getränk zum Abendessen. Nachdem wir unser Geschirr abgewaschen haben, marschieren wir fünf in die Stadt, finden eine Straußenwirtschaft und genehmigen uns einige Heurige. Fred hat wieder Lieder angestimmt und zur Überraschung aller kann unser lieber Werner allerhand weinselige Wiener Lieder vortragen, so dass wir alle begeistert sind. Andere TID-Teilnehmer, die ebenfalls anwesend waren, bestätigten später, daß bei uns am Tisch Hochstimmung herrschte.
 
 
Sa.13.07.02
 
Am nächsten Morgen wird erst einmal gut gefrühstückt, natürlich war der Bäcker da. Werner ist schon etwas früher fertig und fährt los. Aber wir anderen folgen ihm bald. Rechts ca. 5 km oberhalb der Donau, erhebt sich stolz das weithin sichtbare Benediktinerstift Göttweig. Wir fahren auf der überaus breiten, aber trägen Donau bis zum Wehr in Altenwörth und können dort umtragen. Bevor wir jedoch die Boote aufs Wasser setzen, machen wir zunächst eine kleine Mittagspause. Im Unterlauf der alten Donau ist eine Regattastrecke angelegt. Wir lassen uns dadurch nicht animieren, schneller zu paddeln. Es geht im Hauptstrom weiter; am rechten Ufer liegt das einzige nie in Betrieb genommene Atomkraftwerk Österreichs, ein Erfolg der Umweltschutzbewegung. Der Himmel trübt sich ein und es fängt an zu donnern. Das Gewitter bleibt im Tullner Feld vor dem Wiener Wald und so erreichen wir Tulln fast trocken. Wir können noch im trockenem unsere Zelte aufbauen. Zum Abendessen gibt es Hackbraten mit Krautsalat. Wie in jedem Jahr findet wieder eine Kirchweih an der Minoritenkirche statt und auf der Donaubühne wird eine Beatles – Revivalshow aufgeführt. Die Musik geht bis nachts um 2:00 Uhr, es ist schwer, ein Auge zuzumachen.
 
 
So. 14.07.02
 
Heute ist Sonntag und, wie nicht anders zu erwarten, wieder Sonnenschein. Es geht heute nach Wien. Träge fließt die Donau bis zum Wehr Greifenstein. Wir tragen wieder um und machen eine Kaffeepause an einem Kiosk in der Zwischenhaltung der Alten Donau. An dieser Stelle wurde eine herrliche Freizeitanlage angelegt und unzählige Sonnenhungrige liegen längst auf den Wiesen oder sind beim Baden in der Donau. Wir müssen noch einmal umsetzen und sind wieder im Hauptstrom. Unterwegs holen wir Werner ein und fahren gemeinsam bis zur Fähre in Klosterneuburg. Dort machen wir noch zusätzlich eine Vesperpause. Günter Meinel fährt indessen weiter. Er muss seinen Vorrat abbauen und will heute Rici Bici essen. Als wir in Wien Kuchelau ankommen, werden wir von ihm schon erwartet. Er hat für uns Plätze reserviert. Duschen ist hier nicht möglich. Ein Trog mit acht Zapfsäulen dient als Waschgelegenheit. Die Toilettenanlage ist sehr bescheiden. Der Platz liegt überaus "verkehrsgünstig". Neben uns die Eisenbahnlinie nach Tulln und über uns eine stark befahrene Straße. Man braucht dringend Ohrenstopfen und, oder einen Schlummertrunk. Werner beendet hier leider seine Paddeltour.
 
In der gegenüberliegenden Fischerhütte kann man gut essen, in Nussdorf jedoch steht eine Straußenwirtschaft. Da wir nicht bis Nußdorf gehen wollen, besorgen wir uns zwei Flaschen( je 2 Liter) Heurigen und trinken ihn an dem lauen Sommerabend vor unseren Zelten. Mit einigen Liedern, unter Begleitung von Freds Gitarre, wird Werner verabschiedet.
 
 
Mo. 15.07.02
Um 9:00 Uhr stehen die Busse zur Stadtrundfahrt bereit. Während Werner von Jannis Chauffeur „Bibi" zum Bahnhof gefahren wird, beginnt die Stadtrundfahrt. Günter M. bleibt bei den Zelten. Mit der Abfahrt des Busses, fängt es an zu regnen, wie auch immer für eine Stadtrundfahrt kein Hindernis. Am Kahlenberg, mit herrlichem Blick auf Wien, können wir deshalb leider nicht aussteigen. Die Fahrt führt über Grinzing zuerst in die Außen- und dann in die Innenbezirke. Die vielen kommunalen Wohnungsanlagen, die nach dem 1. Weltkrieg entstanden sind, waren für ihre damalige Zeit - Wohnungen mit Bad und Toilette - doch sehr fortschrittlich. In den alten Gasbehälter wurden Ende der 90. Jahre zu Kommunikationszentren und Wohnzwecken umfunktioniert und so entstanden moderne Eigentumswohnungen. Im gesamten Umfeld ist eine neuzeitliche Infrastruktur entstanden. Am Hundertwasserhaus steigen wir in einer Regenpause aus und besichtigen dieses Gebäude. Neben Hofburg und Stefansdom ist diese Besichtigung in Wien ein Muss. Um 12:00 Uhr endet die interessante und aufschlußreiche Fahrt am Rathaus und der Regen auch. Die Sonne guckt wieder hervor und trocknet alles mit ihren warmen Strahlen. Der Reiseleiter, der von der Stadt Wien für uns abgestellt wurde, hat uns viel vom Bus aus zeigen können. Das alles aufzuführen, wäre einfach zu viel. Nachdem ich meine letzten Schillinge bei der Nationalbank in Euros umgetauscht habe, beginnt der Stadtrundgang mit Fred. Vorher verdrücken wir noch eine Pizza. Waltraut aus Darmstadt hat sich uns angeschlossen. So erleben wir Wien mit seinen habsburgischen Gebäuden. In einem Café in der Kärntnerstraße beobachten wir das pulsierende Leben in der Fußgängerzone. Wien ist schon eine beeindruckende Stadt. Man braucht mehrere Tage, um dieses bunte treiben zu genießen. Gegen 17:00 Uhr fahren wir mit der U-Bahn und dem Bus zurück nach Kuchelau. Der Zeltplatz hat sich ein wenig verändert. Viele Paddler haben hier Schluß gemacht, aber dafür sind neue hinzugekommen. Auch der deutsche TID Referent Max Scharnböck ist mit seiner Frau gekommen, sie werden uns bis Mohacs begleiten.
 
Di. 16.07.02
 
Heute Morgen schleusen wir um 9:00 Uhr und fahren durch den Donaukanal, der auf einer Länge von 19 km Wien durchfließt. Viele Schaulustige beobachten die Armada von Paddel- und Ruderbooten. In dem großen Durcheinander haben wir uns vier verloren. Wer ist vorn, wer ist hinten? Nach einigen km sehe ich vor mir Günter M. Aber es bedarf noch eine ½ Stunde, bis ich aufgeschlossen habe. Obwohl wir uns im Kanal befinden, ist die Fließgeschwindigkeit des Wassers sehr gut. Im unteren Bereich des Kanals hängt ein Fischernetz neben dem anderen. Der Fischreichtum muß hier gewaltig sein. Mit der Einmündung des Kanals in die Donau bei km 1919,3 gelangen wir in das Gebiet „drunten in der Lobau". Es schließt sich das Marchfeld mit seinen Auwäldern an. Noch 35 km bis Hainburg, die Donau zieht. Also, alles kein Problem. Mit einer Fahrgeschwindigkeit von 12 km/h erreichen wir das heutige Ziel schon am frühen Nachmittag. Wir beide gehören zu den ersten und finden einen guten Platz. Für Fred und Günter G. können wir einen Platz freihalten. Wie nicht anders zu erwarten - im letzten Jahr genau so-, bricht ein gewaltiges Gewitter über uns herein. Großen Schaden hat es nicht angerichtet und nachdem es sich verzogen hat, wird bei Billa eingekauft und nachgebunkert, bevor es Nudeln mit Sauerkrautgulasch, Brot und Bier zum Abendbrot serviert werden. Abends gehen wir doch noch zum Heurigen, um uns von Österreich zu verabschieden. Das gesamte Lokal ist von TID-Fahrern besetzt; Beata aus Polen erscheint auch noch und es wird ein netter Abend.
 
 
 
 
Slowakisches Teilstück
Die Slowakei grenzt im Norden an Polen und im Osten an die Ukraine. Die westlichen Nachbarn sind Österreich und die Tschechische Republik, und im Süden teilt das Land seine Grenze mit Ungarn.
 
Am Ende des 2. Weltkriegs wurde die Slowakei wieder in die Tschechoslowakei eingegliedert und eine neue Regierung gebildet. Bei den Wahlen von 1946 ging die Kommunistische Partei als stärkste politische Kraft hervor. 1948 übernahmen die Kommunisten die gesamte Regierungskontrolle.
 
In einer neuen Verfassung nach dem Vorbild der UdSSR wurde 1960 die Autonomie der Slowakei abgeschafft. Anfang 1968 übernahm der Reformer Alexander Dubcek die Regierungsgeschäfte. In den folgenden acht Monaten ("Prager Frühling") führte er politische und wirtschaftliche Reformen durch, u. a. die Abschaffung der Zensur und die Wiederherstellung der Autonomie für die Slowakei. Im August beendeten jedoch Truppen der UdSSR gewaltsam die demokratischen Reformen. Gustáv Husák wurde als Präsident der Tschechoslowakei eingesetzt. Die einzige Reform, die den Prager Frühling überlebte, war die Bildung einer Föderation aus Tschechischer und Slowakischer Republik.
 
Während der siebziger Jahre formierte sich wachsender Widerstand gegen das kommunistische Regime, der sich 1977 in der Charta 77 (an der auch Václav Havel beteiligt war) manifestierte. Die Charta 77 warf Husáks Regierung Menschenrechtsverletzungen vor. Die Bürgerrechtsbewegung wurde jedoch zerschlagen und ihre Anführer inhaftiert. Im November 1989 erzwangen das Bürgerforum (eine von Václav Havel angeführte Bürgerrechtsvereinigung) und die slowakische Gruppe "Öffentlichkeit gegen Gewalt" das Ende der kommunistischen Herrschaft. Kurz nach den Wahlen 1990 forderte die Slowakei mehr Autonomie. 1992 gewannen die Nationalisten die Wahlen in der Slowakei. Als die neuen tschechischen und slowakischen Regierungen sich nicht auf die Aufteilung der Macht einigen konnten, beschlossen der slowakische Premierminister Vladimir Meciar und der tschechische Premierminister Václav Klaus die friedliche Teilung der Tschechoslowakei.
 
Nach der Unabhängigkeit der Slowakei (1. Januar 1993) setzte Meciar die marktwirtschaftlichen Reformen fort. Allerdings bremste er die Privatisierung von großen Unternehmen, um die steigende Arbeitslosigkeit nicht zu verschärfen. Die stockende Wirtschaft und Meciars eigenmächtiger Regierungsstil führten dazu, dass das Parlament ihn im März 1994 mit einem Misstrauensvotum zum Rücktritt zwang. Jozef Moravcík wurde neuer Premierminister, aber nach den Wahlen im September 1994 gelangte Meciar wieder an die Macht.
Die Slowakei wird im Westen von den Karpaten eingenommen. In der Hohen Tatra erhebt sich der höchste Berg (Gerlachovský Štít) mit 2 655 m. Im Osten hat die Slowakei Anteil am Ungarischen Tiefland. Die Donau bildet einen Teil der Südgrenze zu Ungarn, im Osten ist die March teilweise identisch mit der Grenze zur Tschechischen Republik. Die Hauptstadt der Slowakei heißt Bratislava und liegt an der Donau. Der Fluss bildet einen Teil der südlichen Grenze der Republik zu Ungarn. Auch die Grenze zur Tschechischen Republik liegt entlang eines Flusses, nämlich der March. Zahlreiche weitere Flüsse, wie z. B. Waag und Gran, fließen durch die Slowakei. Im Land gibt es viele natürliche Quellen, die einen Anziehungspunkt für Touristen darstellen.1
 
 
Mi. 17.07.02
Heute verlassen wir nun Österreich, aber nicht ohne Jannis lustige Versteigerung mitzuerleben. Während die Pässe den Behörden übergeben werden, wir sollen sie in der Slowakei wieder zurückerhalten, beginnt die Versteigerung. Die Gewinner werden nach Geburtstag, -jahr oder Größe, bzw. Umfang, unter allgemeiner Heiterkeit ermittelt. Um 9:30 Uhr sind wir dann alle auf dem Wasser. Von links mündet die March in die Donau. Über der Mündung, auf dem südwestlichsten Ausläufer der Kleinen Karpaten, thront die Ruine der uralten Festung Theben oder Devin (abgeleitet vom jugoslawischen Dewojna Þ Jungfrau). Um das Jahr 860 diente sie bereits als gut befestigte Grenzanlage des Großmährischen Reiches.
Die Strömung ist ganz flott, wir erreichen eine Geschwindigkeit von 15 km/h. In einer guten Stunde sind wir schon in Bratislava. Das Aussteigen ist etwas mühsam, aber mit vereinten Kräften gelingt es. Vier Mann vier Ecken; einer hinten, einer vorne, einer rechts und einer links, so kommen wir gut mit den Booten auf das obenliegende Gelände. Es ist das Vereinsgelände von Dunajklub Kamzik Bratislava auf der rechten Donauseite. Der Platz ist sehr groß und so steht für alle ausreichend Raum bereit. Natürlich hängen wir wieder zusammen. Die Pässe werden durch die Zollbehörden zurückgegeben. Auch Geld kann hier getauscht werden. Für 1 € gibt es 42 skr(slowakische Kronen). Warme Duschen sind vorhanden und das nutzen wir gern aus, da es in Hainburg keine gab. Zum Mittagessen nehmen wir zwei Würstchen und ein Bier, alles für 47 Kronen. Den Nachmittag verbringen wir vor unseren Zelten und klönen mit den anderen Paddlern. Abends ist großer Rummel. Eine Kapelle spielt extra für uns auf und es wird kräftig getanzt. Der ganze Verein ist anwesend. Zum Abendessen bekommen wir Schnitzel, Reis und Krautsalat.
 
 
Do. 18.07.02
 
Der nächste Tag ist Ruhetag und eine Stadtführung ist angesagt. Um 9:00 Uhr trifft sich eine kleine Gruppe – Fred und ich sind gleichfalls dabei – und begibt sich über die Brücke hinauf zur Burg. Von hier hat man nicht nur einen herrlichen Blick auf die Stadt, sondern außerdem auf die Donau hinauf bis nach Hainburg. Es ist ganz schön windig. Aus dieser Richtung also von Westen bläst uns ein starker Wind entgegen, es ist bedeckt und relativ kühl.
 
Nach der Burgbesichtigung löst sich die Gruppe auf. Vereinzelt oder in kleinen Grüppchen wird die Stadt angeschaut. Fred und ich schlendern zuerst durch die größeren Straßen, dann durch die kleinen Gässchen, bis wir zu einem Markt kommen. Wir setzen uns auf die Terrasse eines Restaurants und genießen das gute tschechische oder ist es slowakisches Bier? Dabei beobachten wir das Markttreiben. Es ist ein Markt, auf dem alles angeboten wird. Uns fällt auf, dass die Frauen hier sehr schlank und sehr einfach gekleidet sind, aber mit einem gewissen Schick. An den Kleiderständern suchen sie sich die Kleidungsstücke aus. Nach kritischen Abwägungen findet dann auch eine Bluse, ein T-Shirt oder ein leichter Pulli eine Käuferin.
Natürlich bekommen wir Hunger und erhalten für 68 skr ein Menü – K-Suppe und anschl. Paprika mit Serviettenknödel. Anschließend setzen wir unseren Rundgang fort und kommen in das Kaufhaus Treso, wo es wirklich alles gibt, was das Herz begehrt. Viele Menschen sind hier beim Einkaufen, aber in den Einkaufswagen befinden sich nie mehr als 5 Teile. Alles geht hier viel bescheidener als bei uns zu. Wir können auch nicht widerstehen und kaufen Molkereiprodukte und Obst ein. Der Einkauf ist ein Grund nun doch wieder zum Zeltplatz zurückzugehen. Wir finden auch gleich die untere Brücke und sind schnell wieder bei den beiden Günter. Günter M. hat für morgen früh eine Einsatzstelle mit zwar einer extrem schräger Rampe gefunden, aber sie ist besser als unsere gestrige Ausstiegstelle.
Zum Abendbrot kann gegrillte Wurst gekauft werden.
 
 
Fr.19.07.02
 
Die ganze Nacht hat es geregnet und gestürmt. Vor der nächsten Strecke werden wird gewarnt, weil sich bei diesem Sturm große Wellen vor dem Wehr in Cunovo aufbauen. Ich habe heute zum ersten Mal meine Schwimmweste angelegt. An der Einstiegstelle, die Günter ausgemacht hat, können wir gut einsteigen und so sind wir kurz nach 8:00 Uhr auf dem Wasser. Der Wind schiebt und die Donau zieht und so kommen wir gut bis 10 km vor den Staubereich. Ein riesiger See tut sich auf. Wir halten uns wegen des starken Windes in der durch Bojen markierten Fahrrinne. Die Boote tänzeln ganz schön. Der Hauptschifffahrtsweg geht nun geradeaus weiter. Drei Möglichkeiten bleiben uns, das Wehr zu überwinden entweder umtragen, Bootsgasse benutzen oder Schleusen. Wegen der Wellen entfällt das Umtragen. Von der Bootsgasse werden Schauermärchen erzählt; einem soll das Steuer abgerissen worden sein. Da wir Rücksicht auf das Bootsmaterial nehmen wollen, denn wir haben ja noch viele Kilometer vor uns, und außerdem ist kurz vor 10:00 Uhr, entschließen wir uns, doch die Schleuse zu nehmen. Die Schleuse ist schon voller Kajaks, Canadier und Ruderboote. Allerdings dauert es fast eine halbe Stunde, bis wir geschleust werden. Dann geht es bei Regen auf der alten Donau bis zur Schleuse Dunakiliti auf ungarischem Boden. Die frühere Tschechoslowakei und Ungarn haben ein Regierungsabkommen getroffen, um das Wasser gemeinsam nutzen zu können. Die Ungarn haben dieses Vorhaben dann aufgekündigt, da sie befürchten mussten, dass die Landschaft an der alten Donau völlig austrocknen würde.
Auf über 100 Kilometer Länge verteilt sich die Donau ihr Fluten auf nahezu 50 Kilometer Breite. Neben der Großen Donau (Øreg Duna), dem Grenzfluß zwischen der Slowakei und Ungarn, fließt im Norden auf slowakischer Seite, die Maly Dunaj und im Süden auf ungarischer Seite, die Kis Duna. Die beiden Inseln zwischen den drei Stromarmen sind auf slowakischer Seite die große und auf ungarischer Seite die kleine Schüttinsel. Beide Inseln sind ausgesprochene Tierparadiese, besonders die große Schüttinsel ist nach wie vor das Vogelparadies der Slowakei.
Nach der Schleusung um 11:00 Uhr geht es weiter auf der alten Donau bis nach Gabcikovo. Das Ausbooten erfolgt auf einer etwas feuchten, schiefen Ebene, klappt aber ganz gut. Der TID - Zeltplatz befindet sich vor dem Deich auf einer großen Grünfläche in der Nähe eines Fischrestaurantes. Es ist der Ort, der unter den alten TID – Fahrern auch Muckikovo genannt wird. Natürlich sind wieder die Mücken über mich hergefallen. Zum Abendessen gibt es Gulaschsuppe, Brot und Bier. Während die nationalen Fahrtenleiter mit einem Bus zum Bürgermeister nach Gabcikovo gefahren werden, gehen wir vier in das Fischrestaurant. 250g gebratener Wels kostet 50 sKr. Wer kann da widerstehen?
 
 
Sa.20.07.02
 
Nach der schnellen Morgentoilette und einem kurzen Frühstück geht es schnell aufs Wasser. Die Sonne scheint und wir haben leichten Rückenwind. Nach 8 km stoßen wir wieder auf den Hauptstrom und schon fließt die Donau ein wenig flotter. Duschen und Toiletten waren Mangelware, aber morgen soll man wieder duschen können. Das ist jedoch kein Problem man springt einfach in die Donau. Einen schönen Sandkiesstrand haben wir bald gefunden. Obwohl der Strom sehr breit ist und genügend Platz für die Berufsschifffahrt und den Paddler bietet, muß immer auf die Raketas (Jetboote), die zwischen Wien und Budapest verkehren, aufgepasst werden. Trotz der hohen Geschwindigkeit von 40 km/h kommt es aber kaum zu größeren Wellen.
Die Sonne knallt heute erbarmungslos auf uns hernieder. Wir suchen und finden einen geeigneten Ruheplatz am Ende einer Außenkurve unter Bäumen, wo wir uns auf dem Sand richtig ausstrecken können. Es wird noch etwas gegessen und vor allem muß viel getrunken werden. Die Getränke gehen langsam zur Neige. Nach gut eine Stunde sind wir dann nach 15 km an der Brücke in Komárno. Auf der schiefen Ebene können die Paddler gut und bequem aussteigen. Die Ruderer haben etwas mehr Probleme und legen in einer nahen Bucht an. Der Zeltplatz liegt hinten auf dem Vereinsgelände. Duschen (kalt) und Toiletten sind vorhanden und werden auch gleich genutzt. Serviert wird wieder Gulaschsuppe mit Brot und einem Bier. Da die Anlage bewirtschaftet ist, entschließen wir uns etwas später, anstatt des Nachschlages "Hähnchen mit Pommes und Salat" zu essen, natürlich dazu das gute Bier. Hans-Jörg ließ es sich nicht nehmen, die Stierhoden zu verzehren.
Die Stadt Komárno liegt von hier doch noch weit entfernt. Um 17:00 Uhr ist ein Bus mit TID - Teilnehmern in die Stadt gefahren. Das habe ich leider verpasst.
 
 
So.21.07.02
 
Für den nächsten Tag nehmen wir noch Tomaten, Paprika, Zwiebeln und Knoblauch mit.
Der Tag beginnt in aller Ruhe, aber einige Paddler wollen früh aufs Wasser. Wir alle müssen erst die Zoll- bzw. Grenzabfertigung über uns ergehen lassen, denn wir legen heute Mittag in Ungarn an und verlassen somit die Slowakei. Das linke Ufer bleibt weiterhin slowakisches Territorium. Dadurch entsteht bei der Einsatzstelle ein richtiges Gedränge und wieder diese Hektik von einzelnen Fahrern. Heute sind 50 km zu fahren und die Sonne meint es jetzt schon äußerst gut. Bis wir vier uns wieder auf dem Wasser finden, dauert es eine geraume Zeit, aber dann geht es doch flott voran. Die Donau zieht. In der Vereinsgaststätte konnten wir genügend Getränke bunkern, um nicht zu verdursten. Man braucht schon zwei Liter an einem Tag. Wieder finden wir zur Mittagszeit einen geeigneten Rastplatz im Schatten. Nach einem erfrischenden Bad geht es weiter.
 
