Langweilig

Langweilig

Meistens walken wir ja zusammen. Mittwochs nachmittags in einer größeren Gruppe. Sonntags zu zweit, dafür weiter und länger, aber immer zur selben Zeit. Abmarsch halb zehn, Dauer etwa zwei Stunden und jeden Sonntag dieselbe Strecke.

Das ist langweilig?

Nun ja, man begegnet dabei eigentlich schon immer denselben Leuten: zum Beispiel dem Mann im Bundeswehrparka und mit Stirnband in hellblau, der auf einem unglaublich schrottreifen Fahrrad aber in astreiner Tour-de-France-Haltung unsere Strecke mehrmals in umgekehrter Richtung strampelt, oder den beiden Damen in todschickem rosa Outfit, die mit verbissenem Gesicht und schnaufend Pfunde bekämpfen. Dem Mann im durchgeschwitzten grauen Kapuzen-Sweatshirt... Der zierlichen jungen Frau, die immer so leichtfüßig dahin zu schweben scheint... Und dann ist da auch jeden Sonntag der Mann mit dem Schlittenhund, der eigentlich eher spazieren steht als geht.

Auf der Gegengraden, kurz vor dem Rodelberg - man hört sie immer schon von weitem - kommen die MSV-Leichtathleten: "Huhuuuu, hallooo - ihr auch wieder?- Schönen Sonntaaaaag!" Und hui - weg sind sie.

Dafür kommt aus der anderen Richtung wie aufs Stichwort der südländisch aussehende kräftige Mann, dem vom Laufen der Schweiß in Strömen vom Gesicht fließt. Er nickt uns freundlich zu und hebt lässig grüßend die Hand .

Ja - wir sind so etwas Ähnliches wie eine große Familie.

Aber neulich musste ich allein los, meine Mit-Walkerin war verhindert.

Naja, nicht so schlimm, dachte ich, da ist ja die Sonntag-Morgen-Jogger-Renner-Walker-Radler-Familie, da bin ich gut aufgehoben.

Und so war es auch. Die vertrauten Gesichter. Und die bekannten Radfahrer mit ihren Hunden an der Leine, bei denen ich mich jedes Mal frage, was wohl passiert, wenn sich Herr und Hund mal über die Richtung uneins werden...

Aber auf einmal - die MSV-Leichtathleten waren gerade entschwunden - da kriegte ich einen ordentlichen Schreck: Was mir da entgegenkam war mir völlig neu! Ich traute meinen Augen nicht. Ich musste direkt überlegen - nein, getrunken hatte ich wirklich nichts. Ich blinzelte. Aber es ist wirklich wahr: Da kam mir doch ein Radfahrer entgegen, der hatte keinen Hund an der Leine - sondern ein Pferd!

Und da rede noch jemand von Langeweile.

Elke Warnecke

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