Trendsetter

Trendsetter

Ich möchte schon gerne mal etwas total Neues erfinden. Nicht immer die Bahnen nachtreten, die vor mir schon Hundertschaften breitgelatscht haben. Einen neuen Trend erfinden, am besten einen Trendsport - das wär' schon was! Nicht nur wegen Money Money, sondern überhaupt. Und vielleicht ist mir das neulich gelungen - ehrlich!

Und das kam so:

Mittwoch, Walking-Tag beim MSV, und ich bin zu spät. Ein paar Minuten nur, aber immerhin. Es gehört sich nicht, zu spät zu kommen, und ich schäme mich ja auch dafür. Abgehetzt komme ich zum Treff. Ich biege um die Ecke auf die BSA - keiner da. Da hast du's, Elke. Sie sind ohne dich losgewalkt. Oder ist gar niemand da heute?

Sollte ich mal einen der Fußballer fragen? Könnte ich ja.

Ich spreche den nächstbesten kurzbehosten Stollenträger an.

"Walker?" , fragt der zurück und guckt mich ganz komisch an. "Johnny Walker? Whisky? Ja, kenn ich."

"Nicht Johnny Walker. Walking!", sage ich und demonstriere mit den Armen, was ich meine.

"Ach die Leute meinst du...", sagt er und fügt mitleidig hinzu: " Die ohne Ball. Tjaa, weiß nicht..."

Sie sind also schon weg. Ich gucke zur Uhr. Ach was!  Die paar Minuten!

Nichts wie hinterher!!!, denke ich dann. Spätestens auf der Brücke habe ich sie! Da stretchen sie immer.

Ich walke also los. Allein, nach dem Motto:  Schwing die Hufe, das kannst du schaffen!

Auf der langen Geraden links vom Sportplatz ist keiner zu sehen. Die machen heute wohl Tempo, denke ich mir und lege noch mal zu. Ich gerate mächtig in Schweiß.

Bergab an Wettbergen-West vorbei walkt keiner. Sollte ich vielleicht ein Stück joggen? Dann hole ich sie leicht ein. Nein, das wäre gemogelt. Es ist Walking-Training. Ich walke einfach noch ein bisschen schneller. Die müssen gerade mal um die Ecke sein! So viel zu spät bin ich ja nun auch wieder nicht. Und bis zur Brücke ist es nicht so weit!

Spaziergänger. Überall. "Na, die hat's aber eilig", sagt einer und hält seinen Dackel vorsichtshalber fest. Kopfschüttelnd machen die Leute mir Platz.

Man soll ja beim Walken nicht keuchen. Mache ich auch nicht, ehrlich, aber viel fehlt auch nicht daran. Ich renne fast. Ich gebe alles! Mannomann, so schnell war ich noch nie! Egal. Ein bisschen Anstrengung hat schließlich noch niemandem geschadet. Gleich kommt die Brücke. Dann habe ich sie eingeholt.

Na, die werden Augen machen, denke ich noch und dann....

Die Brücke ist leer. Wie kommt das? Kein Stretching ? 

Ich stehe einen Augenblick dumm herum. Ich war doch so schnell ! Und trotzdem sind sie schon weitergewalkt? Ich fasse es nicht.

So ein Wahnsinnstempo gehen sie heute ? Kaum zu glauben! Na, das will ich sehen!

Ich verliere keine Zeit mit Stretching. Ich muss sie doch schließlich einholen. Ich walke, was das Zeug hält. Der Schweiß fließt in Strömen.

Auch auf der langen Gegengeraden ist weit und breit kein Walker zu sehen. Das ist allerdings seltsam, das muss ich zugeben. Aber jetzt bin ich so schön im Schwung.... Ich umrunde den Rodelberg gleich zweimal und schwenke auf die Heimatgerade ein.

Von der Walkinggruppe ist nichts zu sehen. Wie vom Erdboden verschluckt! Jetzt gucke ich noch mal kurz auf der BSA vorbei. Da ist auch keiner.

Ob ich die Strecke noch einmal abgehe? Und sie suche? Macht eigentlich Spaß, sie zu verfolgen.....

 

Viel später zu Hause klingelt mein Telefon.

"Warum läufst du eigentlich vor uns weg?", fragt mich Irmtraud mit leichtem Tadel in der Stimme . "Wir sind wirklich schnell gewalkt, aber wir konnten dich nicht einholen! Wir hatten in der Umkleide auf dich gewartet, aber als du nicht kamst, sind wir los..."

Was sie dann noch erzählt erreicht mich wie aus weiter Ferne.

Ein wahnsinniges Gefühl breitet sich in mir aus.

"Verfolgungswalking", schießt es mir durch den Kopf. Das ist es!  Der neue super Trendsport ist da!  Verfolgungswalking. Er wird seinen Siegeszug um die Welt antreten.

Und ich, ich bin der Trendsetter - kann man sich das irgendwo patentieren lassen?

Elke Warnecke

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