 
 
ungarisches Teilstück
Die Landesnatur von Ungarn ist durch die weiten Ebenen des Pannonischen Beckens geprägt. Die Donau, die einen Teil der slowakisch-ungarischen Grenze zwischen Bratislava und Esztergom bildet, teilt Ungarn in zwei Hauptregionen. Die große Ebene, die als Alföld oder als das Große Ungarische Tiefland bezeichnet wird, nimmt den größten Teil der Region östlich der Donau ein und wird im Westen von Rumänien und im Süden von Serbien (Jugoslawien) begrenzt. Das Nordungarische Mittelgebirge erstreckt sich von dem schluchtartigen Durchbruchstal der Donau bei Esztergom bis zum Bükk- und Mátragebirge im Osten.Das Gebiet westlich der Donau, Transdanubien genannt, weist vielfältige Oberflächenformen auf. Im Süden des Transdanubischen Hügellandes ragen die Tubes heraus. Im Norden befindet sich der Bakonywald, von dem man den Plattensee, den größten Süßwassersee in Mitteleuropa, überblicken kann. Das Kisalföld im äussersten Nordwesten von Ungarn reicht bis in die südliche Slowakei hinein. Der wichtigste Fluss Ungarns ist die Donau. In der Nähe von Esztergom verändert sie ihre Fließrichtung nach Süden und teilt ab hier das Land in zwei Hälften. Ungarn hat ein ausgeprägtes Kontinentalklima mit kalten Wintern und warmen Sommern. Die Durchschnittstemperaturen bewegen sich zwischen -1 °C im Januar und 21 °C im Juli. Die größten Niederschlagsmengen fallen im Frühsommer.2
Weit sichtbar erhebt sich die Kuppel der Basilika von Esztergom über die Donau. An der neuen Brücke zwischen Esztergom und Sturowo, bzw. Ungarn und Slowake, ist die Ausstiegstelle auf einer sacht ansteigenden Rampe. Gleich oberhalb auf der Parkwiese ist unser Zeltplatz. Es besteht die Möglichkeit, ein TID – Hemd für 5 € zu erwerben. Ich bezahle mit 10 € und nehme als Wechselgeld ungarische Forint, damit ich ein Bier in der nahen Gaststätte leisten kann. Hier sitzen schon einige Kameraden.
Esztergom ist eine Industriestadt, in der neben Werkzeugmaschinen und Kraftfahrzeugen auch Ziegel, Eisenwaren und Kleidung hergestellt werden. Ein japanischer Autokonzern hat hier seine Produktionsstelle errichtet. Wichtigster Erwerbszweig der Umgebung ist die Landwirtschaft (u. a. Weinbau). Die Stadt ist Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs. Der klassizistische Dom (begonnen 1820) ist die größte Kirche Ungarns. Er trägt eine Kuppel nach dem Vorbild der Peterskirche in Rom. Zu den weiteren kirchlichen Bauten in Esztergom gehört der frühere Bischofspalast im Renaissancestil, in dem sich heute ein Museum befindet. Sehenswert ist noch die ehemalige königliche Burg (1173-1195). Esztergom ist Dank seiner heißen Mineralquellen ein beliebter Kurort.
 
Schon bald werden wir zur Besichtigung der Basilika aufgefordert. Einige folgen, trotz der Hitze, doch dem Ruf. Sie liegt erhaben auf einem Felsen über der Donau. Das neu errichtete Standbild vom König Stefan I., dem Heiligen, erster König Ungarns, soll darauf deuten, dass Ungarn seinen Blick nach Westen richtet. Die Ungarn sind ebenfalls potentielle Bewerber für die EU. Sie waren schon einmal bis Augsburg (Schlacht auf dem Lechfeld 955) gekommen, bis sie von Otto dem Großen zurückgedrängt wurden. Damals waren sie noch Barbaren und hatten schlimm gehaust, bis sie dann zum katholischen Glauben überredet werden mussten und seßhaft wurden. Gerade unter der Führung von Stefan I. aus dem Hause Arpad wurde es umgesetzt.
Abends wird in der nahen Turnhalle das Essen serviert; Gulasch mit Kartoffeln und Krautsalat zu einem Bier. Anschließend werden die ungarische Organisationsleitung und der Fahrtenleiter für den ungarischen Abschnitt der Donau vorgestellt. Der Fahrtenleiter Denis ist pensionierter Zahnarzt und spricht hervorragendes deutsch.
 
 
Mo.22.07.02
 
Am nächsten Morgen sind wir um 8:00 Uhr auf dem Wasser. Hinter Esztergom wachsen die Hügel zu richtigen Bergen an. Unsere 1. Pause machen wir auf der Terrasse eines Restaurants in Szob. Ab hier ist nun beidseitig ungarisches Gebiet. Denis ist mit seiner Potsdamer Verwandtschaft ebenfalls hier zu einer SÖR-Pause ausgestiegen. Die Donau verschwindet hinter 600 Meter hohen, dicht bewaldeten Steilhängen, die der Donau nicht mehr ihren freien Lauf lassen. Die Visegrader Berge und das Börzsönygebirge zwingen dem Strom ihren Willen auf. Er muß sogar, für eine kurze Strecke nach Norden fließen.
Eine Gegend dem Rheingau ähnlich ist. Die Donau hat eine gute Fließgeschwindigkeit. Wir genießen die herrliche Landschaft und können uns treiben lassen. Aber schon sind wir bei km 1696 und wir müssen aufpassen, dass wir die Einfahrt zum ehemaligen Umfahrungskanal nicht verpassen. Hier sollte die Donau aufgestaut werden. Die Arbeiten waren bereits begonnen - als ein Volksentscheid das Bauvorhaben zum Scheitern brachte. Es wurde alles wieder zurückgebaut bis auf den Umfahrungskanal, der nunmehr als kleiner Hafen, jedoch ohne Anlagen, erhalten geblieben und uns heute als Zeltplatz dient. Der Wind bläst gewaltig. Nur mit gemeinsamer Hilfe können die Zelte aufgebaut werden. Sämtliche TID-Teilnehmer erhalten Freikarten für den Aufenthalt im nahegelegenen Thermalbad in Lepence. Um 14:00 Uhr machen wir uns auf den Weg. Nach einem Fußmarsch von ca. 1 km erreichen wir das Bad. An einem Hang sind terrassenförmig die Schwimmbecken angelegt. Eine Wohltat ist es, in dem 380 C warmen Wasser sich zu aalen und von oben die warme, angenehme Sonne zu genießen. Nach zwei Stunden gehen wir alle völlig ermüdet wieder zum Zeltplatz zurück
 
Um 16:30 Uhr fahren wir mit dem Bus zur Burgbesichtigung nach Visegrad. Nach der Besichtigung treffen wir uns alle in der mittleren Burg zu Ritterspielen. Die Ritterspiele beginnen erst, nachdem aus unseren Reihen ein Herscherpaar gewählt wurde. Zum König wird unser deutscher Fahrtenleiter, Wolfgang aus Mainz, auserkoren und an seiner Seite zu seiner Frau ein junges Mädchen aus Australien auserwählt. Die Aktivisten zeigen nicht nur den Umgang mit dem Schwert, sondern beweisen außerdem ihre Treffsicherheit mit Pfeil und Bogen. Anschließend zeigt man einen Film über die Donaufahrt zweier ungarischer Ruderer von Amsterdam nach Budapest aus den 80iger Jahren. Dann geht es wieder mit dem Bus zu unserem Quartier, bzw. zu einer Möbelfabrik, welche der großzügige Sponsor für Ausflug, Essen und Trinken ist. Um 21: Uhr essen wir bei Musik - sechs Männer und eine Sängerin - Gulasch mit Brot. Ein großes Fass Wein und Mineralwasser wurden ebenso gesponsert.
 
 
Di. 23.07.02
Am nächsten Morgen werden wir von der Wasserschutzpolzei kurz angehalten. Sie erkundigen sich, wo wir herkommen und als wir erzählen, dass wir zur TID gehören, wünschen sie uns weiterhin eine gute Fahrt. Weit über uns steht stolz die Visegrader Burg. Visegrad ging aus einer slawischen Siedlung (Wissehrad = hohe Burg) des 9.Jh. hervor. Der steile Trachytkegel trägt drei Ruinen: das Bergschloss, die tiefer liegende ausgegrabene Renaissanceburg des Königs Matthias Corvinus (15. Jh.) und den Salomonsturm. Der Prunkhof mit Wandelgang und Marmorbrunnen (mit dem Rabenwappen: Corvinus — corvus = Rabe) ist freigelegt. Auf dem nahen Berg Nagyvilläm steht ein Schutzhaus mit Aussichtswarte. Am linken Ufer liegt Nagymaros in Wein- und Obstgärten gebettet. Wir erreichen jetzt den Bogen, mit dem der Strom dann in seine eigentliche Richtung schwenkt: Nach einem riesigen Dreiviertelkreis fließt er endgültig seiner eigentlichen Bestimmung entgegen, nach dem Süden. Er teilt sich in zwei Fahrrinnen, getrennt durch die 30 km lange Andreasinsel (Szentendreiziget). Wir bleiben außerhalb der Schiffahrtslinie und fahren auf der rechten Seite. Diese Strecke ist neu kilometriert und beginnt mit km 0,00. Gleich an der ersten Fähre landen wir an, um unseren Vorrat aufzufüllen und uns vor allem mit Getränken zu versorgen. In der Hauptstraße finden wir den kleinen "ABC-Laden". Brot, Käse, Paprikawurst und natürlich Mineralwasser und SÖR können wir einkaufen.
Zum Mittagessen steigen wir auf Empfehlung von Denis bei km 13 an einer Fähre aus, an der ein ganz tolles Restaurant steht. Max und seine Frau haben dieses Lokal ebenfalls ausgesucht. Ich habe eine gute Fleischspezialität des Hauses gegessen. Wir waren alle sehr zufrieden mit dem Essen.
Während Fred und ich in Szentendre anlegen und eine Stadtbesichtigung machen, fahren die beiden Günter nach Budapest weiter. Szentendre ist eine Stadt mit kleinen engen Gassen und niedrigen Häusern. Unzählige winzige Kunstgewerbegeschäfte bieten abwechselnd mal gymbildern, mal Töpferarbeiten ab. Viele deutsche Touristen werden in Gruppen durch die Stadt geführt und zwei "Paddelvagabunden" sind mitten unter ihnen. Nach einer Stunde treibt es uns wieder zu unseren Booten zurück. Am Ende der Szentendreinsel müssen wir den Hauptstrom mit der Schiffahrtslinie kreuzen. Mittels "Seilfähre" queren wir in unseren Kajaks den Strom und erreichen den Anlegesteg in Budapest beim Sportclub Tungsram. Hier werden die Boote mit einem Schrägaufzug nach oben gefahren, alles mit Hilfe der Kameraden vom Sportclub. Günter hat uns einen schönen Platz reserviert. Das vereinseigene Schwimmbad lädt natürlich gleich zu einem Bad ein.
Um 18:00 Uhr nach der Begrüßung durch die Vizebürgermeisterin der Stadt Budapest und Vertreter der Fa. Tungsram, deren Gäste wir nun sind, wurde nach einer Gulaschsuppe das kalte Buffet eröffnet.
Die Augen quellen uns über; Hähnchenkeulen, Schinkenröllchen mit Meerrettich, ½ Eier, herrliches Gemüse und zum Abschluß eine Nachspeise (Käsequarkkuchen) und selbstverständlich Wein und Bier werde bis zum Abwinken kredenzt.
 
 
Mi 24.07.02
Am nächsten Morgen „Wecken" mit knallenden Sektkorken. Marianne Scharnböck hat Geburtstag. Wir sind alle zu einem Glas Sekt eingeladen und das alles noch vor dem Frühstück. Der Verkauf von Fahrkarten wird von den ungarischen Kameraden organisiert und so fahren Fred und ich nach Budapest ins Zentrum nach Pest. Bis 1873 hatten hier nämlich drei Städte die Donau umschlossen, die Burg auf dem nördlichen Uferberg, Ofen oder Buda, zwischen Berg und Donau liegen Altofen oder Obuda und am linken Ufer erstreckt sich Pest. Beim Zusammenschluß zählten die kombinierten Städte 270 000 Einwohner, zu Beginn des Ersten Weltkrieges waren es fast 900 000, heute sind es zwei Millionen. Während sich Obuda in dem Dialog der Donaustädte zurückhält, gebietet die mächtige Königsburg majestätisch und herrisch über dem Strom. Am anderen Ufer stellt sich ihr das Parlament - dieser architektonische Versuch, selbst das Londoner Parlament zu übertreffen, herausfordernd entgegen.
Als erstes kaufen wir uns eine Tageskarte für die öffentlichen Verkehrsmittel und eine Telefonkarte. Unser erstes Ziel ist die Basilika und dann schlendern wir weiter durch Pest bis zum Parlamentsgebäude. Ich bin sehr beeindruckt von dem imposanten Gebäude. Mit der Straßenbahn fahren wir über die Margareten - Brücke auf die Budaer – Seite. Wir gehen durch die Gassen aufwärts zu dem Restaurant "Zum roten Teufel", das uns mit seinem schönen Innenhof zum Essen einlädt. Nach dem angenehm kühlen Aufenthalt geht es weiter zur Matthias–Kirche mit der Pestsäule, dann zur Fischerbastei und weiter zum Burgberg. Von hier hat man einen weiten Blick über den Stadtteil Pest und natürlich auf dieses mächtige Parlamentsgebäude. Wir steigen nun hinab zur ältesten Kettenbrücke. Neben der Steinernen Brücke von Regensburg ist sie wohl die schönste aller Brücken, die die Donau überqueren.
Sie hat aber noch eine andere Bedeutung: Sie war die erste Kette zwischen Buda und Pest, durch diese Brücke wurde die Einheit der beiden Städte geschmiedet und die Hauptstadt in ihrer jetzigen Form begründet. Bis zur Fertigstellung der Kettenbrücke in der Mitte des 9. Jahrhunderts bestand nur eine Schiffsbrücke, die bei jedem Eistreiben abgebrochen werden mußte. Nun führt die Brücke vom Rooseveltplatz neben dem Parlament zum Adam-Clark-Platz zu Füßen der Burg.
Auf der Brücke, unter einem der Löwen, noch ein anderer Name: Stephan Graf Szechenyi,: »der größte Magyar.«
Auf Szechenyis Initiative hin wurde die Brücke gebaut. Wenn sich Ungarn entwickeln sollte, dann brauchte es eine moderne Hauptstadt. Buda und Pest waren dazu geeignet. Aber sie mußten räumlich zusammengehören. Das konnte nur durch eine Brücke gelingen. Er reiste auf der Donau nach Konstantinopel und erkannte, daß die Schiff-Fahrtshindernisse im Eisernen Tor beseitigt werden müßten. Die erste Donauregulierung in diesem Stromabschnitt und die Theißregulierung sind sein Werk.
Wie Szechenyi eine Brücke von Pest nach Buda schlagen ließ, so wollte er den Ungarn auch gleich eine Brücke in eine bessere politische Zukunft bauen. Er gehörte auch dem ersten Parlament nach 1848 als Verkehrsminister an. Die Brücke wurde nie von Ungarn gesprengt.
In den letzten Kriegstagen 1945 wurde die Millionenstadt von sowjetischen Truppen eingeschlossen. Nach erbitterten Kämpfen zogen sich die Verteidiger- deutsche und ungarische Soldaten- von Pest über die Donaubrücken nach Buda zurück. Wieder einmal ging es um die Brücken. Die ungarischen Soldaten weigerten sich, die Sprengladungen an der Kettenbrücke und an den anderen Brücken zu entzünden. Die Deutschen ließen ihre eigenen Pioniere das Zerstörungswerk besorgen. Von den sieben Brücken blieb keine einzige ganz. Auch von der Kettenbrücke standen nur die beiden Türme, und die schweren Stahlseile und Ketten hingen schlaff in den Strom. Den Hintergrund bildete die Feuerlandschaft der Burg.
Um jedes Haus wurde gekämpft. Das alte Buda, die Stadt der ungarischen Könige, die Burg war nur noch ein Trümmerhaufen, die traurigste Ruinenstätte Ungarns.
Nach mehr als 20 Jahren kann man sich wieder auf die Burg flüchten, um dem Großstadttrubel zu entrinnen, durch leere und stille Gassen schlendern, in gotischen Kellern Wein trinken, auf Basteien promenieren und sich den Wind vergangener Epochen um die Ohren wehen lassen. Der Wiederaufbau der Burg — damit ist nicht nur die königliche Burg, sondern die ganze Stadt auf dem Burgberg gemeint —ist geglückt. 3
 
Wir überschreiten die Hängebrücke und kommen wieder nach Pest zurück. Mit der U-Bahn fahren wir zum Szechenyi fürdö, eins der sechs Thermalbäder in Budapest. Budapest. ist auch als Bäderstadt berühmt; aus den Dolomitschichten unter der Stadt quellen täglich 40 Millionen Liter Thermalwasser empor. Wir gehen durch das Stadtwäldchen zum ungarischen Museum für Landwirtschaft und weiter zum Heldenplatz (Hösek-tere), danach schließlich das Nep-Stadion für 100.000 Personen. Nach einem Cappucino in einem netten Café fahren wir mit der U-Bahn ins Zentrum zurück. Mit der Linie M fahren wir in Richtung Norden; nein, wir sitzen zwar in der Linie M, aber sie fährt in die falsche Richtung. Durch das Pflasterlaufen sind wir doch ein wenig groggy und genießen natürlich unseren Sitzplatz. Es nützt nichts, wir müssen wieder aussteigen und die Bahn in Gegenrichtung nehmen. Auf den weiterfahrenden Bus müssen wir fast eine ½ Stunde warten. Auf dem Zeltplatz werden wir schon von den beiden Güntern erwartet. Es gibt heute Abend Würstchen(6 Stück) und SÖR. Bis spät in die Dunkelheit sitzen alle singend zusammen; dabei begleiten uns Fred und Doca mit der Gitarre.
 
 
Do.25.07.02
 
Die Donau wird in Ungarn von 11 Brücken überquert. Die erste ist in Esztergom, acht davon allein davon in Budapest, zwei weitere folgen noch. Die Stromüberquerung erfolgt also immer mittels Fähren. Weitere Brücken sind: die Kossuth-hid, die Lanchid, die neuerbaute elegante Erszebet-hid, die Szabadsäg-hid und die Petöfi-hid.
Wir fahren rechts an der Margareteninsel vorbei, unterfahren die Hängebrücke und verlassen nun Budapest. Burghügel und Gellertberg in Budapest sind die letzten Ausläufer der Visegrader-Berge. Für die Donau sind sie auch gleichzeitig die letzten Berge bis hinunter zur jugoslawischen Grenze. Auf über 150 Kilometer Länge kann sich der Strom jetzt geruhsam ausbreiten, Seitenarme und riesige Schleifen bilden und damit die Voraussetzungen schaffen für weite Sumpfgebiete und große Wälder.
Die größten Industriewerke befinden sich auf der Insel Csepel mit Freihafen. Sie beginnt bei der Abzweigung des Soroksärarmes (km 1642,2, lud.). Die Vorstadt Budafok mit in Kalk gehauenen kilometerlangen Weinkellern liegt rechts bei km 1637.
Bei km 1613,5 erreichen wir Ercsi. An der Fähre können wir gut anlanden. 300 m weiter ist unser Zeltplatz bei einem Restaurant. Das angekündigte Folkloreprogramm fällt leider aus, aber eine Zwei -Mann Kapelle übernimmt den Part. Zum Abendessen gibt es zwei Fleischklöße mit Tomatensauce und Brot. Da in der Nachbarschaft Zigeuner wohnen, werden wird der Platz die ganze Nacht bewacht. Wegen der Zigeuner finden sich Hunde in jedem Haus, die nachts dauernd bellten. Ja sind wir denn hier in Hundldorf?
 
Fr. 26.07.02
 
Nach einer Nacht mit wenig Schlaf geht es schon früh auf die Donau. Auffallend ist das nach Rechtsdrängen der Donau an den Steilrand der Lößplatte. Dieses Phänomen kann man nach dem Bär‘schen Gesetz mit der Achsendrehung der Erde erklären. Das Südende der Insel Csepel entdecken wir bei km 1586.
 
1950 wurde neben dem Fischerdorf Dunapentele binnen weniger Jahre die «Donau-Neustadt» (Dunanjvarocs) mit ihrer Schwerindustrie aus dem Boden gestampft. Dabei entdeckte man eine bronzezeitliche Siedlung und das Römerkastell lntercisa. Heute arbeitet dort das modernste Eisen- und Stahlkombinat des Landes mit Kokerei. Angegliedert sind ein Kaltwalzwerk, eine chemische Fabrik, auch eine Kleider- und Wäscheerzeugung.
Wir sind hier bei einem großen Verein mit Rennabteilung, vor allem Canadierfahrer, angekommen. Da in Ersci nur eine Dusche vorhanden war, können wir hier mit zwei Duschen vorlieb nehmen. Das Abendessen besteht aus Weißkohlgulasch mit Peperoni und Brot. Der Vorstand des Vereines hat den Bierausschank verboten, also müssen wir nach oben in die Stadt. Über uns kreiste immer ein Flugzeug. Es stellt sich heraus, dass dieses Flugzeug Mückenvertilgungsmittel versprüht. Ich habe vorher noch Geld abgehoben, um dann auch ein Bierchen trinken zu können. Wir vier hatten Glück, denn wir fanden kleine Bar und sitzen nun draußen in der lauen Abendsonne. Schon bald gesellen sich Kurt und Waltraut zu uns. Nach einem Palinka-Schnaps ziehen wir wieder zurück auf das Vereinsgelände.
 
Sa. 27.07.02
Heute haben wir Samstag und unser nächstes Ziel ist Paks. Am linken Ufer taucht bei km 1573 Dunavecse auf, am rechten Ufer (km 1561) Dunaföldvär. Hier legen wir unterhalb der Brücke an, um in der Stadt unsere Einkäufe zu tätigen. Der Fußweg führt uns an einem Thermalbad vorbei in die sehr belebte Stadt. Da die Brücke die erste nach den Brücken von Budapest ist, herrscht allerhand Verkehr auf ihr und in der Stadt. Nachdem alles in den Booten verstaut ist, geht es weiter. Unsere Mittagspause machen wir in Harta. An einem schönen Sandstrand können wir gut anlanden. Viele Kanus liegen schon hier. Wir treffen oberhalb im Panoramarestaurant eine beachtliche Zahl TID - Paddler. Zum Mittagessen lassen wir uns Kalbsschnitzel mit Pommes frites schmecken. Nach einer guten Stunde sind wir dann wieder auf dem Wasser und erreichen bei starker Strömung PAKS. Am Steg entsteht leichtes Gedränge und sogar Hektik .Aus der Gegenrichtung kommt mit großer Welle ein Hotelschiff. Ein Faltboot - Paddler fährt den Steg in Fahrtrichtung an und bleibt glatt mit seinem Steuer an der Verstrebung des Steges hängen. Fred schimpft kräftig los, aber ihm konnte geholfen werden und so hat Fred letztendlich sein Boot doch noch allein auf den Steg gezogen. Wir haben unsere Boote wieder zu viert vom Steg zur ersten Berme getragen, dann ging’s mit dem Bootswagen weiter. Das Vereinsgelände befindet sich weit unterhalb der Stadt. Die Besichtigung eines Kernkraftwerkes ist für heute Nachmittag vorgesehen, doch nein danke wir strahlen ja so schon. Gemütlich bauen wir das Zelt auf und dann gehen wir erst einmal schön warm duschen. Nun naht die Zeit für ein Bier. Neben uns werden schon Gulasch und Zwiebeln in Kesseln angebraten. Außerdem gibt es Salzkartoffeln und Weißkraut zum Abendessen dazu.
Wie sich später herausgestellt, hatte man nicht das Atomkraftwerk besichtigt, sondern eine Stadtbesichtigung durchgeführt. Charly aus Spanien schwärmte von den schönen Kirchen. Er ist Architekt und muß es wissen. Eigentlich war ich nun etwas sauer. Die Stadtbesichtigung hätte ich auch gern mitgemacht.
 
So.28.07.02
 
Verdammt heiß ist es heute wieder. Wir müssen unbedingt vom Wasser. Um 12:00 Uhr finden wir bei km 1495 an einer kleinen Fährstelle eine Ausstiegstelle. Wir ziehen die Boote aus dem Wasser und finden oben eine Csardas. An den Biertischen unter den Sonnenschirmen nehmen wir Platz. Was gibt es zu Essen? Natürlich Kalbsschnitzel mit Pommes und Salat und zum Trinken SÖR. Bald schon kommen weitere Paddler. Sie müssen unsere Boote gesehen haben. Auch Werner aus Bonn ist dabei. Nach gut zwei Stunden sind wir dann wieder auf dem Strom.
Eigentlich sollten wir auf Empfehlung von Denis die Kis – Duna, einen Seitenarm der Donau, befahren, aber es ist uns wirklich zu heiß und wir wollen jetzt schnell nach BAJA. Nach 16 km sind wir an der Brücke von Baja. Hier beginnt der Hafen und gleich links geht die Sugovica ab.
An der Donau und ihrem Nebenfluss, der Sugovica, liegt die von zahlreichen Nationalitäten bevölkerte Hafenstadt. Deutsche, Kroaten und Serben leben hier mit den Ungarn seit Jahrhunderten einvernehmlich zusammen. Eine angenehme, noch heute wahrnehmbare nostalgische Kleinstadtatmosphäre begleitet die Besucher beim Bummel durch die kleinen und winkligen Gassen der Stadt. Die durch ihren früheren Reichtum und die Märkte bekannte alte Handelsstadt legt mit ihren reich verzierten Gebäuden heute noch Zeugnis darüber ab. Hierbei verdienen das Rathaus, ein Neorenaissance-Gebäude und die Franziskanerkirche mit ihrem Rokokoaltar von Honoratiorenbänken sowie das Altarbild der Kirche St. Peter und Paul, ebenso die Ikonosthase der serbischen Kirche und das Gebäude der ehemaligen Synagoge, dass zur Bibliothek umgestaltet wurde, besondere Aufmerksamkeit. Die 300-jährige Vergangenheit und die Geschichte der Fischerei zeigt das Museum, welches nach Istvan Türr, dem großen Sohn der Stadt und Architekten des Kanals von Korinth, benannt wurde. Die Insel der Sugovica empfiehlt sich als wahres Touristenparadies. Neben einem Schwimmbad und dem Tennisplatz befindet sich hier auch ein wichtiger Hafen für die Wasserwege Rhein Main Donau. Die berühmte Fischsuppe von Baja wird selbst im Guinnessbuch der Rekorde erwähnt, denn jedes Jahr wird hier im mediterranen Flair der Innenstadt gleichzeitig in 2000 Kesseln auf offenem Feuer diese Fischsuppe gekocht.
 
Wir folgen ihr 2 km aufwärts. Gegenüber dem Strandbad befindet sich unser Zeltplatz. Wegen des Niedrigwassers und des Ölschmutzes ist es etwas beschwerlich die Boote nach oben zu ziehen. Nach dem Duschen und der "Feurigen Gulaschsuppe" mit Brot mache ich mit Fred eine Stadtbesichtigung. Auch hier kennt er sich gut aus. Über eine Brücke kommen wir am Hauptplatz der Stadt an. Sie ist eine Stadt mit Kirchen verschiedener Konfessionen. Interessant ist es, dass sämtliche Häuser Doppelfenster besitzen. Im Winter muß wohl mit einigen Minusgraden hier gerechnet werden. Es wird noch ein Eis gegessen und ein kleiner Einkauf getätigt - Wein und Dosenbier gekauft, und wir gehen wieder zurück. Schlapp durch den heißen Tag sitzen wir vor unseren Zelten.
 
 
Mo.29.07.02
Am nächsten Morgen werden wir alle schon um 5:10 Uhr von Günter M geweckt.
Er frühstückt bereits. Was ist heute in den Kerl gefahren? Während er sein bepacktes Boot schon zum Ufer herunterfährt, frühstücken wir anderen noch, aber wir folgen ihm auch bald. Er ist noch unten am Ufer und beobachtet, wie ein Schwarzstorch neben einem Angler steht und auf sein Futter, kleine Fische, wartet.
Wir sind wieder auf unserer Donau. Die vielen verschlungenen Windungen der Donau (Tolna-Arm, Csanäd-Arm, Cserta-Arm u. a.) wurden durch Durchstiche zu Altwasser und der Strom um viele km begradigt.
 
Auf ein Kommando werden bei km 1455 die Bierdosen herausgezogen und es wird ein kräftiger Schluck auf die beiden Günters und Fred getrunken. Von Ingolstadt bis hier sind es genau 1.000 km. Ich muss mich bescheiden zurückhalten, aber dann darf ich doch mittrinken.
 
Wir erreichen Mohács schon zur Mittagszeit. Die Zelte sind schnell aufgebaut. Duschen gibt es leider nicht; wir erhalten dafür Freikarten für das nahe Schwimmbad. Wegen der starken Hitze ziehe ich mein Tarp mit auf und halte erst einmal ein kleines Schläfchen. Später gehe ich dann mit Fred an der Fähre in ein Restaurant zum Fischessen.
Ungarns südlichstes Donautor ist Schauplatz des reizvollsten ungarischen Volksbrauches — den „Buschenumzug", wo inmitten des bunten Treibens anlässlich des Faschingsfestes der Winter beerdigt und der nahende Frühling begrüßt wird. Der Name dieser Stadt ist aber auch mit einem der größten Schicksalsschläge des Landes eng verbunden. Es handelt sich hier um die vernichtende Niederlage auf dem Schlachtfeld von Mohács am 29. August 1528, bei der etwa 20.000 ungarische Soldaten - unter ihnen auch ihr König Ludwig II. - fielen. Ungarns Selbständigkeit war für lange Zeit vernichtet. Ein Monument am Donauufer (3 km oberhalb M.) erinnert an diese tragische Wende der Geschichte. Anschließend begann nämlich die 150 Jahre währende Türkenherrschaft. Anlässlich des 400. Jahrestages der Schlacht wurde aus öffentlichen Spenden eine Votivkirche im byzantinischen Stil, die „Gedenkkirche auf dem Schlachtfeld„ am Hauptplatz der Stadt errichtet. Im Fundament dieser 3800 Personen Platz bietenden Kirche wurde aus 3.000 ungarischen Gemeinden, 52 Städten und den 25 Höfen der einzelnen Komitatshäuser zum Gedenken je ein Kilogramm Erde eingebracht. um damit den nationalen Zusammenhalt zu symbolisieren. Der Altar aus Alabaster ist ebenfalls ein Symbol, mit dem die europäischen Staaten - nach 450 Jahren - den 150-jährigen heldenhaften Widerstand der Ungarn gegen das nach Westen vordringende Osmanische Reich würdigten. Im Dorottya – Kanizsai - Museum kann man die Geschichte der Stadt und die Schlacht nachvollziehen.
Im Zeitalter der Dampfschiffe wurde Mohács eine wichtige Bunkerstation.
Die Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Baranya Megye ist Pécs und liegt am Fuß des Mecsekgebirges in der Nähe der kroatischen Grenze. Pécs ist eine Industriestadt, die ihre wirtschaftliche Bedeutung hauptsächlich den in der Nähe gelegenen Kohlebergwerken zu verdanken hat. Die Universität Pécs wurde 1922 auf dem Gelände der ersten im Jahr 1367 gegründeten Universität Ungarns neu gegründet. Zu den bedeutendsten Bauwerken der Stadt gehören eine romanische Kathedrale aus dem 11. Jahrhundert und zwei türkische Moscheen. Die Stadt hieß früher unter dem Einfluss der Donauschwaben Fünfkirchen.
Fred und Günter G. wollen uns hier verlassen uns. Abends sitzen wir noch spät in einer Kneipe bei Wein, um sie gebührend zu verabschieden.
 
Di.30.07.02
Heute ist Ruhetag
Es herrscht schon früh Bewegung im Zeltlager. Die Heimfahrenden packen ihre Sachen und bauen ihre Zelte ab. Gegen 8 Uhr trifft der Bus aus Deutschland ein.
Mit dem Bus kommen viele neue Paddler: Karl-Heinz Schröder aus Siegburg, Marlies aus Ahrensburg, Heiko Krüger aus Oldenburg, die ich alle schon kenne, Rolf- Dieter aus Wörth und aus Freds Verein der Kehler Paddler-Gilde Poldi, ein Gemütsmensch und sehr guter Sänger mit seinem selbst gebauten Boot. Es ist zwar sehr schwer, aber gut durchdacht mit seinen Einbauten, dennoch sicher und schnell, wie sich später herausstellt. Eine ganze Gruppe von Paddlern aus Friedrichshafen am Bodensee ist auch dabei.
Wir helfen noch beim Verladen der Boote für die Heimreisenden Es folgt eine kurze Verabschiedung und schon fährt der Bus wieder nach Deutschland zurück.
Am heutigen freien Tag leiste ich mir einen neuen Haarschnitt. Rodnay und Colin haben mir es vorgemacht. Der Besuch beim Frisör kostet mit Trinkgeld nur 2,50 €. Der Haarschnitt ist kurz und entspricht der Haarordnung der ROYAL NAVY.
Für die Weiterfahrt wird erst einmal mächtig gebunkert. In dem Spar – Markt erhalten wir alles, was wir beiden für die nächsten Tage benötigen. Günter ist zwar durch seine Provianteimer bestens ausgerüstet, ein Eimer ist schon in Belgrad durch Niki aus Bulgarien deponiert worden.
Jugoslawisches Teilstück
In der Föderativen Republik Jugoslawien, die mitunter auch als Serbien und Montenegro bezeichnet wird, leben Angehörige zahlreicher ethnischer Gruppen, vor allem Serben und Montenegriner. Zwischen diesen beiden Volksgruppen existieren zahlreiche Gemeinsamkeiten.
 
In Serbien sind etwa zwei Drittel der Einwohner Serben, während in Kosovo Albaner die Bevölkerungsmehrheit bilden. Kosovo war Schauplatz heftiger Spannungen zwischen Serben und Albanern, die sich erst im Lauf der letzten 50 Jahre in diesem Gebiet angesiedelt haben. In der Vojvodina leben überwiegend Ungarn. In Serbien ist auch eine kleine Anzahl von Rumänen, Kroaten, Ruthenen, Türken und Slowaken ansässig.
Die Amtssprache in der Republik Jugoslawien ist Serbisch, eine slawische Sprache. Vor 1990 bezeichnete man die Sprache Jugoslawiens als Serbo-Kroatisch. Serbisch kann sowohl in lateinischen, als auch in kyrillischen Schriftzeichen geschrieben werden, wobei Kyrillisch die offizielle und auch die beliebtere Schreibweise ist. In der Schule lernen die Kinder jedoch beide Varianten. Serben und Montenegriner sind überwiegend Angehörige des serbisch-orthodoxen Christentums. Die serbisch-orthodoxe Kirche wurde 1221 vom heiligen Sava gegründet und ähnelt im Hinblick auf die Ausübung ihres Glaubens sowie in ihren Doktrinen sowohl der griechisch- als auch der russisch-orthodoxen Kirche. Am Ehrentag des Schutzheiligen bereiten die Familien große Mengen von Speisen vor, die sie für Besucher bereithalten. Eine der Traditionen im Rahmen dieses Festes ist es, den Gästen einen Löffel Žito, einen Weizenbrei mit Zucker und Nüssen, zu servieren.
 
In der serbisch-orthodoxen Kirche gilt der julianische Kalender, dessen Zeitrechnung 13 Tage hinter dem gregorianischen Kalender liegt. Das gegenwärtige Kirchenoberhaupt ist Patriarch Pavle.
 
Bis 1990 war Serbien eine Republik, zu der die beiden autonomen Provinzen Kosovo und die Vojvodina gehörten. Nach dem politischen Zusammenbruch von Jugoslawien erfolgte eine Wiedereingliederung dieser Gebiete in das Territorium von Serbien. Somit waren die Verhältnisse, die bis 1974 geherrscht hatten, wieder hergestellt. Während diese Entwicklung von der Bevölkerung in der Vojvodina überwiegend akzeptiert wurde, ist in Kosovo noch immer eine albanische Autonomiebewegung aktiv. Die von ihr erklärte Unabhängigkeit wurde von Serbien jedoch nicht anerkannt 1
 
Mi. 31.07.02
 
Nach der etwas zögerlichen Zoll- und Passabfertigung in Mohács, wobei nur die Teilnehmer außerhalb der EU - wie in Kormano - kontrolliert werden, verdunkelt sich der Himmel und schon kracht ein Gewitter über uns nieder. Auf der gesamten Strecke verfolgt es uns. Bei Gewitter auf dem Wasser zu sein, das ist schon ein Risiko, aber es ist nichts passiert. Bei km 1422 geht der Große Batschka-Kanal ab. Dieser Kanal verbindet seit 1801 die Donau mit der Theiss. Es geht weiter und vor der Einfahrt in den Kanal nach Apatin fahren wir noch auf eine Sandbank auf. Trotz allem erreichen wir Apatin dennoch glücklich und können schon im trockenen die Zelte aufstellen. Wegen des Niedrigwassers war es recht mühevoll, die Kajaks aus dem Wasser zu ziehen. Jeder mußte nun mit seinem Paß und Visum zur Grenzabfertigung in dem Strandrestaurant persönlich erscheinen. Gleichzeitig kann man seine Euros in Dinare umtauschen. Der Fahrtenleiter Simeon hatte alles vorbildlich mit den jugoslawischen Behörden organisiert. Abends essen wir das erste jugoslawische Gericht und trinken ein Jelen-Pivo. Das Bier wird in Apatin gebraut und schmeckt hervorragend und steht weder dem Tschechischem noch dem Deutschen Bier nach. (Jelen-Pivo = Hirschbräu). Der Zeltplatz liegt außerhalb von Apatin, so daß kaum jemand in den Ort gehen konnte. Ich wollte noch mit Günter einen Wein vor dem Zelt trinken, aber die aggressiven Mücken zwangen uns früh ins Zelt.
 
Wir sind hier in der Vojvodina, eine Provinz im Norden Serbiens in der Bundesrepublik Jugoslawien. Der größte Teil dieser Provinz liegt im fruchtbaren Pannonischen Becken. Der höchste Punkt des Hügellandes Fruška Gora ist eine Erhebung von 593 Metern im Südosten der Provinz. Die südlichen Karpaten, die an der höchsten Stelle 641 Meter hoch sind, durchziehen den Südwesten des Gebiets. Die Vojvodina wird von den Flüssen Donau und Theiß durchquert. Im Norden grenzt die Vojvodina an Ungarn, im Westen an Kroatien, im Osten an Rumänien und im Süden an das serbische Gebiet Šumadija.
Die Vojvodina gehört zu den reichsten Landwirtschaftsregionen Serbiens. Hauptsächlich werden hier Weizen, Mais und Zuckerrüben angebaut. Auch Viehzucht, Garten- und Weinbau sind wichtige Landwirtschaftszweige. Darüber hinaus gibt es im Osten der Vojvodina auch Öl- und Gasvorkommen. Die Wirtschaft der Region hat schon seit langem vom Handelsverkehr auf der Donau profitiert. Das Embargo der Vereinten Nationen (UN) gegen die Föderative Republik Jugoslawien und andere Kriegführende Länder des ehemaligen Jugoslawien hat aber seit Mai 1992 zu einer Einschränkung des Handels geführt. Das Embargo wurde nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens von Dayton im November 1995 aufgehoben. Dieser Schritt wurde zwar positiv aufgenommen, aber noch läßt sich schwer sagen, ob er auch zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Lage führen wird.
Die Hauptstadt der Vojvodina ist Novi Sad, eine wichtige Hafenstadt an der Donau. Über 60 Prozent der Bevölkerung in der Provinz sind Serben. Ungarn bilden mit ungefähr 17 Prozent die zweitgrößte Volksgruppe. Außerdem leben hier auch Kroaten, Tschechen, Slowaken und Ukrainer.
Die Vojvodina war im Laufe der Geschichte von vielen verschiedenen Völkern bewohnt. Im 6. Jahrhundert n. Chr. gab es nacheinander Einwanderungswellen von Langobarden, Awaren und Slawen. Drei Jahrhunderte später, im späten 9. Jahrhundert, drangen die Magyaren aus dem Nordosten ins Pannonische Becken vor. Sie besiedelten das Gebiet, das schließlich Teil des Königreichs Ungarn wurde. 1690 immigrierten Tausende von Serben aus dem Osmanischen Reich im Süden in die Vojvodina, die zu dieser Zeit zum riesigen Habsburgerreich gehörte. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war die Vojvodina durch die ständigen Kriege völlig verwüstet und hatte nur noch 100 000 Einwohner. Um das Gebiet wieder zu bevölkern, errichteten die Habsburger eine große deutsche Kolonie und riefen Serben und Kroaten ebenfalls auf, dort zu siedeln.
1918 wurde die Vojvodina vom jungen Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das später den Namen Jugoslawien erhielt, annektiert. Der jugoslawische Präsident Josip Broz Tito gab der Vojvodina 1946 den Status einer autonomen Provinz der Republik Serbien. Mit diesem Schritt wurde der eigenen Geschichte und den eigenen kulturellen Traditionen der Vojvodina Rechnung getragen. Als aber Ende der achtziger Jahre Slobodan Milosevic zum Präsidenten Serbiens gewählt wurde, gewann der serbische Nationalismus an Auftrieb. Serbische Funktionäre organisierten Proteste gegen die Führung der hiesigen Kommunistischen Partei. Durch Änderungen in der serbischen Verfassung wurde der autonome Status der Vojvodina und des Kosovo-Metohijska Oblast, der anderen autonomen serbischen Provinz, 1990 schließlich aufgehoben. Zwischen 1990 und 1992 ersetzten serbische Behörden die Angestellten der Polizei und der Gerichtsbehörden, sowie die Zollbeamten in der Vojvodina durch Serben. Im November 1992 verkündeten die serbischen Behörden die Einstellung der Tageszeitung Magyar Szö, die in ungarischer Sprache erschienen war. Bis heute hat der Druck auf die serbischen Behörden, die Autonomie der Vojvodina wiederherzustellen, nicht nachgelassen.1
 
 
Do. 01.08.02
 
Am nächsten Tag werden wir von der Sonne geweckt. Nach dem Verlassen des Stichkanales fahren wir in der Fahrrinne an der imposanten Kirche von Apatin vorbei. Die Donau windet sich bei guter Strömung nach Süden. Bei km 1382 mündet die Drau in die Donau und nun geht es weiter nach Bogojevo. Wir sollen uns an das linke Ufer halten, damit kein Konflikt mit Kroatien entstehen kann, denn wir besitzen nur ein Visum für Jugoslawien
Relativ schnell kommen wir in der Feriensiedlung an. An die schwierigen Zeiten werden wir durch den Treffer eines NATO- Kampfflugzeuges erinnert, der die Fachwerkbrücke dort schwer beschädigte. Der Empfang war jedoch umso herzlicher. Wir kampieren aufgeteilt auf die Gärten der einzelnen Ferienhäuser. Was haben wir für einen Durst!! Also zuerst in einem kleinen Laden Bier besorgt. Außerdem kaufe ich noch Tomaten, Paprika, Knoblauch und Zwiebeln und daraus zaubert Günter einen ganz tollen Salat.
Ein kleines Volksfest ist angesagt. Eine Folkloretruppe aus der Nähe war angereist, um uns mit ihren Tänzen zu erfreuen. Ein junges Pärchen in heimischer tracht bringt Brot und Salz. Es wird mit jedem Anwesenden ein Stück Brot abgebrochen und mit Salz gegessen. Anschließend werden wir vom Bürgermeister und Vertretern serbisch-orthodoxen als auch der katholischen Kirche begrüßt. Die Bewohner der Siedlung wollen mit uns feiern. Zum Abendessen haben uns die Frauen aus Bogojevo in ihren historischen Kleidern eine Hühnersuppe, auch mit Kopf und Füßen, gekocht. Wir sitzen ganz gemütlich unter einem Zeltdach. Draußen beginnt die Musik zu spielen, als plötzlich ein Gewitter über uns niedergeht. Aber es ist bald wieder vorbei. Leider war die Musikgruppe wegen der Feuchtigkeit abgerückt, und so wurde eben gesungen. Von deutscher Seite war Poldi der große Solist und es wurde ein gemütlicher Abend bis wir dann in unseren Schlafsack steigen.
Nachts geistern Kinder immer um unsere Zelte, aber vor Müdigkeit schlafen wir dann doch ein.
 
 
Fr. 02.08.02
 
Nachdem wir gefrühstückt, die Zelte abgebrochen und alles wieder verstaut hatten, bekommen wir für die weitere Reise ein Lunchpaket mit zwei Blätterteigstücke, 1 Joghurt, ein Stück Schmelzkäse und einen Apfelsaft überreicht. Eine tolle Geste!
 
Auf der Strecke nach Backa Novo Selo fahren wir an kroatischen Städten vorbei. Von jugoslawischer Artillerie beschädigte Gebäude, Wassertürme und Fabriken sind zu sehen. Trotzdem fanden wir nach der kroatischen Stadt Vukovar auf der jugoslawischen Seite eine Flußinsel mit herrlichem Sandstrand, der uns gleich zum Baden einlädt. Heute Abend ist Selbstversorgung oder ein Besuch in der Fischerhütte angesagt. Ich möchte keinen Fisch essen und am Zeltplatz werde ich von Mückenschwärmen angegriffen, also gehe ich mit K.H. Schröder in den Ort Backa Novo Selo. Mit Hilfe eines jungen Mädchens finden wir ein bescheidenes Restaurant. Der Besitzer ist der Sohn eines jugoslawischen Gastarbeiters, der in Heidenheim arbeitet. Wir werden sehr freundlich auf schwäbisch begrüßt. Ein Gespräch über die derzeitige politische Situation in Jugoslawien wird tunlichst vermieden.
Günter hat sich aus seinem Deputat selbst versorgt und zum Nachtisch durfte er von Lubo´s Fischsuppe probieren. Lubo hat die Suppe mit Kopf und Schwanz gekocht. Nach Günters Aussage hat sie immerhin gut geschmeckt.
 
Sa. 03.08.02
 
Am nächsten Morgen starteten wir schon sehr früh(5:30 Uhr), um die Mücken nicht zu wecken und erreichen als nächsten Etappenort den Donaustrand von Backa Palanka bereits nach gut 2 Stunden. Unsere Zelte stehen in der prallen Sonne. Zum Schutz haben wir das Tarp (Sonnensegel) aufgezogen. Zum Mittagessen serviert Günter wieder seine hervorragende Salatplatte. Am späten Nachmittag fahren wir dann mit einem Bus in die Stadt zur Besichtigung. Sie ist eine relativ moderne Stadt aber mit viel Sanierungsbedarf. Abends gibt es beim Strandrestaurant Fischsuppe von Kellnern serviert. Auf einer Leinwand zeigte man uns ein Video über die Zubereitung der Fischsuppe in einem riesigen Kessel. Diese Leistung wurde in das „Guinness - Buch der Rekorde" aufgenommen.
 
 
So. 04.08.02
 
Unser heutiges Ziel ist das Donau - Schwimmbad in Novi Sad Beach, wo wir unser Lager gleich direkt neben der zerstörten Hängebrücke aufschlagen. Rolf-Dieter aus Wörth und Marlies aus Ahrensburg sind unsere Nachbarn. Der riesige Strand, oben Rasen unten Sand, soll nun für 2 Tage unser Zeltplatz sein. Betreut werden wir von einer Gruppe junger Leute, die sich für den Frieden unter den Donauanrainern unter dem Motto Donau & Welt einsetzen.
 
 
 
Mo. 05.08.02
 
Am Ruhetag besuchen wir vormittags die auf einem Hügel gelegene Befestigung (Petrovaradin)mit ihrem unterirdischen Tunnelsystem. Von hier hat man einen sehr schönen Ausblick auf die Stadt. Ihn zu genießen fiel mir, angesichts der zerstörten Brücke, schwer. "Brücken verbinden nicht nur Ufer, sondern vor allem Menschen. Sie sollten Missverständnisse überwinden helfen, damit sich Freundschaften bilden können". Ich denke, dass man nicht ganz ohne Grund für die Euro-Noten die Brücke als verbindendes Element zwischen den Staaten gewählt hat.
Der Verkehr rollt über die behelfsmäßige zweispurige Pontonbrücke. Für unsere morgige Etappe stellt sie ein Hindernis dar.
Die 6-spurige zerstörte Brücke in Novi Sad wird zurzeit aus der Donau entfernt. Nach Abschluss der Räumarbeiten Ende Oktober soll mit dem Bau der neuen - die gleiche wieder - begonnen werden. Den Zuschlag für den Neubau hat die Fa. Dillinger Stahlbau in Verbindung mit einer jugoslawischen Firma erhalten. Beim gestrigen Abendessen saß der Leiter der Brückenbauabteilung an unserem Tisch. Er sprach hervorragend deutsch und konnte uns einiges über diese Brücke erzählen. Ich gab mich dann auch als Brückenbauer zu erkennen, so hatten wir genügend Gesprächsstoff bis uns ein Gewitter in unsere Zelte jagte. Wir hatten unsere Emailadressen ausgetauscht und schon miteinander kommuniziert.
Anschließend folgt eine Stadtbesichtigung, während der Empfang für die Vertreter der Länder im Sekretariat des Rathauses stattfindet.
Novi Sad (deutsch Neusatz), die zweitgrößte Stadt der Bundesrepublik Jugoslawien, liegt an der Donau und ist die Hauptstadt der serbischen Provinz Vojvodina und deren wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Novi Sad ist Sitz einer Universität und einer Kunstakademie und beheimatet außerdem mehrere Museen sowie eine Gemäldegalerie. Die Stadt wurde 1690 von Serben, die aus dem Osmanischen Reich geflüchtet waren, gegründet und wurde bald zum kulturellen und geistigen Zentrum des Serbentums. 1748 wurde die Stadt von Maria Theresia zur königlichen Freistadt erhoben.
 
Der Nachmittag beginnt mit einer Busfahrt in das Hügelland der Fruška Gora. Zuerst besuchen wir die Kirche von Sremski Karlovci. Die barocke Stadt ist das Glaubens- und Kulturzentrum der Serben seit dem 18. Jahrhundert und Bischofssitz seit 1713. Sie liegt 10 km Donau abwärts von Novi Sad. Nach einer sehr leckeren Fischsuppe fahren uns die Busse zu den in den Bergen der Fruška Gora versteckten Klöster mit ihren wertvollen Wandmalereien und Ikonengymbildern. Beim Besuch dieser Kirchen und Klöster wird immer wieder von der Geistlichkeit darauf hingewiesen, daß die serbisch orthodoxe Kirche stets ein Bollwerk gegen das Osmanische Reich und den Islam war und bleiben wird. Erst sehr spät am Abend kehren wir wieder zurück.
Die jugoslawische Fahrtenleitung teilt noch mit, daß die Pontonbrücke erst am darauf folgenden Tag morgens bis 5:00 Uhr für die TID Teilnehmer geöffnet bleibt. aber erst nachdem sie von der gesamte Berufsschiffart und den Hotelschiffen in der Nacht bis 4:00 Uhr passiert wurde.
Slowaken und Ungarn und die deutschen Ruderer haben ihre Leute und das Bootsmaterial fünf km unterhalb von Novi Sad an eine geeignete Einsatzstelle gebracht. Die restlichen Teilnehmer schieben also noch einen weiteren Ruhetag ein und müssen dann 89 km bis Belgrad paddeln.
 
 
Di. 06.08.02
 
Am 2. Ruhetag suchen Günter und ich den Stadtteil links der Donau auf. Es ist der modernere Teil der Stadt. In einem großen Einkaufszentrum rufen wir zuerst einmal unsere Frauen an. Dann wird ein kleiner Einkauf getätigt und noch einmal Geld umgetauscht. Hauptsächlich benötigten wir Wasser und Gemüse für den obligatorischen Salat. Auf dem Badegelände sind viele kleine Imbissbuden anzutreffen. Auch hier versorgen wir uns beide noch mit Blätterteigteilchen und Joghurt, damit wir morgen früh schneller sind. Als erstes haben wir unseren Salat gegessen und uns anschließend in der nahe liegenden Strandbar ein Pivo genehmigt, als es wieder mit einem Gewitter losgeht. Grollend kehren wir wieder zurück ins Zelt und das schon um 18:00 Uhr.
 
 
Mi. 07.08.02
 
Am nächsten Morgen werden wir von Rolli um ½ 4 Uhr geweckt. Ich war aber schon kurz nach 3:00 Uhr aufgewacht und habe dann Günter geweckt. Rolf-Dieter und Marlies packen ebenfalls. Alles ist noch dunkel. Schnell frühstücken wir etwas und sind dann alle um ½ 5 Uhr auf dem Wasser. Die geöffnete Pontonbrücke passieren wir kurz vor fünf Uhr. Nach zwei Stunden wird es langsam hell. der Himmel ist mit eine geschlossenen Hochwolkendecke bedeckt, im Osten jedoch erscheint die Sonne über dem Dunststreifen am Horizont. Wird es ein heißer Tag werden? Gegen 8:00 Uhr finden wir eine Sandbank, die uns zu einer erweiterten Frühstückspause einlädt. Ein gewaltiges Stück Donau liegt noch vor uns und fließen will sie auch nicht so richtig. Gegen 11:00 Uhr erreichen wir Stari Slankanen und nach 500 m mündet die Theiss in die Donau. Die Theiss ist mit 977 km der längste Nebenfluß der Donau. Das Gebiet zwischen Donau und Theiss wurde nach der Vertreibung der Türken von Deutschen, den Donauschwaben, besiedelt. Günter und ich machen eine kleine Mittagspause, vor allem um uns einmal aus dem Boot zu erheben und einige Schritte zu laufen. 43 km haben wir hinter uns und 46 km liegen bis Belgrad noch vor uns. Also weiter! Unsere nächste Pause machen wir bei km 1190. Hier finden wir einen kleinen Sandstrand und können gut aussteigen. Es finden sich mehrere Gleichgesinnte ein, die diesen Ort genauso für ein gutes Plätzchen halten. Wir haben die Melone, die wir von Rodnay in Novi Sad bekommen hatten, gegessen und die Schale freilaufenden Schweinen hingeworfen. Sie waren zwar sehr neugierig, haben die Schale aber nicht angetastet. Mit Marlies und Rolf-Dieter fahren wir beide dann weiter. Als wir den Belgrader Vorort Zemun passiert haben, erreichen wir die Einmündung der Save und sind gegen 15:30 in Belgrad. Am Ziel dem Sportski Centar "25 MAY" warten heiße Duschen und ein Abendessen auf uns. Nachdem das Zelt steht und wir geduscht sind gehe ich mit Dieter in die angegliederte Gaststätte erst einmal ein Bier trinken. Begrüßt werde ich vom Präsidenten des jugoslawischen Kanuverbandes, der mich noch von der letzten TID kannte. Wir hatten in Kehlheim über deutsche Kanurennsportler vergangener 40 Jahre gesprochen. Er selbst war ein sehr erfolgreicher Kajakfahrer und hatte sich früher (1960) mit Fritz Briel harte Wettrennen geliefert. Das Abendessen besteht aus zwei Schnitzeln, gerösteten Kartoffeln, Weißkrautsalat, Freibier und natürlich den Slivoviza. Auf den anschließenden Tanz haben Günter und ich verzichtet. Wir waren doch zu müde.
 
 
Do. 08.08.02
 
Am nächsten Tag wird Belgrad besichtigt. Die Stadt liegt sowohl an der Donau als auch an der Save. Den besten Überblick gewinnt man von der ehemaligen türkischen Befestigungsanlage Kalemegdan aus. Jenseits der Save liegt der moderne Teil der Millionenstadt. In der Befestigungsanlage selbst befinden sich ein Militärmuseum und Basketballplätze der renommierten Belgrader Sportvereine „Roter Stern und Partisan". Es folgt nun die Besichtigung vom Bus aus. Inzwischen hat es angefangen zu regnen. Die Fahrt führt uns zuerst durch den Grüngürtel und dann durch die einzelnen Stadtteile von Belgrad, ein Besuch der orthodoxen Kathedrale - im Inneren wird nunmehr wieder weitergebaut - und endet im Zentrum am Platz der Republik. Von hier geht es zu Fuß durch die Stadt zum Zeltplatz zurück. Die Stadt ist ebenfalls wie Rom auf sieben Hügeln errichtet, aber in ihrer Geschichte ist sie 20-mal zerstört worden. Die Narben der Nato-Angriffe von 1998 sind noch nicht verheilt. Ebenso sind die Zerstörungen im Regierungsviertel noch zu sehen. Bei diesen Angriffen wurden die Einwohner an den 6. April 1941erinnert. Ohne Kriegserklärung hatten deutsche Bomber die Stadt angegriffen. Die Millionenstadt erweckt heute jedoch den Eindruck zur Normalität zurückgekehrt zu sein.
Belgrad (Serbokroatisch Beograd), an der Mündung der Save in die Donau gelegen, ist die größte Stadt und Hauptstadt von Serbien sowie Hauptstadt der Föderation von Serbien und Montenegro. In der Nähe befinden sich Kohle- und Bleilager. Die Stadt ist ein wichtiges Industriezentrum, in dem Maschinen, elektrische Geräte, Lebensmittel, Keramik und Textilien hergestellt werden. Aufgrund ihrer verkehrsgünstigen Lage an internationalen Eisenbahnlinien und der Brücke über die Save entwickelte sie sich zu einem Zentrum für den Handel mit verschiedenen Export- und Importgütern.
 
Belgrad ist Sitz eines römisch-katholischen Erzbischofs und eines orthodoxen Patriarchen. Die Universität (gegründet 1863), eine Kunstakademie, das Nationalmuseum und ein Museum für Moderne Kunst machen die Stadt zu einem Kulturzentrum für ein großes Einzugsgebiet. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Festung Kalemegdan (18. Jahrhundert), die an die Zeit der Türkenherrschaft erinnert, und die Kathedrale Sankt Michael (19. Jahrhundert) mit einer Ikonensammlung.
Seit ihrer Gründung als römisches Legionslager (Singidunum) kämpften verschiedene Völker um die Stadt. Vom 3. bis zum 7. Jahrhundert war Belgrad von Kelten, Römern, Hunnen, Sarmaten und Goten beherrscht – anschließend von den Byzantinern, Franken, Bulgaren und wieder von den Byzantinern. Die Stadt blieb das ganze Mittelalter hindurch hart umkämpft. Die byzantinischen Griechen, die Bulgaren, die Serben und die Ungarn wechselten sich vom 12. bis Anfang des 16. Jahrhunderts mit ihrer Herrschaft über Belgrad ab. Die Türken eroberten die Stadt 1521 und nannten sie Darol-i-Jehad ("Heimat der Glaubenskriege"). 1866 wurde Belgrad von der türkischen Besatzung befreit. Allmählich verlor die Stadt ihr orientalisches Gepräge. Während des 1. Weltkrieges wurde sie zweimal von österreichischen Truppen besetzt. 1919 wurde Belgrad die Hauptstadt des neu gegründeten Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen (1929 umbenannt in Königreich Jugoslawien). Deutsche Truppen hielten die Stadt während des 2. Weltkrieges besetzt. 1
 
 
Fr. 09.08.02
Wir verlassen Belgrad bei trübem Wetter. An der Einsatzstelle, der schiefen Ebene, herrscht schon Gedränge. Mit vereinten Kräften, der Eine hilft dem Anderen, gelangen wir aufs Wasser. Mit dem Zufluß der Save wird der Strom jetzt noch breiter. Die Donau fließt in einer großen Hufeisenschleife wieder zurück, aber nach einigen Kilometern nehmen die Fluten wieder geraden Verlauf an der Somadija-Hügellandschaft vorbei. Nach Belgrad ändert sich der Charakter der Donau durch den Rückstau vom Stauwehr im Eisernen Tor. Sie hat fast keine Strömungsgeschwindigkeit mehr und außerdem beachtlich warme Wassertemperaturen. Durch Gegenwinde und wiederholte Gewitter schaukeln sich die Wellen schaukelten sich auf und das auf einer mächtig breiten Donau. Am frühen Nachmittag erreichen Günter und ich Smederevo-Jugovo. Der großzügige Zeltplatz und oh, Wunder! Es gibt kaum Mücken, liegt weit oberhalb der Stadt. kalte Duschen sind zwar vorhanden, aber nur eine funktionierte. In der Nähe befindet sich ein sehr schönes Restaurant. Hier werden wir abends auch versorgt. (Serbische Bohnensuppe)
 
 
Sa. 10.08.02
 
Am nächsten Morgen gibt es beim Einsetzen der Boote einen Stau, weil sämtliche Teilnehmer auf Grund der langen Strecke früh starten wollen. Das Festungsdreieck Smederevo an der Mündung der Jezava in die Donau war die letzte Residenz des mittelalterlichen Serbien. Die Festung wurde zwischen den beiden Flüssen auf den Fundamenten des ehemaligen römischen Kastell Castrum Vincea 1428 errichtet. Bei Dubravica km 1.050 mündet die weit größere Morava in die Donau. Bei Gegenwind erreichte ich nach 42 km RAM bei km 1.078. Direkt neben einer Fährstation lädt ein Restaurant zur Einkehr ein. Dort sitzen bereits Doca und Werner. Heiko Krüger kommt zurückgefahren und warnt vor den hohen Wellen hinter dem nächsten Bergrücken. Weit drüben auf der anderen Seite liegt Rumänien. Der Grenzfluß ist die Nera. Die Donau ist jetzt die Grenze zwischen Jugoslawien und Rumänien. Das Anlegen auf der rumänischen Seite soll auf jeden Fall vermieden werden, denn das führt zu Grenzverletzungen und kann zu unnötigen tagelangen Aufenthalten führen. Nach einer Stunde Pause wagen sich die ersten Paddler wieder aufs Wasser. Weil ich mein Boot wegen des Anlegens einer Fähre wegnehmen muß, entschließe ich mich. mit Karl-Heinz auch aufs Wasser zu gehen. Es ist eine mörderische Fahrt. Das Boot tänzelt trotz der vollen Beladung und die Wellen schießen mir ins Gesicht. Regenjacke und Spritzdecke verhindern das Schlimmste. Mit einer kleinen deutschen Gruppe erreiche ich das Ziel schon am frühen Nachmittag, vor uns war nur der Jugoslawe Doca und Werner aus Bonn angekommen. Wenig später kamen auch Günter und Karl Heinz an. Bis spät in die Nacht kommen insgesamt nur ca. 40 Paddler auf der 61 km langen Strecke in Veliko Gradiste an. Der Zeltplatz liegt in einem sauberen Park an der Promenade bei der Schiffsanlegestelle. Da es Samstag ist, findet hier eine Musikveranstaltung statt. Die gesamte Bevölkerung von Veliko Gradiste ist auf den Beinen. Es gibt wieder Serbische Bohnensuppe und Krautsalat. Die Getränke kann man sich in der nahen Gaststätte kaufen. Wegen des starken Windes haben sich auch die Mücken verkrochen.
Kein Canadierfahrer und Ruderer hat diese Strecke geschafft. Der Rest der Truppe muß von Autobussen mit Bootsanhängern aus der Slowakei bzw. Ungarn am nächsten Tag eingesammelt werden.
 
 
So. 11.08.02
 
Am nächsten Tag wird ein absolutes Fahrverbot vom jugoslawischen Fahrtenleiter angeordnet, so dass Boote mit Gepäck und die Personen nach Dobra gebracht werden müssen. Von der deutschen Seite wird der Kleinbus der Ruderer eingesetzt. Diese Situation trifft man wegen der starken Fallwinde öfters an. Von der Straße aus können wir die Wellen mit ihren Schaumkronen sehen. Das Fahrverbot ist absolut richtig. Trotzdem haben zwei Paddler, Doca der jugoslawische Zahnarzt und Franz der österreichische Chirurg, diese Strecke von 38 km in 14 Std. bewältigt: Sie haben aber teilweise ihr Boot mit dem Bootswagen transportieren müssen. Die Straße nach DOBRA führt mitten durch die Ruine der stolzen Festung Golubac(Taubenberg). Der Burghof ist durch Stauregulierung jetzt überschwemmt. Sie war die Residenz eines türkischen Paschas. Hier liegt der Eingang zur Djerdap-Schlucht und der Beginn der 1. Engstelle.
 
 
Mo. 12.08.02
Auch bei der nächstfolgenden Etappe nach Dolni Milanovac wird vor den Engstellen gewarnt. In der Nacht war wieder ein fürchterliches Gewitter mit Sturm und Regen über uns hernieder gegangen. Die jugoslawischen Kameraden behaupteten nun, dass das Wetter umschlägt und es sehr schön wird. Tatsächlich, der Wind hatte sich gelegt und die Sonne schien. Durch den vielen Regen der vergangenen Nacht können wir gleich in dem kleinen Bach einsetzen und von dort in die Donau gelangen.
Im Jahre 1874 wurde die Donau im Bereich des Eisernen Tores wie folgt beschrieben: "Der stolze Strom, der bei normaler Bettfülle die mächtigen Flußschiffe auf seinen Wellen schaukeln sieht, wird bei fallendem Wasser, eben in Folge dieser Felsenhemmnisse, zum ohnmächtigen kleinen Fluß, dem sich beinahe das unbedeutende Schiffchen nicht mit Sicherheit anvertrauen kann. Und wenn, hervorgerufen durch trockene Witterungsverhältnisse, der Wasserstand einen solchen Tiefpunkt erreicht hat, dass jeder Schiffsverkehr zur Unmöglichkeit wird und Tausende von Reisenden bemüht sind, die Kataraktenstrecke mit Landfuhrwerken zu durcheilen, da treten sie hervor, die Felsenhemmnisse, über dem tobenden und brausenden Wasserspiegel, hier in einzelnen Stücken, dort in Gruppen gereiht und dann wieder in einer förmlichen Linie das Strombett durchschneidend und so dem Beschauer einen wildromantischen Anblick gewährend, lassen sie ihn auch gleichzeitig die Gefahren erahnen, welche selbst bei günstigem Wasserstand dem darüber hineilenden Schiffen und seiner Bemannung drohen....
 
Die Donau durchbricht hier die transsilvanischen Alpen (Südkarpaten, Banater Berge). Djerdap heißt auf deutsch "Eisernes Tor". Der kleine Djerdap ist der Bereich von Golubac bis Donji-Milanovac; die erste Engstelle erstreckt sich von km 1040 – 1025,7 und die zweite Engstelle von km 1015 – 999. Es ist eine Strecke wie bei der Lorelei nur ist alles bedeutend gewaltiger. Dafür fließt der Strom nicht mehr. Still und ruhig ist das Wasser. Ich fahre heute mit Karl-Heinz, denn Günter war heute Morgen etwas knurrig und dann sollte man diesen auch in Ruhe lassen. Vor uns fahren Gudrun und Edgar aus Augsburg. Bei km 1011 befindet sich eine Gedenktafel für Tiberius, der hier mit dem Straßenbau begonnen hatte. Wir fahren auf der rumänischen Seite und müssen nun 7 km lang auf einem breiten See fahren und oh - Schreck - über uns donnert und blitzt es. Wie sollen wir vom Wasser? Wir fahren mit sehr gemischten Gefühlen weiter und landen dann glücklich am Kiesstrand von Dolni Milanovac. Direkt oberhalb der Strandpromenade befindet sich unser Zeltplatz. Für Günter kann ich ein schönes Plätzchen frei halten. Er kommt auch bald und ich gehe mit Poldi aus Ettenheim in den Ort, um einzukaufen. Obst, Gemüse für den Salat und Joghurt, muss es diesmal sein. Auf dem Rückweg treffen wir Werner aus Bonn und nun trinken wir zusammen noch einen Wein. Dieses Dolni Milanovac muß eine Hochburg des Handballsportes sein. Auf einem asphaltierten Platz wird kräftig trainiert und die jungen Spieler bzw. Spielerinnen gehen richtig zur Sache. Nach unserer obligatorischen Suppe, Brot und Bier beginnt ein Folkloreprogramm. Junge Menschen zeigen uns ihre heimischen Tänze. Nachdem die jungen Menschen ihr Programm beendet haben, springen jung und alt auf die Tanzfläche und tanzen in einem großen Kreis. Nicolina aus Bulgarien beherrscht auch diese Tanzschritte und ist voll dabei. Der Rhythmus und die Musik erinnern mich daran, dass wir jetzt auf dem Balkan sind. Diese Musik und Tänze findet man schon in Bogojevo und bis hinunter nach Bulgarien, in die Türkei, ja, ich behaupte, dass sogar der griechische Sirtaki, so wie ich ihn kenne, von dieser Musik abstammt, jedoch mit einem etwas langsameren Rhythmus. In einer nahegelegenen Bar ist diese Musik noch bis um 1 Uhr nachts nicht zu überhören. Die Menschen freuen sich, dass wir hier sind und bringen damit ihre Freude zum Ausdruck, doch wir kriegen in unseren Zelten kein Auge zu. Heute Nacht glaubte ich, dass ich in einer Bärenhöhle übernachte, denn als die Musik aufhört zu spielen fängt mein Nachbar aus Friedrichshafen fürchterlich zu schnarchen an.
 
 
Di. 13.08.02
Von Dolni Milanovac führt uns die Donau auf 19 km lang schnurgerade durch einen See und wir erreichen bei km 974 die dritte Engstelle, den oberen Kazan von km 974 – 970,2 und den unteren Kazan von 968,8 –965,4. Der alte, hochgelegene pontische Talboden, aus dem das Felsmassiv des Veliki Strbac(768m) aufragt, ist deutlich erkennbar. Am linken Ufer befindet sich die Szechenyi-Tafel (Stephan Graf Szechenyi,: »der größte Magyar s.a. Budapest) zur Erinnerung an die hier vor 130 Jahren geschaffene Straße. An den Felsenwänden des rechten Ufers sind Reste der in den Fels gesprengten Trajanstraße, des Treppelweges, auf dem die römischen Schiffe stromaufwärts getreidelt wurden, überschwemmt. Die Donau ist hier 150 m breit. Es folgt auf der rumänischen Seite die Veteranihöhle. Sie ist mit unseren Kanus gut zu erreichen. Die Schlünde der Kazanpässe öffnen sich zum Becken von Orsova. Mit dem 1972 eingeweihten 35 m hohen Staudamm mit Kraftwerk und Schleuse ist diese Gefahrenstelle gewaltig abgemildert worden. Schon die alten Römer haben mit einem Umgehungskanal versucht diese Stelle zu entschärfen und Kaiser Trajan ging mit dem Bau einer Straße in die Geschichte ein. Die Tabula Trajana erinnert noch an diese Tat. Wir fahren direkt an dem steinernen Tisch vorbei. Er lag vor dem Anstauen der Donau ca. 40 m tiefer. Man kann gut die Inschrift in Latein erkennen.
Es heißt dort. " Der Sohn der göttlichen Nerva und regierenden Kaiser, Nerva Trajanus Augustus Germanicus, Pontifex Maximus, zum vierten Male Tribun, Vater des Vaterlandes und Konsul, hat Gebirge und Strom überwunden und diese Straße erbaut." Auf der rumänischen Seite wird der riesige Kopf des Darkerfürsten Dezibal, eines Widersachers Trajans, in den Fels gemeißelt
Der Wind hat aufgefrischt und kommt schräg von hinten. Mein Boot ist unangenehm Luv – gierig, doch wir erreichen Tekija, einen kleinen Ort mit herrlichem Strand zum Baden. Der Ort ist mit dem Bau der Stauanlage in den 70ér Jahren hier neu entstanden. Leider ist richtig kühl geworden. Man muß sich warm anziehen. Auf dem Zeltplatz in Tekija ist es wegen Erweiterungsarbeiten sehr eng. Nur eine Toilette und eine Wasserzapfstelle stehen allen gemeinsam zur Verfügung. Aber in der Nähe ist ein sehr gutes Fischrestaurant, das alles entschädigt. Hier sitzen viele Deutsche bei Wels oder Zander und es wird viel über die Tour gesprochen, jedoch nicht ohne die Adressen auszutauschen. Wir wollen uns alle in Dresden Ende Oktober treffen und bei gymbildern die Erlebnisse nochmals an uns vorbeiziehen lassen.
 
 
Mi. 14.08.02
Am nächsten Morgen fahren einige trotz Starkwind zur Schleuse, der Rest wird mit Bussen weiter transportiert. Auch der deutsche Bus aus Deggendorf ist schon da.
Es geht dann durch die zwei Stufen der Schleuse Djerdap I und weiter zum Zeltplatz auf dem Burggelände von Kladowo. Gegenüber auf der rumänischen Seite ist die Stadt Turu Severin mit einer Werft zu sehen.
 
 
 
Nachfolgend sind die Stationen der 47. Tour international Danubien (TID) 2002 festgehalten:
 
 
ZEITPLAN
Österreich: 07.07. – 17.07.2002 Inzell-Linz-Wien-Hainburg
Slowakei: 17.07. – 21.07.2002 Bratislava-Gabčikovo-Komárno
Ungarn: 21.07. – 31.07.2002 Esztergom-Budapest-Mohács
Jugoslawien: 31.07. – 17.08.2002 Apatin-Belgrad-Brza Palanka
 
Land Rechtes/
Datum/ Linkes Strecken-/Ziel- Tages-
Wochentag Tagesetappe – ZIELORT Ufer Kilometer
Österreich
07.07. So Schleuse Jochenstein 9.20/11.45 Uhr L 2203,3
Umtragestelle R 2203,3
INZELL R 2182 33
08.07. Mo Schleuse Aschach R 2162,9
Umtragestelle L 2163
Schleuse Ottensheim L 2146,9
Umtragestelle L 2147,5
LINZ – Ruder- und Kanu-Club L 2133 49
09.07. Di Schleuse Abwinden-Asten L 2120,5
Umtragestelle L 2120,5
Schleuse Wallsee L 2096,6
Umtragestelle R 2097,4
GREIN L 2079 54
10.07. Mi Schleuse Ybbs-Persenbeug L 2060,6
YBBS R 2058,2 21
11.07. Do Schleuse Melk L 2039
Umtragestelle L 2040
AGGSBACH-MARKT L 2027 31
12.07. Fr MAUTERN R 2003,8 23,5
13.07. Sa Schleuse Altenwörth L 1979,8
Umtragestelle L 1980,1
TULLN R 1964 39,5
14.07. So Schleuse Greifenstein R 1949
Hafeneinfahrt Kuchelau R 1935,3
WIEN-KUCHELAU
(Hafeneinfahrt + 1,7 km Ausstieg L)R 32,2
15.07. Mo Ruhetag(Stadtführung Wien mit Bus)
16.07. Di Fahrt durch den Wiener Donaukanal
HAINBURG R 1883,5 52,2
Slowakei
17.07. Mi BRATISLAVA R 1867,5 16
18.07. Do Ruhetag Stadt- und BurgbesIchtigung
19.07. Fr Cunovo – Bootsgasse (nur für Kanuten) und
Umtragestelle in die alte Donau R 1852
Umtragestelle nur bei Schönwetter – nIcht bei L1843
starkem Wind (sonst R 1852)
GABCIKOVO L 1819 49
20.07. Sa KOMÁRNO L 1771 48
Ungarn
21.07. So ESZTERGOM R 1719 52
22.07. Mo LEPENCE-VISEGRAD R 1696 23
23.07. Di BUDAPEST R 1655 41
24.07. Mi Ruhetag (Stadtführung in Budapest)
25.07. Do ERCSI (Fähre oder Bootssteg) R 1613,4 44,6
26.07. Fr DUNAÚJVÁROS R 1577,8 35,6
27.07. Sa PAKS 1527 52
28.07. So BAJA
(Sugovica-Mündung – 1,5 km aufwärts R)
L 1479 48
29.07. Mo MOHÁCS R 1448 31
30.07. Di Ruhetag (RückfahrmöglIchkeit nach Deutschland)
Jugoslawien
31.07. Mi APATIN – (1 km Kanal aufwärts R)L 1401 47
01.08. Do BOGOJEVO L 1366 35
02.08. Fr BAČKO NOVO SELO L 1319 47
03.08. Sa BAČKA PALANKA L 1299 20
04.08. So NOVI SAD – (Badestrand vor Brücke –
100 m im Kanal aufwärts – R) L 1258 41
05.08. Mo Ruhetag(Stadtführung,BesIchtigung von Klöstern)
06.08. Di STARI SLANKAMEN R 1215 43
07.08. Mi BEOGRAD R 1169 46
08.08. Do Ruhetag(Stadtbesichtigung)
09.08. Fr SMEDEREVO-JUGOVO R 1120 49
10.08. Sa VELIKO GRADIŠTE R 1059 61
11.08. So DOBRA R 1021 38
12.08. Mo DONJI MILANOVAC R 990 31
13.08. Di TEKIJA R 956 34
14.08. Mi Schleuse Djerdap I R 942
KLADOVO R 934 22
15.08. Do Ruhetag (RückfahrmöglIchkeit nach Deutschland)
16.08. Fr BRZA PALANKA R 884 50
17.08. Sa Schleuse Djerdap II R 864
 
 
 
Nachbetrachtung:
 
Es war nicht nur die Donau mit ihren vielschichtigen Landschaften, durch die sich der Strom gegraben hat, waren der Reiz den die Teilnahme ausmachte, sondern es lockte ebenso die bei einer so großen ICF –Fahrt entstehende hervorragende Kameradschaft. Beim Ein- bzw. Ausbooten waren immer hilfreiche Hände da. Alte Freunde hatten sich wieder getroffen. So konnten diese Freundschaften gefestigt werden, aber gute, neue Freundschaften haben sich außerdem gebildet. Die Organisation war vorbildlich und das Verhältnis zwischen den vielen Nationen war überaus herzlich.
Mit der Ankunft in Kladowo haben Günter und Jürgen ihre Reise beendet. Noch am selben Tag um 17:00 Uhr brachte der schon bereitstehende Bus weitere 30 deutsch/österreichische Paddler dann in 23 Stunden nach Degendorf. Der Abschied von den weiterfahrenden Kameraden war leider sehr kurz, war man doch so viele Tage gemeinsam gefahren.
 
Ich habe bei meinen bisherigen Touren noch nie soviel Bier getrunken wie auf dieser Tour. Der Flüssigkeitshaushalt mußte halt stimmen und das Bier war überall hervorragend und gut. Bier gilt ja auch (vor allem in Bayern) als Grundnahrungsmittel.
Die Strecke von Passau bis Kladowo beträgt 1.296 km.
Zur 48. TID möchte ich die Reise bis Silistra fortsetzen. Dabei werde ich die Strecke in Mohács beginnen, um die landschaftlich schöne Strecke durch das Eiserne Tor bei hoffentlich weniger Sturm noch einmal zu erleben.
 
Hannover im Dezember 2002
 
 
 
 
WASSERWANDERUNG AUF DER ALTMÜHL

Die Altmühl entspringt bei Wildbad auf der Frankenhöhe und hat eine Länge von 242 km. Der Höhenunterschied zwischen Quelle und Mündung in der Donau beträgt nur 130 m.
Befahrbar mit Booten ist die Altmühl jedoch erst nach dem Altmühlsee bei Gunzenhausen. Bis Treuchtlingen ist sie ein kanalisierter Wiesenfluß. Der reizvolle Teil der Altmühl beginnt eben hier in Treuchtlingen, dem Tor zum Naturpark Altmühltal. Die Altmühl ist ab Dollenstein auch das Urstromtal der Donau, bis sie sich bei Weltenburg einen neuen Durchbruch geschaffen hat.
 
Der Abfluß der Altmühl wird einerseits durch eine Reihe von Wehren gehindert, um die Wasserkraft für Mühlen- und früher Hammerwerke heute Sägewerke zu nutzen und anderseits sollen die plötzlich bei starken Niederschlägen eintretenden Hochwasser gebändigt werden. Die Altmühl fließt in südöstlicher Richtung und ist wegen der vielen Wehranlagen der langsamste Fluß Bayerns. Sie gilt trotzdem wegen seiner herrlichen Landschaft als der Pilgerfluß der Kanuten.
 
Die herrliche Landschaft des romantischen Altmühltales von Treuchtlingen bis Kelheim mit Wäldern und Höhenzügen mit schroffen Felsen, die teilweise bis an das Ufer ragen, mit den vielen Burgen und Schlössern und den schönen alten Städten wie Treuchtlingen, Pappenheim, Solnhofen, Eichstätt, Kipfenberg, Kinding, Beilngries, Dietfurt, Riedenburg, Schloß Prunn, und Kelheim mit ihren historischen Stadtkernen reizen immer aufs Neue den Wasserwanderer.
 
Dieser Flußabschnitt ist jetzt als "Naturpark Altmühltal" zum Naturschutzgebiet erklärt worden. Für die Wassersportler ist durch das Anlegen von Ein- und Ausstiegen mit hölzernen Treppen das Anlanden nur an diesen Stellen gestattet. Dadurch bleiben die Uferzonen relativ unberührt. Im Bereich der Wehranlagen ist dadurch das Umsetzen auch sehr bequem.
 
30 km der unteren Altmühl sind als Bundes-Wasserstraße Main-Donau-Kanal ausgebaut. Neben den Wehranlagen befinden sich hier noch kleinere Schleusen für den Sportboot-Verkehr und damit man mit dem Hintern wieder hochkommt Umtragestellen mit Bootswagen.
Der Main-Donau-Kanal soll am 25. September 1992 für den Schiffsverkehr freigegeben werden. Dann ist eine Schiffsverbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer möglich.
 
Während zwischen Treuchtlingen und Beilngries nur Kanuten mit Kajaks oder Canadier anzutreffen sind, wird künftig im unteren Bereich (Dietfurt bis zur Mündung) die Binnenschiffahrt und die Freizeitgestaltung mit Motorschiffen zunehmen.
 
 
Unsere Flußwanderung soll in Bubenheim beginnen. Die Gesamtstrecke (152 km) von Bubenheim nach Kelheim bis zur Donaumündung und als Abschluß noch den Donaudurchbruch beim Kloster Weltenburg soll in 7 Tagen bewältigt werden.

Teilnehmer:
Franz Grunau, Wolf Gutschke, Karl Hahne, Jürgen Hauf, Werner Lambeck, Günter Nitzsche, Leo Polakowski, Thomas Severloh und Rudolf Wirth
1. Paddeltag SA, den 13.06.1992 Bubenheim Pappenheim 14,5 km
2. Paddeltag SO, den 14.06.1992 Pappenheim Dollnstein 18,7 km
3. Paddeltag MO, den 15.06.1992 Dollnstein Eichstätt 17,1 km
4. Paddeltag DI, den 16.06.1992 Eichstätt Kipfenberg 26,6 km
5. Paddeltag MI, den 17.06.1992 Kipfenberg Kottingwörth 20,1 km
6. Paddeltag DO, den 18.06.1992 Kottingwörth Riedenburg 26,4 km
7. Paddeltag SA, den 19.06.1992 Riedenburg Kelheim 18,7 km
7. Paddeltag SA, den 19.06.1992 Weltenburg Kelheim 10,0 km
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152,1 km

So starten wir mit drei PKWs am Freitag, den 12.Juni, beladen mit insgesamt 8 Kanus in Richtung Süden.
 
Bei den Pappenheimer, die Schiller schon in seinem Wallenstein erwähnte, schlugen wir unsere 5 Zelte auf dem dortigen Campingplatz auf. Nach dem alle Paddelfreunde eingetroffen sind, machen wir einen ausgedehnten Spaziergang durch die kleine Stadt mit dem Schloß, den beiden Hauptstraßen entlang und finden uns zum gemeinsamen Abendessen ein.
Um 21.00 Uhr streben wir schon unserem Nachtquartier zu. Am nächsten Tag wollen wir die Stadt noch einmal erkunden.

Die Kanuten Rudolf Wirth und Karl Hahne jeder im eigenem Zelt , Wolf Gutschke mit Jürgen Hauf, Werner Lambeck mit Günter Nitzsche, und Thomas Severloh mit Leo Polakowski verbringen ihre erste Nacht an der Altmühl.
 
Franz Grunau hat standesgemäß wieder für die gesamte Paddelzeit Hotelübernachtungen vorgebucht.
 
Camping-Platz:
Natur Camping Pappenheim Tel. 09143/12 75

SAMSTAG, den 13.06.1992

Nach einem guten Frühstück fahren wir mit drei mit unseren Booten beladenen PKWs nach Bubenheim. Das Auto von Franz Grunau bleibt in Pappenheim.
Ganz in der Nähe von Bubenheim befindet sich die Fossa Carolina, der Karlsgraben. Hier hat Karl der Große schon vor 1200 Jahren versucht, eine Schiffsverbindung vom Rhein zur Donau zu schaffen. Mit dem Karlsgraben sollte die Altmühl mit der schwäbischen Rezat verbunden werden. Die Rezat mündet in die Rednitz ab Führt als Regnitz, die Regnitz bei Bamberg in den Main und der bekanntlich in den Rhein.
Eine Schiffsverbindung zwischen Rhein und Donau hat im Jahre 1845 König Ludwig I. von Bayern von Bamberg nach Kelheim mit einem Kanal bauen lassen. Ein 100 t-Schiff mußte durch 101 Schleusen treideln.
 
Mit der Erfindung der Dampfmaschine und den Siegeszug der Eisenbahn war dieser Kanal bald überflüssig geworden.
 
Durch die Eröffnung der Großschiffahrtsstraße "Main-Donau-Kanal" in diesem Jahr wird zum zweitenmal eine Schiffsverbindung geschaffen.
Im unteren Altmühltal werden wir diese drei Wasserstraßen Altmühl, König Ludwig-Kanal und Main -Donau-Kanal neben einander finden.
 
 
Die Einsatzstelle an der Brücke in Bubenheim ist leicht zugänglich. Die Autos können hier abgef-stellt werden.
 
Das Wasser der Altmühl hat eine sehr gute Strömung.
Das soll wirklich der langlamste Fluß Bayerns sein?
Die tiefbraune Farbe des Altmühlwassers läßt ahnen, daß es in den letzten Tagen zu erheblichen Niederschlägen gekommen ist. Auch der Wasserstand ist sehr hoch.
 
Eine stolze Armada von 5 Einer- und 2 Zweierkajaks setzt sich in Bewegung. Die Sonne hält sich zwar noch etwas bedeckt, dafür ist die Stimmung um so besser.

Wir lassen Bubenheim hinter uns und fahren durch eine weite Wiesenlandschaft. Die vielen Altarme der Altmühl beweisen, daß schon vor langer Zeit hier reguliert wurde. Die kleinen Wehre und Sohlschwellen sind überflutet und können ohne weiteres befahren werden. Unser neuer Paddelfreund Karl Hahne steuert zum ertenmal seinen Zweier. Auf Schlag sitzt heute Günter Nitzsche.
 
Bei dieser Strömung und guten Wasserverhältnissen werden gleich ein paar Manöver gefahren, damit Karl sich besser mit seinem Boot vertraut machen kann. Es klappt dann auch ganz ordentlich, auch wenn ein paar harte Worte fallen mußten. Die Beherrschung des Bootes ist vor einer Wehranlage sehr wichtig, denn nicht umsonst wird auf die akute Lebensgefahr bei diesen Anlagen hingewiesen.
 
Die Altmühl plätschert munter durch eine breite Wiesenlandschaft. bis wir Treuchtlingen erreichen.
Das Wehr an der Badeanstalt ist geöffnet. An der Uferpromenade gegenüber den Altmühlthermen -Thermal und Hallenwellenbad- nehmen wir unsere Boote aus dem Wasser, um erstmal Treuchtlingen anzusehen.
 
Treuchtlingen ist das Tor zum Naturpark Altmühltal.
Schon nach wenigen Metern befinden wir uns im Zentrum. Rathaus, Stadtschloß und Lambertuskirche bilden einen geschlossenen Komplex vor dem Volkskundemuseum. Auf die hier gezeigten Sammlungen aus der bäuerlichen und bürgerlichen Entwicklung dieser Stadt verzichten wir.
 
Inzwischen hat sich auch die Sonne herausgewagt und es wird schon richtig heiß. Um uns abzukühlen nehmen wir im Innenhof des Stadtcafes platz. Auf das angestrebte Eis verzichten wir und essen dafür jeder ein großes Stück Erdbeertorte. Schnell werden noch ein paar Karten geschrieben und wir gehen wieder zu unseren Booten zurück. Auf Vorschlag von Wolf Gutschke nehmen wir noch Fleisch und Würstchen zum Grillen mit.
 
Wir finden unsere Boote unbeschadet wieder und setzen unsere Wanderfahrt fort.
 
Munter trägt uns die Altmühl weiter, schon bald tauchen die Höhenzüge der Fränkischen Alb oder auch Jura vor uns auf.
 
Gegen 15.00 Uhr haben wir das gesetzte Ziel den Camping-Platz an der Altmühl in Pappenheim erreicht. Die Boote werden versorgt und neben unseren Zelten abgelegt.
 
Die Autos zurückgeholt. Erst duschen und dann Kaffee kochen.
 
Wolf Gutschke hat inzwischen seinen Grill angeschmissen. Bis das Grillgut fertig ist nutzen wir die Zeit und fahren das Auto von Leo Polakowski zum nächsten Etappenziel nach Dollnstein vor.
 
Mit unsererem neuen "Roten Clubhemd" als äußeres Zeichen unserer Verbunden-heit begeben wir uns nach dem Essen zur Ruine der Burg der Reichsmarschälle von Pappenheim mit einer schönen Aussicht auf Stadt und Altmühltal. Was für eine Enttäuschung. Die Burg ist schon geschlossen.
 
Auf dem Rückweg dürfen wir das alte Gefängnis von Pappenheim mit seinem "Insassen" besichtigen. Eine Familie, die heute dieses Haus bewohnt zeigt uns freundlicherweise diese Räumlichkeiten. Nach einer kleinen Bierprobe mit italienischer Musik in Bayrischen Landen geht es wieder unseren Zelten zu.
 
Nach anfänglichem Zögern hat die Sonne es doch heute ganz gut mit uns gemeint.
 
Camping-Platz:
Natur Camping Pappenheim Tel. 09143/12 75

SONNTAG, den 14.06.1992

Die Sonne lacht. Das Thermometer steht schon auf 20o C.
Nach dem Frühstück werden die Sachen gepackt und die Zelte in die Autos verstaut
 
Da wir gestern bereits ein Auto vorgefahren haben, haben wir Zeit gewonnen und wir können alles in Ruhe beginnen.
 
Die Boote werden über den Zaun getragen und am nahen Wehr zum Unterwasser herabgelassen und schon geht es los mit einem mächtigen Seitenstrom aus dem Überlaufkanal des Kraftwerkes.
Karl Hahne fährt heute mit Werner Lambeck und Rudolf Wirth mit Franz Grunau.
Die Altmühl trägt uns in einer weiten Schleife um die Stadt Pappenheim und nach wenigen km erreichen wir die Wehranlage in Zimmern.
Bevor wir unsere Fahrt fortsetzen wird der neue Helmi-Kajak von Leo Polakowski -ein Porsche unter den Kajaks- noch mit einer entsprechenden Würdigung und allzeit gute Fahrt auf den Namen "Libelle" getauft. Leo hat es sich nicht nehmen lassen zu diesem Anlaß als Taufwasser "Kupferberg Gold" zu kredenzen.
 
Wir können die Boote gut umsetzen und unsere Fahrt fortsetzen.
Vor Solnhofen werden wir wegen einer Feuerwehrübung aufgefordert, unsere Boote aus dem Wasser zunehmen.
Nach dieser Mühe erfolgt jetzt plötzlich die Freigabe der Flußstrecke; eine reine Schikane uns gegenüber, die wir dann auch mit entsprechend ♪♥♫ begegneten.
 
Solnhofen, dessen Name weit über Deutschlandsgrenzen hinaus Bedeutung hat, sowohl durch die als Bodenbelag beliebten Solnhofer Plattenkalke als auch durch die Versteinerungsfunde aus prähistorischer Zeit in den örtlichen Steinbrüchen.
Jetzt befinden wir uns schon im Fränkischen Jura. Das Kalkgestein ist vereinzelnd zu erkennen.
 
An der Wehranlage Hammermühle machen wir Mittagspause und beobachten die Wildwasserfahrer.
 
Eine der schönsten Strecken des Altmühltales liegt vor uns. Die Altmühl hat sich hier durch das Kalkgestein in Millionen von Jahren gefressen. Nachdem wir die beiden befahrbaren Wehranlagen Hammermühle und Hagenagger überwunden haben, tauchen vor uns in der nächsten Schleife die 12 Apostel-Klippen auf und nach der einer weiteren Schleife sind wir bald in Dollnstein.
Rechts mündet das Wellensteiner Tal, durch das vor ca. 700.000 Jahren einmal die Donau geflossen ist. Dieses Tal ist äußerst sehenswürdig. Eine Kleinbahn bringt den Touristen über Wellenstein nach Rennertshofen an die Donau.
Übrigens Thomas Severloh hat bei der letzten Wehranlage die Bootsgasse benutzt. Eine Prämierung steht glaube ich noch aus!
 
Es geht noch an einer bizarren Felswand vorbei, unter einer Brücke durch und wir sind am heutigen Etappenziel in Dollnstein.
Direkt am Campingplatz können wir unsere Boote herausnehmen.
Es wird uns ein schöner Platz direkt am Wasser zugewiesen. Hinter den Wohnwagenstellplätzen direkt am Wasser dürfen wir unsere Zelte aufschlagen. 2 Tage wollen wir hier auf dieser sehr gepflegtenAnlage mit sauberen Wasch- und Toilettenräumen übernachten.
Von der vielen Sonne ausgelaugt und verschwitzt verschwinden wir erst einmal mit einer "Sammelmarke" in den Duschen.
 
Um uns für den heutigen Abend selbst zu versorgen sind wir zu faul, darum wird die erste und auch beste Gaststätte direkt vor dem Campngplatz angesteuert. Wir haben alle Verlangen nach einer Forelle "Müllerin". Dieser Wunsch kann uns erfüllt werden. Franz Grunau erhält sogar seine Portion filitiert und Rudolf Wirth kann einem 2. Durchgang nicht widerstehen. Zur Verdauung hat er noch eine Runde Obstler -ohne sich vorher über den Preis zu informieren- auffahren lassen. Es stellte sich heraus, daß ein Obstler teurer ist als ein halber Liter Bier.
Beweis: Bier gilt eben in Bayern als Grundnahrungsmittel.
 
Zur weiteren Verdauung machen wir noch einen Spaziergang durch den Ort mit der weitgehend erhaltenen Befestigungsanlagen, mit dem Torturm und der Pfarrkirche aus dem Jahre 1065.
 
Camping-Platz:
8833 Dollnstein, Brückenstr. 11a Tel. 08422/ 8 46
MONTAG, den 15.06.1992
Die Sonne lacht. Das Thermometer steht schon auf 20o C wie am Vortag.
Nachdem die Auto-Fahrer aus Eichstätt mit Franz Grunau wieder zurück sind, können wir um 9.30 Uhr aufs Wasser.
 
Karl Hahne fährt heute wieder mit Günter Nitzsche und Rudolf Wirth mit Franz Grunau.
 
Die Altmühl führt uns in weiteren Schleifen durch die Alb. Vorbei an Breitenfurt und Obereichstätt erreichen wir zur frühen Mittagszeit Wasserzell. Hier verläßt uns die Eisenbahn, die uns bisher begleitet hat. Nach einer ausgiebigen Mittagspause mit Besuch eines nahen Biergartens erreichen wir Eichstätt. Von weitem können wir die Willibaldsburg sehen.
 
Der Heilige Willibald Gründer, Bischof und Schutzpatron von Eichstätt soll uns später im Dom und am Willibaldsbrunnen am Markt noch begegnen.
 
Wir fahren durch Eichstätt. Zwei Wehre müssen noch überwunden werden und wir haben den Großparkplatz in Eichstätt erreicht.. Die Boote werden auf die hier abgestellten Autos verladen und ab geht es mit dem Pendelbus ins Centrum von Eichstätt. Unzählige Kirchen prägen das Stadtbild.
 
Am Marktplatz steigen wir aus und schnurstracks geht es erst einmal in ein Eiscafe.
 
Eichstätt im 30 jährigen Krieg in Schutt und Asche gelegt -außer dem Dom- ist von zwei italienischen Baumeistern im barocken Stil wieder aufgebaut worden.
So entstanden die prachtvollen Gebäude am Residenz-Platz, die Domherrenhöfe, die fürstbischöfliche Sommerresidenz, das Coblenzi-Schlößchen und das Kloster Notre Dame.
Eichstätt ist auch heute noch Bischofsitz und beherbergt die einzige Katholische Universität Deutschlands.
 
Nachdem wir noch einige Einkäufe getätigt haben, verlassen wir Eichstätt und fahren nach Dollnstein zurück. Ausgelaugt von der vielen Sonne und dem ausgiebigen Stadtgang.
sind heute abend keine großen Aktivitäten vorgesehen.
 
Camping-Platz:
8833 Dollnstein, Brückenstr. 11a Tel. 08422/ 8 46
DIENSTAG, den 16.06.1992
Die Sonne lacht. Das Thermometer steht schon auf 20o C, wie soll es auch anders sein.
Unser nächstes Etappenziel ist Kipfenberg . Starten müssen wir in Eichstätt.
 
Sämtliche Autos mit Booten und Zelten müssen nach Eichstätt vorgefahren werden und ein Auto weiter bis Kipfenberg. Es klappt alles ganz prima und so sind wir um 10.00 UHR wieder auf dem Wasser.
 
Karl Hahne fährt heute mit Wolf Gutschke.
 
In Pfünz, dem Porta Prätoria, fahren wir bei leichten Stromschnellen durch die Bogenöffnungen der Jahrhunderte alten "Römerbrücke".
Wir befinden uns hier im ehemaligen Grenzbezirk zwischen römischen Weltreich und Germanien. Der Limes und das Römerkastell "Vetonia" befinden sich in der näheren Umgebung.
 
Im Zuge der alten Römerstraße muß damals schon eine Brücke gestanden haben.
In dem Ortsnamen Pfünz ist das lat. Wort für Brücke "Pons" enthalten; also genügend Beweise.
 
Vorbei an Walting und Pfalzpaint erreichen wir zur Mittagszeit die Gungoldinger Heide. Eine mit Wacholderbüschen bewachsene Bergrücken. Das Altmühltal hatte sich hier etwas geweitet.
Es geht in einigen Schleifen weiter nach Kipfenberg. Auch dieser Campingplatz befindet sich direkt an der Altmühl.
Die Boote werden klargemacht, während die Autos aus Eichstätt geholt werden. Bald stehen wieder unsere Zelte im Halbkreis
.
Nachdem wir uns landfein gemacht und unsere Ausgeh-Uniform angezogen haben, besichtigen wir erst einmal den Ort.
Die oberhalb Kipfenberg gelegene Burg befindet sich in Privatbesitz und ist leider zur Besichtigung nicht freigegeben. Von dort oben hätten wir einen fantastischen Blick auf den Ort und das Altmühltal.
Zur Römerzeit führte hier der Limes, die Grenzbefestigung der Römer zum Schutze gegen die kriegerischen Germanen, direkt über die Altmühl.
 
Zur Erinnerung an diese Zeit wird alljährlich im August das "Limesfest" groß gefeiert. Die Kipfenberger schlüpfen dann in die Uniform der römischen Legionäre, aber auch die Germanen in ihren Bärenfellen sind vertreten .
In den Faschingszeiten sind die Kipfenberger besonders aktiv. Mit Peitschenknall und Glockengeläut wird der Winter von den "Fasenickl" vertrieben.
Mitten auf dem Marktplatz bekommen wir im Freien unser Abendessen serviert.
Nach einem abschließenden Besuch in einer Eisdiele, drängt es uns zu unseren Zelten zurück um dort noch einen kleien Schlummertrunk einzunehmen.
Camping-Platz:
Azur-Camping"Altmühltal"
8079 Kipfenberg Tel. 08465/5 88
(Ermäßigung für DKV-Mitglieder)

MITTWOCH, den 17.06.1992
Noch kein Sonnenschein! Sollte das Wetter umschlagen.
 
Während die Autos nach Beilngries vorgefahren werden, fahren Werner Lambeck, Rudolf Wirth und Thomas Severloh mit Franz Grunau vor. An der Kratzmühle wollen sie zur Mittagszeit auf die anderen warten. Karl Hahne fährt heute mit Leo Polakowski.
 
Die Altmühl führt uns nun genau nach Norden. Von rechts oben werden wir von der Autobahn begleitet.
Die Altmühl macht in Kinding eine enge Schleife und kämpft sich nach Osten ihren Weg durch den Jura.
 
Die Sonne hat sich noch immer nicht blicken lassen. Es fehlt auch der Wind, der dann alles aufreißen könnte.
 
Das Tal weitet sich wieder. Die Uferzonen sind mit Schilf bewachsen und schon sind wir an dem großen Freizeitgelände der Kratzmühle. Auf dem Campingplatz scheint es ziemlich eng zu sein Die Wohnwagen stehen bis zum Ufer.
 
Nun sind wir wieder alle beisammen und machen erst einmal Mittagspause.
 
Auf dem großen Freizeitgelände können wir es nicht verkneifen, anschließend ein kleines Fußballspiel auszutragen. Den nötigen Ball schleppen wir schon seit der Lahn-Fahrt im Boot als Auftriebskörper mit.
Nachdem der Ball zweimal aus der Altmühl gefischt werden mußte, haben wir das Spiel beendet.
 
Die Boote werden an der Wehranlage umgetragen. Nachdem wir alle wieder in den Booten sitzen, kommt ein leichter Wind auf und es beginnt sich aufzuklaren.
 
Schon nach 1 Stunde sind wir nach 4,5 km in Beilngries angelangt.
 
Das oberhalb Beingries gelegene Schloß Hirschberg und Wahrzeichen der Stadt konnten wir schon frühzeitig ausmachen.
Der Wind hat auch kleine Regenwolken mitgebracht und es fängt leicht an zu nieseln.
Wir wollen auf eine Stadtbesichtigung verzichten und bis Kottingwörth weiterfahren. Dazu müssen aber auch die hier abgestellten Fahrzeuge erst einmal wieder vorgezogen werden.
Hier soll noch geschildert werden was wir in Beilngries versäumt haben:
 
Die Stadtrechte wurden Beilngries im Jahre 1485 verliehen. Seit dem Mittelalter wird diese Stadt durch eine Ringmauer umgeben, die bis heute noch weitgehend erhalten ist. Die neun Türme der alten Stadtbefestigung wären einen Spaziergang wert gewesen. Auch der Besuch des Schlosses Hirschberg und des unterhalb in einem Felsenkeller untergebrachte Brauereimuseum hätte sich gelohnt.
 
Am Ziel um 15.00 Uhr in Kottingwörth angekommen ist wieder herrlicher Sonnenschein und es wird heiß.
 
Kottingwörth ist wegen seiner Wehrkirche St. Vitus, Modestus und Kreszentia, die von zwei mächtigen Kirchtürmen flankiert wird, ein lohnendes Ziel.
 
Es geht wieder zurück nach Kipfenberg.
 
Wolf Gutschke, Werner Lambeck und Jürgen Hauf fahren erst nach Riedenburg vor, um dort beim örtlichem Sportverein mit seiner kleinen Paddelsparte den Schlüssel für das Vereinshaus, unser morgiges Quartier, abzuholen. Auf dem Rückweg fahren sie über die Alb nach Kipfenberg und können vom Auto aus die 1000-jährige Bavaria-Buche sehen.
 
Camping-Platz:
Azur-Camping"Altmühltal"
8079 Kipfenberg Tel. 08465/5 88
(Ermäßigung für DKV-Mitglieder)

DONNERSTAG, den 18.06.1992
Fronleichnam. Der höchste katholische Feiertag.
 
6.00 Uhr aufstehen! Die Zelte müssen abgebrochen werden.
 
Da wir den Camping-Platz erst um 9.00 Uhr verlassen dürfen, haben wir am Vortag die Autos schon auf das Gelände gefahren und können so nach dem Frühstück die Autos packen. Die Sonne lacht! Klarer Himmel! Die Temperatur steigt. Ein Wetter, wie soll es auch anders sein.
 
Pünktlich um 9.00 Uhr wird das Tor geöffnet und wir verlassen mit den vollgepackten Autos, obendrauf unsere Boote, Kipfenberg. In Dietfurt müssen wir einen Prozessionszug vorbei lassen und endlich in Kottingwörth angekommen, erleben wir hier in stiller Andacht die örtliche Fronleichnams-Prozession.
 
Nachdem der Zug über die Brücke in Richtung Kirche weggezogen ist, nehmen wir die Boote von den Autos runter und fahren dann sämtlichen Autos nach Riedenburg.
Franz Grunau, der uns mit seinem Auto wieder nach Kottingwörth zurücknehmen will, ist nicht auffindbar. Wir entschließen uns nach dem Ablauf einer Wartezeit mit einem Auto nach Kottingwörth zufahren. Hier eingetroffen werden wir von Franz Grunau begrüßt. Weil wir uns nicht pünktlich um 10.00 Uhr wegen der Verzögerung durch die Fronleichnams-Prozessionen dann eingefunden haben, ist er dann hierher gefahren.
 
Rudolf Wirth, Werner Lambeck und Leo Polakowski sind mit ihren Einern schon einmal vorgefahren.
 
Um 11.00 Uhr sind wir dann endlich auch auf dem Wasser. Karl Hahne fährt heute mit Jürgen Hauf. Wir sitzen gerade 20 Minuten im Boot so müssen wir an dem Wehr Kottingwörther-Mühle wieder aussteigen und umtragen.
Das Tal hat sich seit Kipfenberg geweitet.
Die Städte an der Altmühl werden jetzt auch größer und zahlreicher. Dieser Bereich des Altmühltales bis zur Donau hin hat sich schon weit früher als der ober Teil des Altmühltales dem Fremdenverkehr geöffnet.
 
Nach dem Überwinden des Wehres in Griesstetten befinden wir uns nach 500 m auf der neuen Bundeswasserstraße "Main-Donau-Kanal".
Links von uns ist die Schleuse Dietfurt zu sehen und ein altes Schleusengebäude des König-Ludwig-Kanals ist noch zu erkennen. Jetzt läuft das Wasser überhaupt nicht mehr.
 
In Streckenabschnitt Schleuse Ditfurt bis Kelheim ist die Kanaltrecke schon voll geflutet. Die Bauarbeiten bis auf die Mutterbodenabdeckung sind hier bereits abgeschlossen. Aber auch diese Baumaßnahmen sollen bis zum September beendet sein.
 
 
Die Wasserspiegelbreite wird nun konstannt auf 55,00 m gehalten.
 
Wir fahren wieder in Richtung Süd-Osten und ereichen gegen 13.00 Uhr Deising. Direkt am Wasser liegt hier ein Gasthaus, das uns zur Mittagsrast einlädt. Wir nehmen draußen auf der Terrasse mit Blick auf Schloß Eggersberg unser Mittagsmahl mit einem großen Radlermaß ein.
Da wir die anderen noch nicht eingeholt haben, dehnen wir die Mittagspause nicht zu lange aus.
 
Hoch über der Altmühl steht nun vor uns das Schloß Eggersberg, heute ein Nobelrestaurant.- Daneben sogar ein Ski-Lift -
 
Je weiter wir nach Süden vorstoßen umso freundlicher wird die Landschaft wieder. Die Eingriffe in die Natur, die beim Bau des Kanals erforderlich waren, sind noch zu sehen. Die Altarme der Altmühl sind als Stillwasserflächen ausgebildet und beheimaten schon jetzt eine Vielzahl von Kleintieren. Auch der Biber ist hier ausgesetzt. Der Bewuchs an den Uferzonen ist teilweise noch sehr niedig.
Der "König-Ludwig-Kanal", die erste Kanalisierungsmaßnahme, ist mit seinen alten Wehr- und Schleusenanlagen teilweise mit in die Uferzonen der Bundeswasserstraße integriert worden.
 
Nach einigen Schleifen treffen wir bei Gundlfing unsere Vorfahrer wieder. Jetzt noch die große Haidhof-Schleife, an dem hier neu angelegten Badesee vorbei und wir sind am Wehr in Riedenburg. Wir müssen unsere Boote weit umtragen. Der erforderliche Bootswagen ist nicht auffindbar. 150 m hinter der Schleuse ist unser heutiges Ziel die Sportanlage in Riedenburg erreicht.
 
Am Sportheim können wir gleich, die Zelte aufstellen, duschen und das eine Auto in Kottingwörth abholen und dann den üblichen Landgang planen.
 
Der staatlich anerkannte Luftkurort Riedenburg, die "Perle des unteren Altmühltales", verdankt seinen Ruf -außer seiner wundervollen Lage in einer herrlichen Landschaft- vor allem auch den drei Burgen, die stolz in das Altmühltal blicken. Rabenstein und Tachenstein sind leider nur als Ruinen erhalten. Die aus dem frühen 13. Jahrhundert stammende Rosenburg beherbergt heute eine Vielzahl von Greifvögeln. Ein Aufstieg ist auf jedem Fall lohnend.
Ebenfalls ein lohnender Weg ist der Aufstieg zum Schwammerl auf der gegenüberliegenden Seite mit herrlichem Blick auf die "Drei-Burgen-Stadt".
 
Wir schlendern durch die Stadt und finden ein nettes Gasthaus und dort gibt es wieder Forelle; noch besser als in Dollnstein! An einer Weißbierprobe von den zwei hier in Riedenburg ansässigen Brauereien kommen wir nicht vorbei. Im Sportheim können die Fußballbegeisterten von uns noch mit den dortigen Sportlern das Fußballspiel Deutschland Holland verfolgen.
Dieses Europa-Meisterschaftsspiel ging leider für Deutschland verloren.
 
Campingplatz:
Riedenburger-Sport-Verein
Spartenleitung: Gabriele Petz Tel 09442/28 82
Boots-und Vereinshaus: Auestraße neben dem Camping-Platz "Talmühle" und unterhalb der Brauerei Riemhofer in Riedenburg

FREITAG, den 19.06.1992
In der Nacht werden wir durch eine stürmische Geburtstagsfeier im Vereinshaus doch ganz schön belästigt und am nächsten Morgen ist auch noch das Haupttor abgeschlossen worden. Wir können nicht dieToiletten und Duschanlagen benutzen. Als Toilettenanlage muß das dichte Unterholz des nahen Waldes herhalten und die Stiefelwaschanlage dient uns als Waschanlage.
Es klappt doch dann alles ganz gut.
Unser Günter Nitzsche, als Frühaufsteher, hat wie jeden Tag auch heute für frische Brötchen und Brezeln gesorgt und nach einem guten Frühstück sieht die Welt wieder etwas besser aus.
 
Die Sonne hält sich noch etwas bedeckt, aber das Thermometer steigt schon an.
Die Autos werden zur Schleuse Kelheim vorgesetzt und um 9.00 Uhr starten wir ohne Franz Grunau, der leider schon heute nach Hause fahren will.
 
Zweier-Besatzung: Karl Hahne wieder mit Günter Nitzsche und Rudolf Wirth mit Leo Polakowski.
 
Wir fahren an der neuen Uferpromenade vorbei. Fleißig wird hier noch gearbeitet. Am Kristallmuseum, hier ist die größte Bergkristall-Gruppe der Welt (Fundort: Nordamerika) zu sehen, verlassen wir Riedenburg.
 
Das Tal verengt sich wieder. Die weißen Kalkfelsen treten hervor und nach 3 km ragt über uns auf einem Felsen das Schloß Prunn. In dieser besterhaltenen Ritterburg Bayerns wurde das Niebelungen-Lied gefunden.
Wir bekommen leichten Ostwind, also Gegenwind und schon wieder eine Burg vor uns. Es ist die Ruine Schloß Randeck oberhalb Essings.
Wir kommen näher und unterfahren die weitgeschwungende neue hölzerne Fuß- und Radwegbrücke, ein interessantes Kunstwerk, eine tolle Leistung von Architekt und Ingenieur; so schön können auch Brücken ausgebidet werden. Fußgänger und Radfahrer sind nicht zu sehen. Es bleibt dabei ein kleiner Zweifel, ob hier eine Brücke wirklich nötig ist.
Nicht unerwähnt bleiben soll auch der brave Soldat Josef Deifl aus Essing, der wider Willen von 1809 an erst mit dann gegen Napoleon in den Krieg ziehen mußte. In Essinger-Deutsch hat er auf vielen Handzetteln und sogar auf dem Gewehrkolben sein Tagebuch dieser Feldzüge verfaßt. Seine große Sehnsucht nach Frieden und Heimkehr kommt dabei ständig zum Ausdruck.
An der alten Altmühlbrücke steht er heute in Erz gegossen. Das Stillwasser der Altmühl, leider nicht befahrbar, wird von dieser "alten" gerade renovierten hölzernen Brücke überquert.
 
In Altessing öffnet sich wieder das Tal und bietet Platz für drei nebeneinander verlaufende Wasserwege- Altmühl, König-Ludwig-Kanal und Main-Donau-Kanal. Während die Zweier auf dem Main-Donau-Kanal bleiben, befahren die Einer die "Schellnecker Allee" des König-Ludwig-Kanals. An der Schleuse muß wegen der niedrigen Radwegbrücke umgetragen werden.
Ab Schloß Prunn ist der Main-Donau-Kanal voll in die Landschaft eingebunden, die in die Natur geschlagenen Wunden sind hier weitgehend vernarbt. Oben links am Berg ist das Turmhäuschen des "Großen Schulerloches" zu erkennen. Hier befindet sich eine Tropfsteinhöhle und vor uns ist schon die Schleuse Kelheim auszumachen. Der gigantische Bau der Befreiungshalle ragt oben rechts am Berg mit seiner Kuppel über den Wipfeln der Bäume.
 
In 3 Stunden haben wir die 15 km gefahren. Richtig klar ist das Wetter heute noch nicht; aber schön warm. Wir machen erst einmal Mittagspause und beschließen dann heute noch den Donau-Durchbruch zu befahren.
 
Ein Auto wird in Kelheim am Parkplatz des Donau-Anlegers abgestellt und mit den anderen beiden Autos, mit je 3 Booten auf dem Dach , erreichen wir Weltenburg an der Donau und nun regnet es.
So eine ♫♥♪.
 
Oberhalb Weltenburgs bringen wir an einer Mole unsere Boote zu Wasser. Hier fließt das Wasser mächtig gewaltig. Karl Hahne fährt jetzt mit Werner Lambeck und Rudolf Wirth mit Thomas Severloh.
Wegen des Regens wollen wir am Kloster nicht aussteigen. Auf den Besuch des Biergartens und auf das gute Weltenburger Klosterbier müssen wir verzichten.
Vor uns ist der Donau-Durchbruch; die bizarren hochaufragenden Felswände sind ein einmaliges Naturwunder.
 
Wir müssen auf die Fahrgastschiffahrt aufpassen. Sie wechseln in dieser Enge das Fahrwasser. Im Bereich der historischen Gaststätte "Klösterl" verbreitert sich die Donau, aber immer noch links und rechts hohe Felswände zum Teil bewaldet.
Das eine Fahrgastschiff hat uns überholt, jetzt kommt von unten das zweite Schiff. Mächtig kämpft es sich mit einer großen Wellen gegen die starke Strömung. Nach dem Befahren der Altmühl und des Main-Donau-Kanals ist es jetzt recht sportlich geworden. Es macht uns allen sehr viel Spaß.
 
Hinter dem Schiffsanleger fahren wir in den alten König-Ludwig-Kanal bis vor die alte Schleuse. Hier können wir gut anlanden und die Boote aus dem Wasser nehmen.
Wir stellen uns stolz vor unsere Boote zu einem Gruppenfoto zusammen und werden auch von einem netten Touristen mit Wolf Gutschkes Fotocamera geknipst.
 
Die Kreisstadt Kelheim ist eine moderne Industriestadt mit 16.000 Einwohnern und liegt am Mündungsdreieck der Altmühl(Main-Donau-Kanal) und der Donau. Die Umgebung von Kelheim ist uraltes Siedlungsgebiet. Schon vor 3000 Jahren war diese Gegend bewohnt.
Die Stadtbefestigung aus dem 13. Jahrhundert ist mit ihren Toren und Türmen noch gut erhalten.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde mit dem Bau der Befreiungshalle gegonnen. Der 45 m hohe Rundtempel im römisch-klassizistischen Stil soll an die Befreiungskriege gegen Napoleon erinnern und ist den "teutschen Befreiungskämfern" gewidmet. Der damals kahle Michelsberg zwischen Donau und Altmühl wurde gleichzeitig mit Eichen und Buchen bepflanzt. Bei der Einweihung des Tempels zum 50. Jahrestag der "Völkerschlacht von Leipzig" am 18.10.1863 war auch der brave Soldat Josef Deifl als 73-jähriger dabei.
 
Wegen des schlechten Wetters wollen wir alle nach Riedenburg zurück.
 
Die einen machen die Boote klar und die anderen holen die Autos.
 
Gegen 17.00 Uhr sind wir wieder in Riedenburg.
Auf dem Sportplatz ist inzwischen ein großes Zelt aufgebaut. Am Wochenende soll ein Jugend -Fußball-Tunier stattfinden.
Im Zelt kommt Riedenburger Bier zum Ausschank und auch Bratwürstchen werden angeboten. Unser Abendbrot ist gesichert. Unser Kassierer Rudolf Wirth macht die Abrechnung und freut sich besonders über die großzügige Spend von Karl Hahne.
Wir verbringen wir noch ein paar nette Stunden hier bis wir um 22.00 Uhr in unsere Zelte verschwinden.
 
Campingplatz:
Riedenburger-Sport-Verein
Spartenleitung: Gabriele Petz Tel 09442/28 82
Boots-und Vereinshaus: Auestraße neben dem Camping-Platz "Talmühle" und unterhalb der Brauerei Riemhofer in Riedenburg

SAMSTAG, den 20.06.1992 (Heimfahrt)
Das Wetter hat sich wieder gebessert und die Sonne scheint wieder. Toilettenanlagen sind zugänglich.

Nach einem gemeinsamen Frühstück werden die Sachen gepackt, Zelte abgebaut und in den Autos verstaut.
Boote verladen, Abschied nehmen und Heimfahrt mit den PKWs.
 
Auf der Rückfahrt nach Hannover überqueren wir in Kinding noch einmal die Altmühl; diese Brücke haben wir vor wenigen Tagen als Bootsfahrer passiert.
 
Es war schön, aber jetzt freuen wir uns auf daheim.
 
Nachbetrachtung:
Oberstes Gebot einer echten Gemeinschaft ist die gegenseitige Hilfleistung und die Rücksichtnahme auf körperliche Beweglichkeit, Alter oder die finaziellen Möglichkeiten des Einzelnen durch die Gruppe. Dabei sollten die persönlichen Eigenarten mit großer Toleranz begegnet werden.
Aufgestaute Spannungen und Aggressionen innerhalb dieser reinen Männergesellschaft müssen gemeinsam abgebaut werden. Kritik muß angemessen geäußert und auch ertragen werden, denn eine offene Aussprache unter Freunden, und das sind, wir fördert unsere Gemeinschaft.
Wir gehen auseinander in Erinnerung an 8 wunderschöne Tage bei herrlichem Wetter im Kreise von Gleichgesinnten. Bedauert haben wir, daß unser Paddelfreund Günther Nolte wegen seiner plötzlichen Krankheit ausfallen mußte.
 
Wir freuen uns schon jetzt auf die nächsten gemeinsamen Touren. Vor allem auf die zukünftige große Wanderfahrt im nächsten Jahr auf der Oberen Donau oder Mosel oder Jagst oder .....
 
Hoffentlich in alter Gesundheit.
 
Die Belastung der Teilnehmer und die Befahrbarkeit des Wassers und seiner Qualität wird neben anderen Auswahlkriterien wie reizvolle Landschaft, Lager- und Zeltmöglichkeiten etc. Vorrang haben.
 
 
Den Planern zum Bau der Main-Donau-Wasserstraße wollen wir gern bescheinigen, daß sie ein erträgliches Konzept bei der Trassierung des Kanalesim Verlauf ddes natürlichen Flußlaufes der Altmühl ohne große Eingriffe in die Umwelt dieser lieblichen Landschaft gefunden haben. Die entstandenen Wunden werden bald vernarbt sein.
 
Für uns Paddlern bleibt der Main-Donau-Kanal jedoch trotz der reizvollen Gegend ein Kanal und dort fließt eben das Wasser nicht.
 
Leider haben wir nicht alle diese lieblichen Orte und Städte aufsuchen können. Ebenso fehlte uns der Blick von den Burgen und Schlössern hinab in das so reizvolle Altmühltal.
Deshalb sollte das Altmühltal mit dem Fahrrad, zu Fuß evtl. auch mit dem Auto nochmal besucht werden.
 
Zum Schluß noch ein herzliches Dankeschön an die Autofahrer, die uns zum einen das Fahrzeug zur Verfügung gestellt haben und zum anderen, daß sie uns so gut und sicher gefahren haben.
 
Jürgen Hauf

 
DIE JAHRESWANDERFAHRT 2001
 
Für unsere Jahreswanderfahrt hat der Spartenleiter, Leo Polakowski, eine Fahrt auf der Werra und Weser, vom Rande des Thüringer Waldes bis zur Porta Westfalica ausgeschrieben. Es wurde leider eine reine Herrenfahrt, denn unsere Damen waren verhindert. Thomas Severloh konnte ebenfalls aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen. Die beiden Günter waren natürlich auch wieder mit von der Partie.
 
Die Gesamtstrecke (329 km) auf Werra und Weser, von Hörschel bei Eisenach nach Minden, also vom Rande des Thüringer Waldes bis zur Norddeutschen Tiefebene, der Porta Westfalica, sollte in 8 Tagen bewältigt werden. Gleichzeitig soll uns die Fahrt durch vier Bundesländer führen, nämlich Thüringen, Hessen, Niedersachen und Nordrhein – Westfalen.
1. Paddeltag SA, den 16.06.2001 Hörschel Probstei Zella 31,2 km
2. Paddeltag SO, den 17.06.2001 Probstei Zella Eschwege 27,6 km
3. Paddeltag MO, den 18.06.2001 Eschwege Witzenhausen 37,3 km
4. Paddeltag DI, den 19.06.2001 Witzenhausen Hann.-Münden 28,9 km
5. Paddeltag MI, den 20.06.2001 Hann.-Münden Beverungen 53,0 km
6. Paddeltag DO, den 21.06.2001 Beverungen Bodenwerder 58,0 km
7. Paddeltag FR, den 22.06.2001 Bodenwerder Rinteln 53,0 km
8. Paddeltag SA, den 23.06.2001 Rinteln Minden 40,0 km

Die Fahrt sollte eine reine Gepäckfahrt sein. So mußten wir Paddler Autofahrer finden, die uns mit Gepäck und Booten nach Eisenach- Hörschel, unserem Ausgangspunkt, am Freitag den 15.08., bringen. Wolf GUTSCHKE, Werner LAMBECK und Günter NOLTE werden von Vera LAMBECK, Leo POLAKOWSKI, Robert KOSLOWSKI und Jürgen HAUF von Michaela ELVERS und Günter NITZSCHE von seiner Ehefrau gebracht. Während Frau Lambeck und Frau Nitzsche gleich wieder nach Hause zurückfuhren, bleibt Michaela für eine Nacht. Der Zeltplatz des Kanuclubs in Hörschel war sehr gepflegt und die Toilettenanlagen zwar noch im Bau, konnten aber schon benutzt werden. Der Zeltplatz bzw. der Ort Hörschel liegt "sehr verkehrsgünstig". Über uns rollen die Autos und Lkws auf der BAB, neben uns rauschen die Güterzüge vorbei, aber unter uns fließt träge die Werra dahin. Nach dem die Zelte alle aufgestellt sind, treffen wir uns zum Abendessen in der nahen, neu hergerichteten Gaststätte mit sehr preiswerten Gerichten. Das Essen hat allen sehr gut geschmeckt.
Hier an der Gaststätte ist der Startort des Rennsteigweges, eines der berühmtesten und meist benutzen Wanderwege in Deutschland über die Höhen des Thüringer Waldes. Jedem Wanderer ist das Rennsteiglied bekannt.
SAMSTAG, den 16.06.2001

Nach einem guten Frühstück, Brötchen gibt es nicht, werden unsere Kanus gepackt und zu Wasser gebracht. Die Sonne hält sich zwar noch etwas bedeckt
Die Werra durchfließt hier eine breite Wiesenlandschaft, die links von einer Hügelkette und rechts von den Ausläufern des Thüringer Waldes begrenzt ist. Die Werra fließt hier so träge und so erreichen wir schon nach wenigen Kilometern die Stauanlage Spichra. Das Umtragen der schwerbepackten Kajaks mit den Bootswagen ist problemlos. Es geht auch gleich weiter. Nach 5 km erreichen wir Creuzburg. Aussteigen und die Burg ansehen möchten wir nicht, deshalb ein kleiner Abriß von diesem Städtchen:
Die Burg entstand im 12. Jahrhundert und weist im Kern eine romanische Anlage auf, die später mehrmals erweitert wurde. Im 13. Jahrhundert hat Creuzburg den Rang einer Nebenresidenz der Ludowinger, verlor aber unter den Wettinern an Bedeutung. Als Herzoghaus diente der ehemalige Palas. Im Laufe der Zeit waren Heinrich Raspe, Philipp Melanchthon, Martin Luther und Johann Wolfgang von Goethe Gäste auf der mittelalterlichen Burg. Nach mehrfachem Herrscherwechsel kam Creuzburg von 1741 - 1920 zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Die strategisch bedeutende Lage brachte der Stadt immer wieder Krieg und Zerstörung.
Die alte Bausubstanz wurde davon stark in Mitleidenschaft gezogen, z.B. die Kirche St. Nikolai von 1215, die Klosterapotheke und die Gottesackerkirche. Eine wirtschaftliche Besonderheit des Ackerbaustädtchens Creuzburg stellte die von 1758 - 1808 betriebene Seidenraupenzucht dar. Ein Heimatmuseum in Creuzburg gibt Auskunft zur wechselvollen Geschichte der einstigen landgräflichen Residenz. Es ist von April bis Oktober geöffnet. Der parkähnliche Burghof mit Brunnen und Freilichtbühne, Festaal und Marstall werden für verschiedenartige Veranstaltungen genutzt.1
Beim Durchfahren der alten steinernen Brücke gibt es leicht Grundberührung. Hier beginnt der landschaftlich schönste Teil unserer Tour. In diesem engen Tal führt uns nun die Werra in weiten Schleifen von Prallhang zu Prallhang. Die blanken Felsenwände sind leicht bemoost. Es ist zu vergleichen mit der Altmühl und seinen 12 Aposteln vor Dollenstein. Die Fließgeschwindigkeit der Werra läßt nach und langsam kommen wir in den Staubereich der Wehranlage Mihla. Nachdem die Boote herausgenommen sind, suchen wir den Schatten um unsere Mittagspause zu machen. Robert hat jetzt auch Gelegenheit sich die fehlende Zahnbürste zu besorgen. Nach einer guten Stunde werden die Boote rechts umgetragen und weiter geht es in Richtung Norden. Die Werra wird an den Ufern von Büschen und kleinen Bäumen umsäumt. An ihnen kann man durch Restbestände von Treibgut noch den Wasserstand bei Hochwasser erkennen.

Die Werra schlängelt sich an den Bergrücken an Ebenhausen und Frankenroda vorbei und wir erreichen den km 0 bei Probstei Zella unser heutiges Etappenziel. Der idyllisch gelegene Landgasthof mit Hotel liegt zwischen den Falkener Klippen und der Werra. Der Werra – Radweg führt ebenfalls direkt vorbei.
Zur Geschichte der Probstei Zella
777 unserer Zeit soll sich ein Eremit, wahrscheinlich ein Mönch namens Martin und Gefolgsmann des heiligen Bonifatius, hier an dieser Stelle zwischen Fels und Fluß niedergelassen und eine Zella (kleines Kloster) gegründet haben. Ludwig der Eiserne, Landgraf von Thüringen, hob 1170 das Benediktinerkloster auf dem Creuzberg an der Werra auf, um an dieser Stelle des Klosters sich eine den Ubergang über die Werra sichernde Burg zu erbauen - die heutige Creuzburg. Er hatte zuvor seinen Besitz des Petersstifts zu Erfurt um einige Ländereien an der Werra zwischen Falken und Frankenroda vermehrt und zur Verwaltung einen Probst auf den Klosterhof gesandt, der so seinen Namen „Probstei Zella„ erhielt. Dann ließ er die Mönche des Petersklosters zu Creuzburg in die Probstei Zella versetzen. Zu dieser Zeit gab es in Frankenroda noch keine Kirche, so daß die Einwohner in die Probstei Zella eingepfarrt wurden. Später, wahrscheinlich erst nach dem Bauernkrieg, bekamen die Frankenrodaer durch den hiesigen Probst eine eigene, von den Mönchen bediente, Kapelle, aus Dankbarkeit für treue Tagelohndienste. in einer Fehde gegen das Erfurter Petersstift zerstörten Mühlhäuser 1417 erst das Kloster Zella und danach auch noch die Stiftskirche des heiligen Martin zu Falke». Diese wurde erst um 1500 wieder aufgebaut. Am 28.4.1525, der Bauernkrieg war bereits in vollem Gange, flohen Mönche aus der Probstei Zella und anderen Außenstellen des Erfurter Peterskloster, aus Angst vor Anschlägen der revolutionären Bauern, nach Erfurt. Nach dem Bauernkrieg war die Probstei Zella durch Bauern völlig zerstört wurden. Zu dieser Zeit soll auch Thomas Müntzer unweit von hier, an der legendären Bauernkanzel, gepredigt haben. So soll am 1.5.1525 der „vereinigte Haufen„ aus der Langensalzaer Gegend durchs Eichsfeld gezogen sein. Sie kamen auf ihrem Marsch, unter der Führung Thomas Müntzers, bis zur Bauernkanzel unter den Falk‘ner Klippen. Von diesem Kalkfelsen herab soll Müntzer die Bauern zum Kampf gerufen haben. Beweise dafür, ob wirklich Müntzer von der Kanzel predigte, oder ob es sich „nur„ um LIPS König, einen Falkener Pfarrer, der sich zur Lehre Müntzers bekannte, handelte, gibt es nicht.
Weiterhin ist bekannt das der Landgraf Friedrich der Ernsthafte 1531 die Zella erneuern ließ. Um 1715 lebten etwa 25 Mönche in der Zella, die Einwohnerzahl Frankenrodas betrug 240.
Nach der Enteignung durch die Protestantisierung, im Zuge der Reformation, hat das Klostergut die Herren öfters gewechselt. So gehörte es 1803 zu Preußen, 1806 fiel es an General Napoleon, 1813 wieder an Preußen und 1815 an Sachsen - Weimar. Zu dieser Zeit wurde es z.B. als Forsthaus genutzt. Eine Steintafel über der Eingangstür des früheren Gerichtshauses von Frankenroda stammt noch aus der Probstei Zella. Diese ist 1873 von Heinrich Möller dort angebracht wurden. Sie zeigt gemeißelt das Wappen des Erfurter Petersklosters, welches damals die Gerichtsobrigkeit über Frankenroda inne hatte.
Viel später zu DDR- Zeiten befand sich ein Ferienobjekt von Laborchemie Apolda im heutigen Landgasthof Probstei Zella. Diese betriebliche Erholungseinrichtung wurde ganzjährig genutzt. Erst nach der Wende blieb sie geschlossen.
1996 erwarb Familie Groß das Anwesen. In den folgenden zwei Jahren wurde das Gebäude von Grund auf renoviert, so daß am 1.5.1998 der Landgasthof „Probstei Zella„ eröffnet werden konnte.2
Der freundliche Campingplatz nur für Zelte, die großzügigen sauberen Duschanlagen und das Landgasthaus mit seiner guten Küche und dem "Wernesgrüner Bier" überzeugen uns hier anzulegen. Die Boote werden aus dem Wasser genommen, es wird noch ein kleiner Schauer abgewartet, und dann die Zelte aufgebaut.
Um 21.00 Uhr zieht es uns nach einem gemeinsamen Abendessen und einem Spaziergang nach Frankenroda wieder in unsere Zelte.
SONNTAG, den 17.06.2001

Noch vor einem Schauer können wir die Zelte abbauen und nach einem sehr guten gemeinsamen Frühstück im Hotel zieht es uns wieder aufs Wasser. Wir können trocken einsteigen. Die Werra ist ab hier nun eine "Bundeswasserstraße" , auch wenn sie nicht mehr der allgemeinen Schiffahrt dient. Nach einer großen Schleife sind wir am Wehr in Falken angelangt. Ein sehr bequemer Ein- und Ausstieg erleichtert das Umtragen. Es geht auch gleich weiter, denn dunkle Wolken drohen mit Regen. Leo und Robert haben es nicht mehr geschafft, der Schauer hat sie doch überrascht. Bei km 5 erinnern wir uns an Rudi Wirts "Bademeister", der wie Neptun aus den Fluten aufgestanden war, vor einigen Jahren. Von weitem grüßt uns die Adolfsburg und nach 2 km durchfahren wir die Stadt Treffurt um bei Heldra kurzfristig "hessisches Land" zu befahren. Links liegt das thüringische Großburschla und rechts das hessische Altenburschla. Bei km 20 erreichen wir die Stauanlage Wanfried und wollen erst einmal ausgiebig Mittagspause machen. Die dunklen Wolken sind verzogen und es ist wieder angenehm warm. Man sucht schon wieder den Schatten alter Bäume auf. Nach dem Umtragen werden wir von einem Schwan, der nur seine Familie schützen will, angegriffen. Nachdem wir ihm unsere friedlichen Absichten klargemacht haben, läßt er uns in seiner bedrohlichen Angriffsstellung passieren. Die Staustufe Wanfried hat noch eine Schleuse, früher –vor 100 Jahren - ist bis hierher die Schiffahrt noch gegangen, hauptsächlich Getreide wurde hier umgeschlagen.
Die Berge ziehen sich etwas zurück und die Landschaft öffnet sich. Eschwege ist erreicht. Beim Kanuclub nehmen wir die Boote heraus, hier ist unser heutiges Quartier. An diesem Wochenende findet in Eschwege das Johannisfest statt. Es ist eine richtige Kirmes. Die Disko - Musik mit den tiefen Bässen dringt bis zu uns herüber.
Die schöne saubere Fachwerkstatt Eschwege und der Kanuklub mit seinem neuen schönen, erweiterten Bootshaus sind uns durch die jährlichen Wochenendfahrten auf der Werra so richtig ans Herz gewachsen. Nach einem kleinen Abstecher zum Johannisfest treffen wir uns in der "Krone" zum Abendessen.
Eine Gruppe Jugendlicher hat sich auf dem Zeltplatz häuslich niedergelassen.
Während wir langsam nach einem Schlaftrunk in unsere Zelte verschwinden, beginnt bei denen ein lustiges Treiben.
 
MONTAG, den 18.06.2001

Nach dem gestrigen lauen Sommerabend ist es heute morgen richtig kühl. Die Zelte könne gerade noch trocken abgebaut werden, dann beginnt es leicht zu regnen. Unser lieber "Benno" Leister nimmt uns den anvertrauten Schlüssel ab und mit einem freundlichen Ahoi werden wir verabschiedet. In ca. 800 m sind wir an der Umtragestelle am Wehr Eschwege. Mit dem vorhandenen Bootswagen können immer gleichzeitig 2 Boote transportiert werden. Wegen des leichten Regens läuft alles sehr zügig ab und es geht mit einem Schuß den rechten Kraftwerkskanal hinunter. Die Werra hat jetzt wieder flotte Strömung. Bis Albungen hat sich der Fluß tief eingegraben. Dann führt er wieder an den Bergrücken in kleinen Schleifen auf Bad Soden – Allendorf zu. Umtragen möchten wir nicht gern wegen des Regens und so opfert sich Robert steigt aus und bedient die Schleuse. Es dauert doch sehr lange. Die Schleusenkammer muß erst gefüllt werden. Doch nach einer ¾ h können wir weiter. Es geht an Wahlhausen vorbei und wir erreichen die Hufeisenschleife bei Lindewerra. Hier verlief vor der Wiedervereinigung die Grenze zwischen der BRD und der DDR in Flußmitte. Nichts ist davon noch zu sehen. Eine neue Brücke verbindet wieder Lindewerra mit Oberrieden. Die Narben sind verheilt.
Links guckt die Burg Ludwigstein und rechts die Burg Hanstein hervor. Nach 8 km erreichen wir das Bootshaus des Kanuklubs in Witzenhausen. Wir werden sehr freundlich hier empfangen und können unsere Kleidung an der Heizung, die extra für uns angeworfen wird, im kleinen Saal trocknen. Zum Essen haben wir uns in der Stadt nach einem kleinen Rundgang mit Regenschirm dann beim "Italiener" getroffen. Witzenhausen ist auch eine sehr schöne Fachwerkstadt mit Wehrtürmen auf den Mauern gesichert und der Liebfrauenkirche aus dem 13. Jahrhundert. Zum Abschluß des Tages sitzen wir noch fröhlich bei den Witzenhäusern an der Theke bei Schwarzbier aus Eschwege und dem heimischen Kirschbrand.
 
DIENSTAG, den 19.06.2001

Es ist zwar sehr kühl, aber es hat aufgehört zu regnen. Unter dem Grill Pavillon wird erst einmal gut gefrühstückt. Der Weg zum Bäcker war zu weit also heute ohne Brötchen. Das heutige Ziel ist Hann. – Münden und das liegt schon in Niedersachsen. Jeden Morgen der gleiche Rhythmus nach dem Frühstück: Zelte abbauen, Boote laden und zu Wasser bringen. Wir werden in Witzenhausen mit Glockengeläut verabschiedet und es geht mit flotter Strömung zum nächsten Wehr. Die Werra führt uns an Gertenbach und Blickershausen nach Hedemünden. Dem Gertenbacher Kampfschwan können wir ausweichen und benutzen vor dem Wehr Hedemünden die Lache, im unteren Teil Wildwasser. Das war bislang die schnellste Wehrüberquerung und es hat viel Spaß gemacht, wenn es so richtig strömt. Die Werra drängelt sich am Kaufunger Wald vorbei und nach der Autobahn- und DB- Brücke kommen wir zum Wehr "Letzter Heller". Inzwischen hat sich die Sonne auch herausgewagt und es angenehm warm geworden. Mit den vorhandenen Bootswagen geht auch hier das Umtragen recht flott und weiter geht es bis wir die ersten Häuser von Hann. – Münden sehen. Das erste Überlaufwehr lassen wir links liegen und bleiben ganz rechts, unterfahren die alte steinerne Werrabrücke bis zum Wehr und können dann unter Beobachtung von Touristen unsere Boote mit dem hier vorgehaltenen Bootswagen zum Unterwasser fahren. Wieder mit flotter Strömung geht es dann in die Weser und am Weserstein gleich links in den Schleusenkanal der Fuldaschleuse. Jetzt müssen wir unsere Boote hochtragen, um zu dem Campingplatz auf der Fuldainsel zu gelangen. Unser Etappenziel, eine der sieben schönstgelegenen Städte der Welt (A. von Humboldt), ist erreicht.
Durch die Vereinigung der Werra mit der Werra hier in Münden müssen nun beide Flüsse ihren Namen büßen. Am Weserstein ist dieses für jedermann schriftlich festgehalten. Bei einem anschließenden Stadtgang haben wir uns davon überzeugt. Die herrlichen Fachwerkhäuser (700 aus 6 Jahrhunderten) mit dem Renaissance - Rathaus, dem Welfenschloß und auch das Haus des Dr. Eisenbart begeistern uns sehr. In der Drei – Flüssestadt - Münden endet unsere Werrafahrt, die nun morgen auf der Weser fortgesetzt werden soll.
 
MITTWOCH, den 20.06.2001

Der arme Günter Nitzsche ist gestern von der Hexe angeschossen worden, ein Weiterfahren ist ausgeschlossen. So muß ihn seine Frau abholen. Bevor wir um 9:00 Uhr aufs Wasser gehen ist sie schon da und wir können Günter noch verabschieden. Es tut uns allen sehr leid und wir wünschen ihm eine baldige Genesung. Aber unter der fachkundigen Betreuung durch seine Frau wird er bald wieder richtig laufen können.
Die Fließgeschwindigkeit der Weser ist gegenüber der Werra doch erheblich höher, schätzungsweise 1 m/s so zwischen 3 und 4 km/h. Das nächste Wehr befindet sich nach 135 km erst in Hameln.
Wir fahren an Gimte vorbei und erreichen nach Hilwartshausen die Ballertasche, die erste Engtalstrecke der Weser. Links der Reinhardswald und rechts der Brahmwald, die Weser trennt hier Hessen von Niedersachsen - das hessische Veckerhagen und das niedersächsiche Hemeln sind aber durch eine Fähre miteinander verbunden. Nach der Veckerhagener Talweite müssen wir die zweite Engtalstrecke durchfahren.
Die Sonne meint es heute gut mit uns also schönen Aussichten. Die herrliche Landschaft können wir so richtig genießen.

Im Bramwald haben früher die alten Rittersleut ihr Unwesen getrieben. Die Ruine des sagenumwobenen Raubritternestes ist leider nicht zu erkennen und von Dornröschen in der Sababurg links oben im Reinhartswald können wir nur träumen.
Bei Weser-km 28 erreichen wir Gieselwerder, die Zwischenstation. Am Grillpatz gehen wir an Land. Die Anlegemöglichkeit ist gut. Der Grillplatz ist sehr schön und zweckmäßig von der Gemeinde für Wanderer zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Kanu angelegt worden. Die Gebäude, eine große Hütte incl. Tische und Bänke, die Grillstation mit großem Grill und das Toilettenhäuschen (leider verschlossen - Schlüssel bei der Gemeinde) sind architektonisch und handwerklich sehr gelungen. Bei der großen Hitze ist erst einmal der Schatten gefragt. Nach einer langen Mittagsrast mit kleinem Schläfchen brechen die ersten drei auf., die anderen eine halbe Stunde später.
Rechts liegt Lippoldsberg mit der frühromanischen Kirche eines ehemaligen Schlosses. In diesem Ort lebte einer der Gebrüder Grimm. Weiter nach Bodenfelde und schon ist der Solling unser Begleiter.
Unterhalb von Wahrmbeck beginnt die dritte Engtalstrecke mit dem Sollingdurchbruch.
Mit Bad Karlshafen erreichen wir eine der schönsten Städte an der Weser. Der Landgraf Karl von Hessen nahm die in Frankreich wegen ihres protestantischen Glaubens verfolgten Hugenotten hier auf und ließ sie diese Stadt mit ihrer Hafenanlage bauen. Ein ganz anderer Baustil als die uns bekannten Fachwerkhäusern. Leider ist die Hafenanlage nicht mehr befahrbar - vielleicht auch ganz gut so. Es würde nur so von Sportbooten wimmeln.
Von hier wurden die Hessen, die von ihrem Landesherren dem Kurfürst von Hessen - Kassel, an die Engländer für den Kampf gegen die Unabhängigkeitsbewegung in Amerika verkauft wurden, eingeschifft..
Vor uns ist der Julius-Turm oberhalb der Weser zu erkennen. Die Diemel mündet von links in die Weser und die „Hannoverschen Klippen" werden überwunden. Weiter geht es nach Herstelle, dem ersten Ort in Nordrhein-Westfalen. Das Land Hessen haben wir nun auch hinter uns gelassen.
In Würgassen endet der Sollingdurchbruch und „Am Totenkopf" beginnt der große Weserbogen. Mit dem Totenkopf könnte auch das Atomkraftwerk gemeint sein. Es liegt so friedlich und still in der schönen Landschaft. Kein Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen.
Alles so ungefährlich? Ist es schon stillgelegt? Wo bleibt nur der Atommüll?

Gegen 16.00 Uhr ist das Ziel - das Bootshaus des WSV Beverungen - erreicht. Eine vorbildliche Anlage mit einer guten Küche. Schnell sind die Zelte aufgestellt und dann unter die Dusche und den Schweiß abgespült. Was für eine Wohltat!
Die ersten sitzen im Schatten auf der Terrasse bei Kaffee und Kuchen.

Zum Abendbrot werden wir von der Küche mit ein einer reichhaltigen Speisekarte und gutem Essen verwöhnt. Auch das Bier läuft gut. Faßbrause gibt es leider nicht mehr.
DONNERSTAG, den 21.06.2001

Am nächsten Morgen geht es bei spärlichem Sonnenschein aufs Wasser.
Oberhalb der Weser in einem engen Bogen sehen wir das Schloß Fürstenberg mit seiner staatlichen Porzellanmanufaktur.
In der Ferne sind schon die Türme der Kilianskirche von Höxter zu sehen. Auch hier in Höxter sollte man aussteigen und die reizvolle westfälische Kreisstadt, welche von einer Stadtmauer - von drei Seiten - umgeben ist, einmal ansehen. Wir lassen Höxter hinter uns und nach einer Strombiegung liegt links neben uns die Benedigtiner - Abtei Corvey mit ihrer Kirche. Hier ist auch die Grabstätte des Hoffmann von Fallersleben, dem Dichter des Deutschlandliedes. Es ist doch wieder ganz schön warm geworden. Eine kleine Pause ist angesagt. Zur Besichtigung des Klosters besteht wenig Lust.

Durch die „Südenbucht", eine unübersichtliche Stelle bei Schiffsverkehr, kommen wir nun nach Holzminden. Den Getreidespeicher haben wir schon von weitem gesehen.
Die ersten dunklen Wolken kommen auf und der Wind nimmt kräftig zu. Der Köterberg, der höchste Berg des Weserberglandes, liegt im Regen. Die Weser wechselt in weiten Windungen von Prallhang zu Prallhang. Um 16.00 Uhr sind wir in Polle. Oberhalb der Fähre steht trotzig die Burg der Grafen von Everstein. Hier ist eigentlich die zweite Pause vorgesehen, schlechte Aufstiegsmöglichkeit und wegen des Regens wollen wir weiterfahren. Mit flottem Schlag geht es dann Brille, hier müssen wir dann Pause machen. Die Sonne guckt auch wieder hervor. Die Aufstiegsmöglichkeit ist ganz schlecht. Sie liegt auch in einer Kurve und die Fließgeschwindigkeit der Weser ist hier sehr stark. Leos Steuer muß erst wieder gerichtet werden. Dann geht es nach einer halben Stunde weiter über Steinmühle und der Rühler Schweiz nach Bodenwerder. Hier sind wir beim Ruderklub angemeldet und werden auch recht freundlich empfangen. Zelte aufbauen, duschen und der übliche Stadtgang mit Abendessen beginnt. Das Münchhausen - Museum ist leider schon geschlossen und so schlendern wir durch die engen Straßen und Gassen der Altstadt von Bodenwerder mit den sauberen Fachwerkhäusern und der schön angelegten Fußgängerzone.
Heute ist griechisch/deutsche Küche angesagt und so lassen wir uns das Essen gut schmecken.
Die Fahrstrecke Beverungen Bodenwerder war die längste Strecke unserer Tour mit 58 km. Um 22.00 Uhr bei untergehender Sonne geht es zurück ins Quartier.
FREITAG, den 22.06.2001

Geweckt werden wir durch Regen, der auf das Zelt prasselt. Los aufstehen, waschen und die Sachen packen! Unser Endziel ist Minden. Vielleicht hört es auch wieder auf zu regnen. Nur Mut und Gottvertrauen! Das Frühstück können wir geschützt unter einem überdachten Grillplatz einnehmen. Leo hat die Brötchen geholt und wir lassen es uns gut schmecken.
9:00 Uhr, Es nützt nichts wir müssen bei Regen aufs Wasser. Was soll es, wir sind doch echte Wassersportler. Alle Paddler sind mit ihrem Regenzeug bekleidet ein buntes Völkchen auf dem Wasser. Beobachtet werden wir von keinen Menschen, Selbst die stolzen Schwäne haben sich verzogen. Noch hinauf einen Blick zur Königszinne, der Aussichtsplattform auf dem Vogler oberhalb Bodenwerders und schon tragen uns wieder die Fluten der Weser unter die neue Kemnader-Brücke vorbei in Richtung Nordwest. Der Wind bläst uns voll entgegen.
Auf der Höhe des Schlosses Hehlen, ein Renaissance - Schloß mit Zwiebeltürmen, hat der Sturm den Regen vertrieben und die ersten Sonnenstrahlen sind schon zu erkennen; Dafür aber reichlich Gegenwind. Die Regenkleidung bleibt aber an.

Wir erreichen jetzt die fünfte Engtalstrecke der Weser.

Schon von Weitem sind die Wasserdampfschwaden des Atomkraftwerkes Grohnde sichtbar. Die Weser ist hier schon sehr breit und durchfließt ein weites Tal. Wie ein riesiger Klotz in der Landschaft steht vor uns das Atomkraftwerk Grohnde mit seinen riesigen Kühltürmen. Ein Fahrgastschiff der Oberweser - Dampfschiffahrt kommt mit einer hohen Bugwelle auf uns zu. Wir halten uns ganz auf der östlichen Uferseite. Beim Durchfahren des aufgewühlten Wassers spüren wir, daß die Wassertemperatur durch die Kühlwassereinleitung merklich angestiegen ist. Von der Kühlwassereinleitung über eine Berieselungsanlage hat sich ein gelbgrüner Teppich aus den Schwebstoffen des Weserwassers nun ausgebreitet. Wir stampfen mit unseren Booten durch diese Brühe. Es geht weiter immer Richtung Nordwesten bei starkem Gegenwind, aber etwas Sonnenschein. An Kirchohsen vorbei erreichen wir Emmerthal mit dem Zufluß der Emmer.

Die Fließgeschwindigkeit der Weser läßt erheblich nach und am Ohrberg befinden wir uns im Staubereich der Wehranlage Hameln. Von rechts mündet die Hamel in die Weser, links ein Wasserübungsplatz der britischen Pioniere. Wir halten uns mit unseren Booten auf der linken Weserseite und fahren an der Schleuse vorbei zum Anleger der ersten Bootsgasse Deutschlands auch nach seinem Erfinder Butzengeiger - ein Förderer des Wassersportes bei der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung in Hannover und später auch Wasserbaureferent beim DKV - auch „Butzgasse" genannt..
Es ist 12.30 Uhr; die nahe Münsterkirche schlägt zweimal, das Zwischenziel Hameln ist erreicht. Eine der schönsten Städte Norddeutschlands mit zahlreichen Bauten der Weser - Renaissance, dem Rattenfängerhaus, dem Hochzeitshaus, ist uns von den Weserbergland-Wanderungen unseres MSV schon gut bekannt; auf einen Stadtbummel verzichten wir daher um nach dem Essen die Bootsgasse zu benutzen und Richtung Norden weiterzukommen.

Der Böschungs - Bereich der Bootsgasse lädt zur Mittagsrast ein. Es juckt uns doch schon nach einer kurzen Stärkung die Gasse endlich zu befahren. Die Anfahrt erfolgt zum schwimmenden Bedienungsschalter mit dem entspr. Hinweisschild: Bei Niedrigwasser GRUNDBERÜHRUNG möglich. Wann ist Niedrigwasser? Risiko! Nach dem Knopfdruck senkt sich der Verschlußkörper und das Wasser schießt die Bootsgasse hinunter. In der Bootsgasse sind Schikanen in Form von Fischgrätmuster angeordnet, damit das Boot in der Mitte der Gasse geführt wird. Die Signalleuchte gibt mit grün die Einfahrt frei. Über ein Leitwerk fährt das erste Boot in die Bootsgasse ein. Paddel nach vorn, leichte Kammerwandberührung, und schon geht es abwärts. Es wäre zweckmäßig, an den Aussparungen der Notverschlüsse eine leichte Fenderung anzubringen, um das Bootsmaterial vor Berührung mit der Betonwand zu schützen. Das Boot bleibt genau in Gassenmitte und im Unterwasser sammeln wir uns im Schleusenbereich - vor dem Wehrbereich wird ausdrücklich gewarnt - um gemeinsam weiterzupaddeln. Der starke Seitenstrom des Kraftwerkes läßt uns auf der linken Weserseite bleiben. Von rechts mündet der zweite Weserarm ein und die Weser hat wieder ihre alte Fließgeschwindigkeit.
Nach 4 km ist rechts Fischbeck mit der sehenswürdigen ehemaligen Klosterkirche zu sehen.

Obwohl die Weser wieder läuft, müssen wir uns wegen des starken Gegenwindes doch „ins Zeug legen". Ein Regenschauer folgt dem anderen. Das breite Wesertal wird links von den einsamen Wälder des Rumbecker Berges und rechts vom Süntel und dem Wesergebirge begrenzt. Die Hohensteiner Klippen und auch das Schloß Schaumburg sind gut auszumachen. In der Ferne ist schon der Kirchturm von Rinteln zu sehen; noch eine Schleife, dann haben wir es erreicht. Um 16.00 Uhr sind wir am Bootshaus des Rintelner Kanu - Klubs bei Weser-km 163. Auch hier sind wir angemeldet und ein Lager auf dem Boden des Bootshauses für unsere Luftmatratzen steht uns für eine geringe Gebühr zur Verfügung. Draußen auf dem Gelände des Kanu-Klubs hat sich eine Gruppe Kanuten aus den Niederlanden in ihren Zelten niedergelassen.
Der Himmel hat sich bezogen und es fängt leicht an zu regnen. Nachdem wir unser Lager bereitet und ausgiebig geduscht haben, wollen wir wegen der netten Räumlichkeiten und Anbetracht der Wetterlage hier im Bootshaus zu Abend essen, aber es keine Bewirtung möglich und so ziehen wir in die Stadt zum Ratskeller.
SAMSTAG, den 23.06.2001 (letzter Tag)

7.00 Uhr wecken, waschen, aufräumen, Boote klarmachen,
8.00 Uhr reichhaltiges Frühstück und genügend Kaffee.
Um 9.00 Uhr sitzen heute nur noch drei – Jürgen, Leo und Robert, die anderen drei haben hier Schluß gemacht, - wir bei durchwachsenem Wetter jedoch kein Regen - aber vorsichtshalber in Regenkleidung - wieder in unseren Booten und verlassen Rinteln. Wir fahren am Doktorsee einem großen Wassersport- und Freizeitzentrum vorbei und erreichen nach einigen Fehl - km (mit alphanumerischen Zeichen versehen), weil die Weser einmal von Bremen am Beginn der Unterweser und dann wieder von der Entstehung in Münden kilometriert wurde, bei km 174 die Veltheimer Bucht. Mit km 177 beginnt die sechste Engtalstrecke der Weser, rechts erscheint das große Kohlekraftwerk Weser. Wir fahren an Vlotho vorbei. Von Nord - Westen her ziehen dunkle Wolken auf und so entschließen wir uns zur Weiterfahrt. Wir befinden uns nun in Nordrhein-Westfalen im Kreis Minden-Lübbecke und unterfahren die beiden Autobahn- und Eisenbahnbrücken. Links liegt das berühmte Staatsbad Oeynhausen. Die Werre mündet bei Rehme von links in die Weser ein.
Die Weser macht nun einen großen Bogen und fließt in Richtung Osten. Vor uns steht das Wiehengebirge. Wie kommt das Gebirge zu seinem Namen? Weil es wie `n Gebirge aussieht, behaupten die Mindener. Die Wittekindsburg ist zu sehen. Die Stammburg des Sachsenherzogs Widukind. Der Sage nach wurde Widukind von den Franken Karls des Großen verfolgt, nachdem sie in Verden 7 000 heidnische Sachsen, die nicht den christlichen Glauben annehmen wollten, niedergemetzelt hatten. Widukind war durch die Verfolgung so durstig geworden, daß er sich entschloß, wenn er jetzt Wasser finden würde, trete er zum christlichen Glauben über. Sein Pferd schlug aus und aus dem Fels entsprang eine Quelle. So soll dieser Herzog mit seinen Sachsen zum neuen Glauben gekommen sein. Aus dieser Quelle sprudelt noch heute frisches kühles Naß.

Die berühmte Weserscharte, die Porta Westfalica, der Durchbruch zur Norddeutschen Tiefebene ist erreicht. Links oben begrüßt uns Kaiser Wilhelm I. mit ausgestreckter Hand und auf der anderen Seite auf dem Jakobsberg im Wesergebirge streckt der Fernsehturm sich in den Himmel.
Vor uns ist eines der Wahrzeichen von Minden die Marienkirche zu sehen und nach 4 km durchfahren wir die alte westfälische Kreisstadt, die im 9.Jahrhundert schon als Bischofssitz gegründet worden ist. Das Endziel unserer Wanderfahrt (Weser km 203) in Minden ist erreicht.
Wir werden hier freundlich von den Kanuten des FuS Minden in ihrer neuen vorbildlichen Anlagen aufgenommen.
Das Auto, das uns nach Hannover bringen soll ist auch bald da und nach einem kleinen Schwätzchen mit den Mindener Kanuten geht es zurück nach einer Woche nach Hannover.
 
Leo, Wolf und Jürgen haben im Rahmen der 46. TID(ICF – Donaufahrt) die deutsche und österreichische Strecke befahren.
 
Tour International Danubien kurz TID — irgendwann hört jeder Paddler einmal hiervon. „Es soll die längste Kanutour der Welt sein – 2.080 km, zwei Monate und vier Tage„. Zu lange für einen normalen Urlaub, aber man kann ja auch Etappen mitfahren. Die deutsche Etappe ist immerhin noch 240 km lang. Diese müssen in fünf Tagen, mit einem Ruhetag, bewältigt werden. Einige indem den freien Fluss der Donau und so müssen Tagesetappen mit 57km in nahezu stehendem Gewässer bewältigt werden. Der Zeitplan der TID muss eingehalten werden, gepaddelt wird bei jedem Wetter. Die sportliche Herausforderung, verbunden mit viel Kultur, aber auch die Geschichte der TID machen diese Welt größte Kanutour interessant.
 
Donau Dunaj Duna Dunav Danube,
 
Der zweitlängste europäische Strom und die TID zogen weitere 207 Paddler an. Aus 13 Nationen von drei verschiedenen Kontinenten kamen sie angereist.
Die Donau, nach der Wolga, der zweitlängste Strom Europas durchfließt auf ihren 2850 km langen Weg acht europäische Länder. Dieser europäische Fluss wird künftig hoffentlich Symbol eines freien, vereinten und friedvollen Europas sein.
Dies hat sich die TID, bereits seit 46 Jahren, auf ihren Fahnen geschrieben. Förderung der Völkerfreundschaften und Frieden zwischen den Nationen, sind die Ziele der TID.
 
Jährlich treffen sich Paddler und Ruderer zur TID, um gemeinsam wenigstens Teilstrecken der Donau zu befahren. Dies seit 46 Jahren in ununterbrochener Folge. Ursprünglich entstand diese Idee hinter dem „Eisernen Vorhang". Nur Spitzensportlern war es damals vorbehalten in andere Länder zu sportlichen Wettkämpfen zu reisen. 1955 kamen Wassersportler, bei einem Treffen in Budapest, auf die Idee, diese engen Regelungen mit einer internationalen Kanu/Ruder - Tour zu umgehen. Die ersten Fahrten führten von Bratislava nach Budapest. 1957 schloss sich Jugoslawien an, das Ziel war nun Belgrad. Ende der 50er Jahre war ein internationales Jugendtreffen in Wien, der Schlüssel für eine der schweren Türen des „Eisernen Vorhangs„. Der Start wurde nach Wien verlegt, 1961 nach Linz. 1962 begann die TID in Engelhartszell an der österreichisch-deutschen Grenze und führte über 1.200 km bis nach Kladovo/Jugoslawien. Ihren ersten Start auf deutschem Gebiet hatte die TID 1965 in Regensburg mit dem Ziel Russe in Bulgarien. In den Jahren darauf schlossen sich immer mehr Kanuten und Ruderer aus dem Westen an. Seit 1966 ist Ingolstadt der Ausgangspunkt der TID. In der heutigen Form führt die TID, in ihren 2080 km langen Verlauf, durch fünf Länder bis nach Silistra in Bulgarien.
 
Ohne jegliche staatliche Unterstützung, seit nahezu einem halben Jahrhundert über sechs verschiedene Donauanrainerstaaten hinweg! Organisiert wird die TID von den Wassersportverbänden der Länder, durch welche die TID läuft. Gedanken Ideen, über die Politiker seit ein paar Jahren reden, werden von den Kanu- und Rudersportlern seit fast 50 Jahren umgesetzt und gelebt.
 
 
240 Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Tschechien, Polen, Holland, USA, Australien waren diesmal auf der TID. Eine neuseeländische Lehrerin, welche zur Zeit in China arbeitet, war in Erlau in die TID eingestiegen. Einige kamen unangemeldet hinzu. Die meisten Teilnehmer fahren nur Teilstücke mit, aber immerhin 46 Kanuten sind innerhalb neun Wochen, mit 10 Ruhetagen, die Gesamtstrecke befahren. Darunter die 81 jährige Helma, die gar nicht mehr weiß wie oft sie an der TID teilgenommen hat. Oder der 79 jährige Egon, der zum 17. mal die Gesamtstrecke paddeln will. Fast unbemerkt von der Welt paddeln und rudern diese Wassersportler in kleinen Gruppen oder auch alleine die Donau herunter. Abends geht man gemeinsam zum Essen oder sitzt vorm Zelt und bereitet sich sein Abendessen selber zu. Immer aber herrscht ein babylonisches Sprachengewirr. Freundschaften über Kontinente und Jahre hinweg entstehen. Weitere gemeinsame Unternehmungen werden geplant und durchgeführt. Selbst TID - Hochzeiten gab es schon. Ein freundschaftlicher, liebevoller Umgang über Sprach- und Kulturbarrieren hinweg herrscht. So manchen Europa Politiker wäre es gut angeraten hier teilzunehmen um für seine Arbeit Anregungen zu holen.3
 
Eröffnung der TID in Ingolstadt durch die Präsidenten des Bayrischen Kanuverbandes und dem jugoslawischen TID – Präsidenten am 30.06.
 
a) deutsches Teilstück
1. Paddeltag SO, den 01.07.2001 Ingolstadt Kehlheim 44,0 km
2. Paddeltag MO, den 02.07.2001 Kehlheim Regensburg 29,0 km
3. Paddeltag DI, den 03.07.2001 Regensburg Straubing 55,0 km
1. Ruhetag MI, den 04.07.2001 Besuch der Landshuter Hochzeit
4. Paddeltag DO, den 05.07.2001 Straubing Mühlham 57,0 km
5. Paddeltag FR, den 06.07.2001 Mühlham Erlau 55,0 km
2. Ruhetag SA, den 07.07.2001 Besuch der Dreiflüssestadt Passau
Abschiedsabend bei Gesang mit Gitarren - Begleitung und Volkstänze der beteiligten Nationen am Lagerfeuer
b) österreichisches Teilstrecke
6. Paddeltag SO, den 08.07.2001 Erlau Inzell 33,0 km
7. Paddeltag MO, den 09.07.2001 Inzell Linz 49,0 km
8. Paddeltag DI, den 10.07.2001 Linz Grein 54,0 km
9. Paddeltag MI, den 11.07.2001 Grein Ybbs 37,3 km
10. Paddeltag DO, den 12.07.2001 Ybbs Aggsbach –Markt 28,9 km
11. Paddeltag FR, den 13.07.2001 Aggsbach - Markt Mautern 53,0 km
12. Paddeltag SA, den 14.07.2001 Mautern Tulln 58,0 km
13. Paddeltag SO, den 15.07.2001 Tulln Wien-Kuchelau 53,0 km
2. Ruhetag MO, den 16.07.2001 Stadtführung Wien
14. Paddeltag DI, den 17.07.2001 Wien-Kuchelau Hainburg 27,6 km
Unser Paddelfreund Wilm Rakers aus Norhorn hatte hier in Hainburg sein Wohnmobil schon am 29.06. abgestellt. Abends wurden noch die 4 Boote auf das Wohnmobil verladen und nachdem wir am nächsten Morgen alle unsere neuen Freunde verabschiedet haben und die ganze Armada sich auf dem Wege nach Slowakien in Bewegung setzte, erfolgte die Rückreise nach Hannover über Ingolstadt.
Es war nicht nur die Donau mit ihren vielschichtigen Landschaften, durch den sich der Strom gegraben hat, was uns zur Teilnahme bewegte, sondern neugierig waren wir auf die Kameradschaft bei einer solchen großen ICF –Fahrt. Alte Bekannte haben wir getroffen. So konnten diese Freundschaften wieder aufgefrischt werden, aber auch neue Freundschaften haben sich gebildet. Trotz teilweiser großer Hitze, Regen, Wind und Unwetter hat kein Paddler aufgegeben. Paddler sind eben doch harte Burschen.
Jürgen Hauf